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"Die Diskussion um eine nachhaltige Entwicklung muss jetzt die soziale Dimension stärken - für die Menschen der nächsten Generationen."

Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates

09.12.2009

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RNE-Workshop: Szenarien für nachhaltigen Konsum entworfen

Deutschland im Jahr 2050: Förderbänder erledigen den innerstädtischen Warentransport. Heizungen loben uns, wenn wir ihre Temperatur senken. Unsere Kühlschränke sind seit Jahren per du mit dem Biobauern um die Ecke und kaufen Grundnahrungsmittel eigenständig bei ihm ein. Undenkbar? Nicht für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kreativwerkstatt Nachhaltiger Konsum, zu der der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) im Oktober nach Berlin eingeladen hatte. Rund hundert Nachhaltigkeits-Visionäre aus Wissenschaft und Wirtschaft entwarfen dort Szenarien für die Lebensstile, Geschäftsmodelle und Produkte der Zukunft.  

Daran, wie solche Ideen massentauglich gemacht werden können, arbeitet beispielsweise Professor Andreas Knie, Mobilitätsexperte am Wissenschaftszentrum Berlin. Knie stellte während der Kreativwerkstatt das neue Handy-Ticketsystem Touch and Travel vor, mit dem die intelligente Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) einfacher werden soll. Momentan läuft das System in einigen Regionen im Testbetrieb. Automobilität werde in Deutschland noch zu sehr vom Auto her gedacht – statt von der wortwörtlichen Bedeutung der „Selbstbeweglichkeit“ her, kritisierte Knie. Das müsse sich bei der Entwicklung von tragfähigen Mobilitätskonzepten für die Zukunft ändern.

Innovationen allein, mahnten die in der Kreativwerkstatt versammelten Vordenker, seien zwar wichtig, aber noch kein Garant für eine nachhaltige Zukunft. Nachhaltiger Konsum benötige auch neue Leitbilder. Bisher, stellten sie fest, gebe es weder Statussymbole des nachhaltigen Konsums, noch sei klar, wie sich ein zukunftsverträglicherer Konsum überhaupt messen lasse. Einige Teilnehmer wünschten sich daher einen verlässlichen Indikator, eine Kennzahl, um den Begriff des nachhaltigen Konsums konkreter zu machen. Andere plädierten für eine neue Konsumkultur – weg von der Überhöhung des Besitzdenkens, hin zu einer Kultur des Nutzens und Teilens, etwa über die Förderung von Car-Sharing-Angeboten. „Warum“, fragte eine Teilnehmerin, „verpflichtet die Politik große Wohnungsbaugesellschaften nicht dazu, Car-Sharing für ihre Mieter anzubieten?“

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat die Kreativwerkstatt veranstaltet, um Interessierten und Experten aus verschiedenen Branchen und Disziplinen Gelegenheit zu geben, ihre Ideen für mehr Nachhaltigkeit im Alltag zu vernetzen und weiterzuentwickeln. Denkanstöße lieferten renommierte Wissenschaftler, darunter Andreas Knie, die Architektin und Städteplanerin Paola Alfaro d'Alençon vom Habitat Unit der Technischen Universität Berlin und Nadine Pratt vom UNEP/Wuppertal Institute Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production. Das Format der Kreativwerkstatt erwies sich nach Einschätzung der Veranstalter als geeignet, Dialoge zu Nachhaltigkeitsthemen anzuregen und könnte etwa in der Erarbeitung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie 2012 eingesetzt werden. Die Ergebnisse der „Kreativwerkstatt Nachhaltiger Konsum: Lebensstile – Geschäftsmodelle – Gemeinschaft und Produkte 2050“ sind in einer Dokumentation zusammengefasst.

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