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"Um ein neues Geschäftsmodell zu etablieren, das im Einklang mit der Natur arbeitet und wirtschaftliche Nachhaltigkeit letztlich möglich macht, brauchen wir die Unterstützung aller gesellschaftlichen Akteure."

Jochen Zeitz, kooptiertes Mitglied des Rates

25.11.2009

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Nachhaltigkeit und Konsum: Rat legt Empfehlungen vor

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) hat umfangreiche Empfehlungen für eine nachhaltigere Konsumkultur vorgelegt. Derzeitige Wirtschafts- und Verbrauchsmuster seien nicht zukunftsfähig, warnen die Berater der Bundesregierung. Das „Einwegdenken“, das Verbrauch belohne, natürliche Ressourcen „vernutze“ und nach Gebrauch nicht in den Rohstoffkreislauf zurückgebe, müsse durchbrochen werden. Politik, Wirtschaft und die Bürgerinnen und Bürger stehen dabei nach Ansicht des Rates gleichermaßen in der Verantwortung. Nötig seien eine klügere Politik und neue Leitbilder.

Bisher, so die Analyse des Nachhaltigkeitsrates, „denken wir bei ‚Konsum’ ausschließlich an ‚Verbrauch’. Und Verbraucherpolitik belohnt Verbrauch.“ Dieses Verständnis greife aber viel zu kurz, schreibt der RNE, der die Empfehlung anlässlich seiner 9. Jahreskonferenz am 23. November in Berlin veröffentlichte. Dieses kurzfristige Denken sei mitverantwortlich für den Klimawandel, die nicht-nachhaltige Ausbeutung von Rohstoffen, ungerechte Arbeitsbedingungen und unfairen Handel. Nachhaltig sei Konsum erst dann, „wenn wir der Natur nicht mehr Rohstoffe entnehmen als nachwachsen“. Ohne grundlegendes Umdenken ließen sich auch viele Ziele der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie nicht erreichen.

Um einen Kurswechsel einzuleiten, muss die Bundesregierung nach Ansicht der Nachhaltigkeitsberater verschiedene Weichen neu stellen – einige sofort. Etwa die Beschaffungspraxis von Bundesministerien und -Verwaltungen. Andere erforderten mehr Zeit, zum Beispiel die Festlegung eines verlässlichen Indikators für nachhaltigen Konsum oder wirtschaftspolitische Weichenstellungen, die Wettbewerbsnachteile für nachhaltig handelnde Unternehmen beseitigen. „Künstliche Vorteile“ wie umweltschädliche Subventionen, die nicht-nachhaltig handelnde Unternehmen heute noch belohnen, sollten daher überprüft und abgeschafft werden, so der RNE. Nachhaltiger wäre eine „Steuer auf natürliche Ressourcen, die Sparsamkeit und Effizienz honoriert“. 

Abseits solcher Weichenstellungen wirbt der Rat in seiner Empfehlung auch für neue Politik- und Wirtschaftsmodelle, die seiner Ansicht nach bislang auf dem Weg zur nachhaltigen Entwicklung kaum berücksichtigt wurden. Dass beispielsweise die Frage nach dem gesunden Leben in der Diskussion um nachhaltigen Konsum kaum vorkomme, sei angesichts überforderter Gesundheitssysteme „unverantwortlich“, so der RNE. Auch das Messen wirtschaftlichen Fortschritts einzig am Bruttoinlandprodukt sei nicht mehr zeitgemäß, da hohe Gesundheitskosten und Ressourcenverbräuche eine positive Bewertung zulassen.

„Überzeugend“, schreibt der Rat, „wird Nachhaltigkeit dann, wenn sie bedeutsam für die Menschen ist, vorgelebt wird und einfach übernommen werden kann.“ Modelle dafür gebe es bereits, etwa das Car-Sharing, das statt auf den Besitz auf das Nutzen eines Autos  setze. Solche Modelle müssten nun auch abseits der Mobilität etabliert werden, um Nachhaltigkeit im Alltag der Menschen greifbarer zu machen. Nachhaltiger Konsum bedeute eben nicht nur Verzicht, der, so der Rat, zu Unrecht aus der Mode gekommen sei. Nachhaltiger Konsum bedeute auch ein Mehr an „Freiheit, Genuss und Freude“. Das, so der RNE, müsse in der Diskussion um zukunftsfähige Lebensstile stärker betont werden. „Wenn man täglich erfährt, wie sinnvoll nachhaltiger Konsum ist, wird dies auch emotional positiv erfahren.“

Weiterführende Informationen

Konsum und Nachhaltigkeit: Wie Nachhaltigkeit in der Konsumgesellschaft käuflich und (er)lebbar wird. Eine Aufgabe für Politik, Wirtschaft, Bürgerinnen und Bürger. Empfehlung des Rates für Nachhaltige Entwicklung, texte Nr. 30, 20.10.2009. [PDF, 316 KB]

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