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"Gesellschaftliches Bewusstsein ist eine treibende Kraft für Nachhaltigkeit. Deshalb müssen wir die Folgen gesellschaftlichen Handelns aufzeigen und die Diskussion nachhaltiger Lösungsansätze öffentlich machen."

Dr. Joachim Faber, Mitglied des Rates

14.08.2009

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Viele deutsche Unternehmen gegen Pflicht zu Nachhaltigkeitsberichten

Etliche deutsche Unternehmen halten nichts von einer gesetzlichen Verpflichtung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Bei einer Umfrage des Berliner Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der bundesweiten Unternehmensinitiative future e.V. lehnte über die Hälfte der 60 befragten Unternehmen eine solche Pflicht ab. Nichtregierungsorganisationen dagegen setzen sich für eine gesetzliche Verpflichtung zur Nachhaltigkeitsberichterstattung ein. 

„In den nächsten ein, zwei Jahren werden wir sicher noch keine Berichtspflicht über soziale oder ökologische Folgen unternehmerischen Handels erleben“, sagt Johanna Kusch, die bei der Bonner Nord-Süd-Organisation Germanwatch zum Thema Unternehmensverantwortung (Corporate Social Responsibility, CSR) arbeitet. Mittelfristig führe an mehr Verbindlichkeit und festen Standards in der Berichterstattung aber kein Weg vorbei. „Ohne solche Standards und Pflichten“, sagt die Juristin, „droht der Berichterstattung Beliebigkeit“. 

Mehr als die Hälfte der von IÖW und future e.V. befragten Unternehmen sieht das anders und stemmt sich gegen mehr verbindlichere Vorgaben für Nachhaltigkeits- und CSR-Berichte. Sie argumentieren unisono mit der Europäischen Kommission, dass CSR freiwilliges Engagement der Unternehmen meine und daher auch die Berichterstattung freiwillig sein müsse. Freiwilligkeit, so ein von Unternehmen oft genanntes Argument, fördere Kreativität und Eigeninitiative auch bei der Nachhaltigkeit. „Rechtliche Standards“, heißt es auch aus dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), „lehnen wir ab“.

Jana Gebauer, die beim IÖW für nachhaltige Unternehmensführung verantwortlich ist, glaubt, dass „sich die Frage gerade wieder neu stellt“ und in der nächsten Legislaturperiode zum Thema wird. Zwar verpflichte der deutsche Gesetzgeber große Kapitalgesellschaften schon dazu, in ihrem jährlichen Lagebericht über nicht-finanzielle Aspekte zu berichten, die für den Geschäftsverlauf relevant sind. Erfahrungen anderer europäischer Länder wie Dänemark, Schweden oder Großbritannien zeigten aber, dass eine verpflichtende Berichterstattung umfassender definiert werden müsse: „Eine Beschränkung auf für Kapitalgesellschaften oder für Analysten relevante Aspekte wie Rohstoff- oder Klimarisiken kann keinen Erfolg haben“, so Gebauer. 

Unter deutschen Unternehmen sei die Ablehnung einer allgemeinen Berichterstattungspflicht keinesfalls Konsens. „Bei unserer Befragung hat sich jedes vierte Unternehmen dafür ausgesprochen“, sagt IÖW-Forscherin Gebauer. „Sie argumentieren, diese Pflicht könne die gesamte Nachhaltigkeitsleistung der deutschen Wirtschaft erhöhen.“ Eine politische Neubewertung der freiwilligen Berichterstattung hält die Nachhaltigkeitsexpertin auch deshalb für möglich, weil aus der Wirtschaft selbst Impulse kämen. Auch die Teilnehmer einer laufenden Umfrage des Rates für Nachhaltige Entwicklung trauen der Wirtschaft einiges zu: Fast zwei Drittel der Befragten (Stand 13. August) sind sicher oder halten für wahrscheinlich, dass Unternehmen künftig stärker auf Nachhaltigkeit setzen.

Zaghafte Signale kamen Anfang des Jahres auch von der Europäischen Kommission. Günther Verheugen, Industriekommissar in Brüssel und bislang entschiedener Befürworter des Prinzips Freiwilligkeit von CSR-Aktivitäten, sagte im Februar auf einer Fachkonferenz, die Grenzen dieses Prinzips seien „nicht für immer und überall fixiert“. Gesetzgebung und Unternehmensverantwortung, so der stellvertretende Kommissionspräsident, entwickelten sich weiter. „CSR wird in zwanzig Jahren bestimmt andere Verpflichtungen umfassen als heute.“

Wie es heute um die Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher Unternehmen bestellt ist, ermitteln IÖW und future e.V. derzeit für ein Ranking der Nachhaltigkeitsberichte der 150 größten deutschen Konzerne und erstmals auch für kleine und mittlere Unternehmen. Unterstützt werden sie dabei vom Rat für Nachhaltige Entwicklung und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Die Ergebnisse werden im Rahmen einer Preisverleihung auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 23. November 2009 in Berlin vorgestellt.

Weiterführende Informationen

Befragung: Klimawandel und Finanzkrise sind Top-Themen in Unternehmen. Pressemitteilung des IÖW, 05.08.2009.

Praxis der Nachhaltigkeitsberichterstattung in deutschen Großunternehmen. Befragungsergebnisse im Rahmen des IÖW/Future-Rankings 2009, August 2009. [PDF, 419 KB]

Status und Tendenzen der Nachhaltigkeitsberichterstattung deutscher KMU. Ergebnisse einer Befragung 2009, August 2009. [PDF, 340 KB]

Internationale CSR. Informationen des BDI.

Corporate Social Responsibility: Essential for Public Trust in Business. Rede von EU-Kommissar Verheugen während des European Multistakeholder Forums on Corporate Social Responsibility, 10.02.2009. [PDF, 71 KB]

9. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung: „Nachhaltigkeit in einer sich ändernden Welt – Weichenstellung für Deutschland“. Informationen und Anmeldung zur Veranstaltung.

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