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"Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist die einzige Option für verantwortliches globales Handeln, die unsere Ökosysteme schützt und damit das Überleben künftiger Generationen sichert."

Olaf Tschimpke, stellvertretender Vorsitzender des Rates

21.05.2009

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Unternehmen verschmähen nachhaltig produziertes Palmöl

Rund 43 Millionen Tonnen Palmöl werden weltweit jährlich für den Einsatz in der Lebensmittelindustrie und zunehmend auch für die Strom- und Biodieselproduktion hergestellt. Oft geht das auf Kosten der Umwelt, da für den Ölpalmen-Anbau immer noch riesige Regenwaldflächen gerodet werden. Ändern sollte das eigentlich nachhaltig produziertes Palmöl – das sich aber offenbar nur schwer verkaufen lässt. Bis heute wurde erst etwas mehr als ein Prozent der verfügbaren Menge abgesetzt. 

Ein „Skandal“ sei das, sagt Martina Fleckenstein von der Umweltstiftung WWF. Die mangelnde Nachfrage nach nachhaltigem Palmöl seitens der Industrie deute darauf hin, dass die Palmöl verarbeitenden Konzerne „kein ehrliches Interesse daran haben, die Lebensraumzerstörung durch Palmöl-Anbau zu stoppen.“ Laut WWF wurden von den derzeit verfügbaren 1,3 Millionen Tonnen Palmöl, die den Kriterien des Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl (RSPO) entsprechen, erst 15.000 Tonnen oder eben etwas mehr als ein Prozent verkauft.

Umweltorganisationen wie der WWF und Vertreter der Palmölindustrie haben den RSPO im Jahr 2002 initiiert, um Umwelt- und Sozialstandards für nachhaltiges Palmöl zu entwickeln. Der RSPO will mit den Vorgaben, die kontinuierlich verschärft werden sollen, weiteren Regenwaldrodungen und Landvertreibungen vorbeugen. Vorgesehen sind unter anderem Umweltverträglichkeitsprüfungen vor Inbetriebnahme neuer Palmölplantagen. Nach einer Erprobungsphase von zwei Jahren wurde im November 2008 die erste Schiffsladung mit RSPO-zertifiziertem Palmöl nach Europa geliefert.

Angenommen haben dieses Angebot aber nur einige wenige Unternehmen, etwa der Düsseldorfer Mischkonzern Henkel, der laut WWF „deutscher Vorreiter“ beim Einsatz nachhaltig gewonnenen Palmöls ist. Henkel verwendet das Öl nach eigenen Angaben vor allem bei der Herstellung von Reinigungsmitteln und Kosmetika. Im Frühjahr 2008 kündigte auch der niederländisch-britische Lebensmittel- und Kosmetikproduzent Unilever an, ab dem Jahr 2015 nur noch auf zertifiziertes Palmöl zurückgreifen zu wollen. Beide Konzerne sind RSPO-Mitglieder.

Geht es nach dem WWF, sollten sämtliche Hersteller und Verarbeiter bis zum Jahr 2012 vollständig auf zertifiziertes Palmöl umstellen und einen Fahrplan mit klar formulierten Etappenzielen vorlegen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, will die Umweltstiftung in den kommenden sechs Monaten die Einkaufspolitik der größten Palmöl verarbeitenden Unternehmen bewerten und als Rangliste veröffentlichen. Die Verbraucher, so der WWF, hätten ein Recht zu erfahren, welche Konzerne „weiter auf Regenwaldzerstörung setzen, obwohl es eine nachhaltigere Alternative gibt”.

Unumstritten ist diese Alternative allerdings nicht. Palmölproduzenten kritisieren unter anderem die zusätzlichen Zertifizierungskosten, die viele Unternehmen vor der Umstellung auf eine nachhaltige Produktion zurückschrecken ließen. Die Regierungen in den großen Anbauländern beobachten den Zertifizierungsprozess ebenfalls wachsam, da sie neue Handelsbarrieren befürchten. Ein weiterer Grund für die zögerliche Nachfrage könnte in der Kritik anderer Umweltverbände liegen.

Greenpeace etwa bezeichnete die vergangenes Jahr in der Europäischen Union angelandete erste RSPO-Lieferung als „Etikettenschwindel“, weil der Palmöllieferant unter anderem in Eigentumskonflikte um Land verwickelt gewesen sei. Auch der Hamburger Verein „Rettet den Regenwald“ kritisiert das RSPO-Label als „Industriesiegel“, dem der WWF einen „Hauch von grünem Anstrich“ verleihe. Nachhaltigkeit in der Palmölproduktion „gibt es in der Praxis nicht“, schreibt der Verein. Dem ständen schon massive wirtschaftliche Interessen der beiden weltweit größten Palmölproduzenten Malaysia und Indonesien entgegen.

Weiterführende Informationen

Industrie pfeift auf nachhaltiges Palmöl. Pressemitteilung WWF, 12.05.2009.

Palmöl – Chance mit Risiko. Hintergrundinformationen des WWF.

Nachhaltiges Palmöl. Hintergrundinformationen des WWF, November 2008. [PDF, 280 KB]

Website des Roundtable on Sustainable Palmoil.

Henkel leistet Beitrag zur nachhaltigen Palmölwirtschaft. Pressemitteilung Henkel, 17.04.2009.

Unilever commits to certified sustainable palm oil. Pressemitteilung Unilever, 01.05.2008.

Etikettenschwindel bei Palmöl-Lieferung nach Europa. Pressemitteilung Greenpeace, 11.11.2008.

Zertifizierte Regenwaldrodung: Betrug mit Industriesiegel RSPO für Palmöl. Meldung von Rettet den Regenwald, veröffentlich in RegenwaldReport 04/2008.

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