11.09.2008
Töpfer: Knappheit birgt neue Chancen
Prof. Dr. Klaus Töpfer, stellvertretender Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung, hat mit dem Magazin Cicero über die globale Umweltpolitik und die Grenzen des staatlichen Machtmonopols gesprochen. Die zentralen Herausforderungen der Umweltpolitik seien heute globaler Natur, sagte Töpfer, leistungsfähige institutionelle Strukturen zu deren Bewältigung hätten sich jedoch noch nicht hinreichend ausgebildet.
„Wir haben es zunehmend mit global agierenden Akteuren zu tun, wohingegen staatliche Einflussmöglichkeiten immer noch weitgehend national begrenzt sind“, erklärte der ehemalige UNEP-Chef. Das staatliche Machtmonopol müsse daher anders organisiert werden, etwa durch eine Reform der Vereinten Nationen. „Die Vereinten Nationen sind aus der Reaktion auf die physische Kriegsauseinandersetzung über Ideologien entstanden, sie müssen sich jetzt den neuen Gefahren für den Frieden in unserer Zeit stellen.“ Entwicklung sei dabei der neue Begriff für Frieden, so Töpfer.
Auch wenn die Herausforderungen für Umwelt und Entwicklung heute globaler Natur seien, könnten sie gelöst werden. „Lösbar sind die Probleme, die erkennbare Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit haben, und solche, die erkennbare Auswirkungen auf die wirtschaftliche Stabilität und die weitere wirtschaftliche Entwicklung haben“, erklärte der stellvertretende Ratsvorsitzende. Fortschritte in der Wasserpolitik etwa habe man in der Vergangenheit erreicht, „weil jedem unmittelbar einsichtig wurde, dass verseuchtes Wasser massive Rückwirkungen auf die menschliche Gesellschaft hat.“
Argumentiere die Umweltpolitik alleine mit dem Erhalt der Schöpfung, könne sie kaum auf Verständnis für massive Investitionen in die Bewältigung von Umweltproblemen hoffen. „Früher, als ich sagte, es gibt Probleme mit dem Klima, wurde ich belächelt. Der Umweltpolitiker wurde als Apokalyptiker abgestempelt.“ Jetzt – mit immer knapper werdenden Ressourcen – komme es dagegen zu einem ökonomischen Ansturm auf die Umweltthemen.
Durch die Knappheit sei bereits Entscheidendes in Gang gekommen, sagte Töpfer - bei allen Beteiligten. Die Knappheit setze Erfindergeist frei und verändere das Verhalten der Menschen, die darin liegenden Chancen sollten jetzt genutzt werden. Töpfer: „Wir werden sehen, dass das, was jetzt als großes Drama gesehen wird, sich als große Chance herausstellen wird.“

