03.10.2007
Neuseeland konkretisiert Klimaschutzpläne
Das Ziel steht: Neuseeland will die erste „wirklich nachhaltige Nation“ der Welt werden, wie Premierministerin Helen Clark Anfang des Jahres versprach. Jetzt konkretisiert die Regierung ihre Klimaschutzpläne und wagt einen vorsichtigen Einstieg in den Emissionshandel.
Der Startschuss hierfür soll laut der Mitte September vorgestellten Klima-Strategie im Januar fallen, betrifft zunächst jedoch nur die Forstwirtschaft. Die Emissionen des Transportsektors sollen erst ein Jahr später folgen, Energieversorger und die Industrie werden dann 2010 in den Emissionshandel eingebunden. Die Landwirtschaft, die mit 48,5 Prozent den höchsten Anteil der Emissionen des Landes verantwortet, wird frühestens 2013 mit Verschmutzungsrechten ausgestattet und dann mit großzügigen Zuweisungen bedacht: 90 Prozent der Zertifikate will die Regierung kostenlos an die rund 40.000 Landwirte verteilen.
Auch deswegen fielen die Regierungsvorschläge bei Umweltschützern durch. Greenpeace New Zealand etwa nannte es alarmierend, dass in dem System keine konkreten Reduktionsziele festgeschrieben wurden. Garantie für sinkende Emissionen gäbe es damit nicht, der eigentliche Sinn eines solchen Schemas würde unterlaufen. Außerdem bezeichnete die Organisation es als enttäuschend, dass die Regierung nicht von den Erfahrungen der Europäischen Union gelernt habe. Dort sei deutlich geworden, dass kostenlose Zertifikate keine ausreichenden CO2-Minderungen nach sich zögen.
Neben der Einführung eines Emissionshandelssystems setzt die Klima-Strategie auf mehr Effizienz und den stärkeren Einsatz der erneuerbaren Energien in der Stromversorgung. Deren Anteil betrug zwar bereits in den 1990er Jahren rund 80 Prozent, sank mit steigender Nachfrage in den letzten 15 Jahren jedoch auf unter 70 Prozent. Die neuseeländische Regierung will dieser Entwicklung jetzt entgegensteuern und den Anteil der Erneuerbaren an Elektrizitätsversorgung bis 2025 auf mindestens 90 Prozent steigern. Dazu soll auch ein neu aufgelegter Forschungsfonds beitragen, für den ab 2008 rund 3,5 Millionen Euro jährlich bereit stehen. Die Mittel fließen schwerpunktmäßig in die Entwicklung neuer Biokraftstoffe aus heimischen Ressourcen. Darüber hinaus bekräftigte die Regierung ihr bereits Anfang des Jahres gegebenes Versprechen, den öffentlichen Sektor in die Klimaneutralität zu führen und die Energieeffizienz zu steigern. Außerdem will man bis 2040 die Pro-Kopf-Emissionen aus dem Verkehrssektor halbieren und weiträumig Elektroautos einführen.
Die neuseeländische Premierministerin, Helen Clark, ist dieses Jahr zu Gast auf der siebten Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung und wird dort in einem Beitrag ihre politischen Ziele referieren. Die Anmeldung zu der am 27. November stattfindenden Konferenz ist online möglich.
Weitere Informationen:
"New Zealand’s climate change solutions: An overview" [PDF, climatechange.govt.nz]
Regierungsbroschüre Klimaschutzpolitik, September 2007
"The Framework for a New Zealand Emissions Trading Scheme" [PDF, climatechange.govt.nz]
Regierungsvorgaben Emissionshandelssystem,
September 2007
"The next steps to fight climate change"
Pressemitteilung Regierung Neuseeland, 20.09.2007
"Emissions trading scheme announced"
Pressemitteilung Regierung Neuseeland, 20.09.2007
"New funding for climate change research"
Pressemitteilung Regierung Neuseeland, 20.09.2007
"Carbon trading scheme a fizzer"
Pressemitteilung Greenpeace New Zealand, 20.09.2007
Terminhinweis und Online-Anmeldung zur 7. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 27. Nov. 2007 im Berliner Congress Centrum: "Die Macht der Zukunft - Was von uns heute verlangt wird"
Meldungen zum Thema:
"Neuseeland will Neubau fossiler Kraftwerke aussetzen"
(News vom 12.12.2007)
"Air New Zealand will Biokerosin testen"
(News vom 17.10.2007)

