21.02.2007
Nachhaltigkeitsindikatoren: "kristallisierte Politik" oder "prinzipiell unscharf"?
Welchen Stellenwert haben Indikatoren bei der Steuerung der Politik in Richtung Nachhaltigkeit? Sind sie „kristallisierte“ Politik? Oder müssen sie „prinzipiell unscharf“ bleiben? Zwei vom Rat für Nachhaltige Entwicklung in Auftrag gegebene Challenger Reports geben Auskunft.
Beide Berichte befassen sich mit dem Einsatz von Indikatoren in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Die Argumente werden darin jeweils aus Sicht eines Befürworters und eines Kritikers dargestellt.
Folgt man dem Volkswirtschaftler Gerhard Pfister, dienen Indikatoren der Inszenierung von Politik. Schon die Festlegung auf Ziele und Kennzahlen sei nicht konsistent und verlaufe nur dem Anschein nach demokratisch – letzten Endes bildeten sie aber „die unterschiedliche Organisationsfähigkeit und Durchsetzungsmacht der teilnehmenden Akteure“ ab. Ein weiterer Kritikpunkt: die oft groben Vereinfachungen. Die seien im Wettlauf um Aufmerksamkeit zwar statthaft. Wenn allerdings „selbst gesichertes Fachwissen unter die Räder kommt“, drohten die eigentlichen Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung zugunsten einer „symbolischen Politik“ aus dem Blick zu geraten.
Roland Zieschank von der Forschungsstelle für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin sieht in Indikatoren dagegen eine „hoch konzentrierte Form von sozial- und naturwissenschaftlichem Wissen“. Grundsätzlich erlaube keine andere Darstellungsform eine schnellere und aussagekräftigere Übersicht zum Stand der nachhaltigen Entwicklung eines Landes. Indikatoren brächten „Politik auf den Punkt“, böten Orientierung und eröffneten neue Möglichkeiten für Nachhaltigkeitsstrategien. Und: Sie bedeuteten „eine gewisse Selbstverpflichtung des Staates“, eröffneten gleichzeitig aber auch die Möglichkeit neuer Allianzen zwischen Staat und Gesellschaft.
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung sieht die beiden Reports als wichtigen Beitrag zur Diskussion zu der Indikatorenberichterstattung des Statistischen Bundesamtes und der Vorbereitung des 2008 geplanten Fortschrittsberichts der Bundesregierung.
Mit den beiden Berichten knüpft der Rat an sein bereits eingeführtes Instrument der Challenger-Reports an. Frühere Challenger-Reports liegen von Beate Weber, Thilo Bode und Volker Hassemer vor.

