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"Our society must engage in more intense discussion on what values our lifestyles need to be geared to and on the value of public matters."

Dr. Hans Geisler, Member of the Council

28.03.2012

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Nachhaltigkeitsbewertung von Staaten: Deutschland belegt Spitzenplatz

Mit der Nachhaltigkeit ist es in mehr als der Hälfte der reichen Industrieländer nicht weit her. Das zeigt ein neues Nachhaltigkeitsrating von Staaten der Schweizer Agentur Inrate. Die auf Nachhaltigkeitsbewertungen spezialisierte Ratingagentur hat 190 Länder auf den Nachhaltigkeitsprüfstand gestellt und mit Noten von A bis D bewertet, darunter auch die 34 Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Bestnote erhält von denen gerade jeder Vierte. Deutschland schafft es in die Spitzengruppe – und kann auf Vorteile im Wettbewerb um Großinvestoren hoffen.

Für das Mitte März veröffentlichte Rating haben die Schweizer Analysten überprüft, was die 190 untersuchten Staaten für die Nachhaltigkeit tun: einmal in Form des politischen Rahmens, den sie dafür geschaffen haben, zum Beispiel hinsichtlich der Staatsführung oder der Einhaltung von Menschenrechten. Staaten, die Grundrechte massiv verletzen, fahren eine schlechte Bewertung ein, da sie laut Inrate „zentrale Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung nicht erfüllen“. Bewertet wurden daneben auch konkrete Nachhaltigkeitsprogramme und deren Umsetzungsgrad, etwa zu Bildung und Gesundheit, zur finanziellen Gerechtigkeit oder zum Ausbau  erneuerbarer Energien.

Von den Ländern außerhalb der OECD erhielt keines eine gute Nachhaltigkeitsbewertung. Wirklich brillant schnitten allerdings auch die reichen Industrieländer nicht ab. Die Bestnote A schafften von ihnen gerade 26 Prozent. 15 Prozent erreichten ein B. Satte 44 Prozent fuhren die Note D ein, die schlechteste Bewertung, darunter die USA. Stefano Gilardi, Leiter Market Relations bei Inrate, sagt, diese schlechte Note gründe unter anderem darauf, dass die Vereinigten Staaten zu wenig für den Ausbau erneuerbarer Energien tun, die Atomkraft forcieren, selbst ein nukleares Waffenarsenal vorhalten und Abrüstungsabkommen ausschlagen. Auch die weiter vollzogene Todesstrafe und das dürftige Interesse an internationalen Umweltkooperationen schlagen negativ zu Buche.

Hat das Folgen? Große Investoren wie Banken oder Pensionsfonds, sagt Gilardi, würden aufgrund des schlechten Nachhaltigkeitsniveaus der USA sicherlich nicht komplett aus US-Staatsanleihen aussteigen. Ausschlaggebend für ihre Investmententscheidungen seien vor allem Kreditratings, wie sie Standard & Poor’s, Fitch oder Moody’s anbieten. Ein Nachhaltigkeitsrating böte ihnen aber zusätzliche Informationen zu den langfristigen Chancen und Risiken eines Landes. Und diese Informationen würden sie zunehmend bei Anlageentscheidungen berücksichtigen. „Wir erwarten, dass ein schlechtes Nachhaltigkeitsrating künftig öfter zur Umschichtung von Investments in nachhaltigere Staaten führt.“

Deutschland kommt im Inrate-Ranking gut weg, belegt zusammen mit Norwegen, der Schweiz und Österreich Spitzenplätze. „Die institutionellen Rahmenbedingungen stimmen hier“, so Gilardi. Deutschland zeichne sich zudem durch einen hohen Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung aus, durch einen hohen Lebensstandard, eine eingespielte Recyclingwirtschaft und relativ hohe Ausgaben für die Gesundheit. „Etwas Nachholbedarf sehen wir bei den CO2-Emissionen und der Arbeitslosenrate.“ Letztere liege über dem Durchschnitt der OECD. Bei der weiteren Reduzierung von Klimagasen sieht Gilardi „noch Potenzial“. Außerdem hinke die Bundesrepublik ihren internationalen Versprechen bei den offiziellen Hilfszahlungen für arme Länder hinterher.

Interessant ist, dass die in dem Inrate-Ranking gut abschneidenden Länder meistens auch Top-Noten in den Kreditratings der klassischen Ratingagenturen erhalten. Umgekehrt weist ein gutes Kreditrating jedoch nicht unbedingt auf eine gute Nachhaltigkeitsleistung hin. Spanien etwa bekommt von Standard & Poor’s und Fitch noch eine gute Bewertung, schafft in Sachen Nachhaltigkeit bei Inrate aber nur die Note C. Die Schweizer Agentur führt diese Diskrepanz darauf zurück, dass das Nachhaltigkeitsniveau eines Landes von den Märkten, den Investoren, bei ihren Anlageentscheidungen noch nicht immer eingepreist wird. Gilardi glaubt, dass sich das ändert, wenn auch langsam. „Das Investoreninteresse an der Nachhaltigkeitsleistung von Staaten und von Unternehmen wächst.“

Weiterführende Informationen

Nachhaltigkeitsratings von Staaten ermöglichen komplementäre Risikoanalyse. Pressemitteilung Inrate, 20.03.2012.

Sustainability Matters. Inrate-Informationen zur Bewertungsmethode und Ratingresultate ausgewählter Länder, März 2012.

Rating the Sustainability of States. Präsentation des Inrate-Rankings, 13.03.2012.

Nachhaltigkeitsbewertung von Ländern im Kontext der Schuldenkrise. Hintergrundinfo zum Inrate-Ranking, 20.03.2012.

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