Direkt zum Inhalt springen

"A balanced world has been a must for the Club of Rome since 1972– the challenge for our work at the German Council for Sustainable Development."

Max Schön, Member of the Council

22.02.2012

More News regarding Topic : Consumption | Urban-Sprawl | Economy  | Environment | Research 

Präsident des Bauernverbands will mehr Forschung für Öko-Landbau

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, hat sich für die Aufstockung der Forschungsmittel für die ökologische Landwirtschaft ausgesprochen. Dies sei nötig, um dessen Produktivität zu erhöhen. Sonnleitner wies Mitte Februar auf der Branchenmesse Biofach in Nürnberg darauf hin, dass sich der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren zwar verdreifacht hat. Die Anbaufläche für Öko-Betriebe habe sich im selben Zeitraum jedoch nur verdoppelt. Die Inlandsnachfrage wird deswegen zunehmend durch Importe gedeckt. Das, sagte der Bauernpräsident, gefalle den deutschen Landwirten überhaupt nicht: „Wir wollen einen möglichst großen Anteil am Öko-Wachstum.“ Dazu sei mehr Forschung nötig.

Nach neuen Zahlen des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft liegt der Importanteil von Lebensmitteln aus Öko-Landbau in Deutschland bei Getreide schon bei 15 Prozent, bei Kartoffeln bei 26 Prozent und bei Möhren und Äpfeln bei etwa 50 Prozent. Dem Branchenverband zufolge stellten zuletzt auch weniger deutsche Bauern ihren Betrieb auf „Bio“ um. Sonnleitner sagte in Nürnberg, damit sich der Umstieg für Landwirte lohne, müsse der Öko-Landbau vor allem produktiver werden. Beim Weizen habe man in den vergangenen 25 Jahren aber das Gegenteil erlebt: Die im deutschen Öko-Landbau erwirtschafteten Erträge stagnierten, hätten sogar leicht abgenommen, während die Weizenerträge in der konventionellen Landwirtschaft insgesamt stark gestiegen seien.

Der Öko-Landbau, so Sonnleitner weiter, müsse sich wie die Landwirtschaft insgesamt zur Produktionssteigerung bekennen. „Wir müssen bald Tank und Teller für weltweit neun Milliarden Menschen füllen.“ Auch deshalb sei er dafür, die Forschungsmittel für die ökologische Landwirtschaft aufzustocken. Mit dieser Forderung stellt sich der deutsche Bauerpräsident an die Seite des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Dieser hatte der Bundesregierung im Sommer vergangenen Jahres empfohlen, 20 Prozent des nationalen Agrarforschungsbudgets für den Öko-Landbau zu verwenden. Begründet hat der RNE das unter anderem mit Nachholbedarf bei produktionstechnischen Entwicklungen und beim betrieblichen Wissensmanagement.

„Der Forschungsbedarf im ökologischen Landbau ist riesig“, sagte RNE-Mitglied Dr. Heinrich Graf von Bassewitz in Nürnberg. Die deutsche Agrarforschung habe sich zusehends aus der angewandten Praxisforschung zurückgezogen. Das müsse sich ändern. Von Bassewitz ist Präsidiumsmitglied des Deutschen Bauernverbands und dessen Bundesbeauftragter für ökologischen Landbau. Nach seiner Einschätzung kann die Bio-Branche die entstandenen Produktivitäts- und Forschungslücken nicht aus eigener Kraft schließen: „Aus dem vergleichsweise kleinen europaweiten Flächenanteil des Öko-Landbaus können unter Maßgabe rein ökonomischer Kriterien kaum Impulse für Forschungsinvestitionen erwartet werden.“ Deshalb empfehle der RNE der Bundesregierung, 20 Prozent der Mittel aus der nationalen Agrarforschung nachhaltigen Produktionsverfahren des ökologischen Landbaus zu widmen. Laut von Bassewitz ist dies ein Mindestziel.

„Dem historisch bedingten Entwicklungsvorsprung konventioneller Landbauverfahren“, heißt es in der RNE-Empfehlung zum Öko-Landbau, müsse mit einem „umfassenden, am Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung ausgerichteten Förderprogramm begegnet werden“, das die Potenziale des Öko-Landbaus ausschöpft. Anders ließe sich das von der Bundesregierung in der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie festgelegte Ausbauziel nicht erreichen. Die Bundesregierung verpflichtet sich in der Nachhaltigkeitsstrategie dazu, den Anteil des ökologisch bewirtschafteten Landbaus an der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland auf 20 Prozent zu steigern. 2010 lag der Flächenanteil des Öko-Landbaus laut Statistischem Bundesamt bei 5,9 Prozent.

Weiterführende Informationen

„Wir wollen großen Anteil am Öko-Wachstum haben“. Pressemitteilung des Deutschen Bauernverbands, 16.02.2012.

10.000 neue Bio-Betriebe braucht das Land – BÖLW stellt Bilanz der Bio-Branche für 2011 vor. Pressemitteilung BÖLW, 14.02.2012. [PDF, 514 KB]

„Gold-Standard Ökolandbau“: Für eine nachhaltige Gestaltung der Agrarwende. Empfehlungen des Rates für Nachhaltige Entwicklung, texte Nr. 40, Juli 2011 [PDF, 2,3 MB]

Bestellmöglichkeit Printversion.

Nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Indikatorenbericht 2012 des Statistischen Bundesamtes, Februar 2012. [PDF, 3,5 MB]

Newsletter-Abo

Interesse an unserem Newsletter? Abonnieren Sie hier die ‚News Nachhaltigkeit‘.