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"Sustainability necessitates reason and responsibility in our social, ecological and economic actions."

Michael Vassiliadis, Member of the Council

09.12.2011

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Nachhaltige Entwicklung in Europa: viel Regen, wenig Sonnenschein

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union machen Fortschritte beim Kampf gegen die Erderwärmung und bringen immer mehr erneuerbare Energien ans Stromnetz, hinken aber bei vielen weiteren selbst gesetzten Nachhaltigkeitszielen ihren Ambitionen hinterher. Das offenbart der Anfang Dezember vom Europäischen Statistikbüro Eurostat publizierte Monitoringbericht zur Umsetzung der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie. Mit dem Bericht zeichnen die Statistiker jedes zweite Jahr die Entwicklung wichtiger Nachhaltigkeitsindikatoren in der EU nach; visualisieren Trends mit Wettersymbolen. In der aktuellen Ausgabe überwiegen dunkle Regenwolken. Für etwas Sonnenschein sorgt ausgerechnet die Wirtschafts- und Finanzmarktkrise.

Elf zentrale Messgrößen zur Nachhaltigkeit haben die Forscher analysiert, dazu etliche Unterindikatoren und deren Entwicklung in den vergangenen Jahren. Nur in drei Feldern konnten sie ein Sonnensymbol vergeben, drei Mal musste ein bedeckter Himmel herhalten, fünf Mal eine Regenwolke. Gut lief es beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Die legten EU-weit zuletzt um 7,6 Prozent im Jahr zu. Das in der Nachhaltigkeitsstrategie festgelegte Ziel eines 20-prozentigen Anteils am Energiebedarf im Jahr 2020 dürfte die Union bei gleichbleibendem Trend schaffen. Schon 2008 trugen Sonne, Wind und Co. mit 16,7 Prozent zur Stromproduktion bei. Sonnig sind ebenfalls die Aussichten beim Treibhausgasausstoß, zumindest auf Grundlage des 20-Prozent-Minderungsziels, das die EU bis 2020 anstrebt. Von 1990 bis 2009 wurde ein Minus von 17,4 Prozent erreicht.

Das Armutsrisiko ist in den vergangenen Jahren für Bürgerinnen und Bürger Europas etwas kleiner geworden. Trotz Wirtschafts- und Finanzmarktkrise sind  in den Jahren 2008 und 2009 zwei Millionen der 500 Millionen EU-27-Einwohner  ökonomischer Not entkommen. Auch von Langzeitarbeitslosigkeit waren zuletzt weniger Europäer betroffen. Infolge der Krise ist allerdings die Arbeitslosigkeit insgesamt gestiegen, gerade unter jungen Menschen. Die sinkende Wirtschaftsleistung hatte zudem Auswirkungen auf die Nachfrage nach Energie: Die war rückläufig, wodurch die CO2-Emissionen Europas schneller sanken als in den Jahren vor 2007.

Ausgenommen davon sind die Emissionen des Transportsektors. Weder beim Personen-, noch beim Güterverkehr verzeichnen die Statistiker einen Wechsel zu „grüneren“ Verkehrsmitteln wie der Bahn. 2009 wurden satte 77,5 Prozent aller Gütertransporte in der EU auf der Straße bewegt – das sind fast vier Prozent mehr als zur Jahrtausendwende. Außerdem verstopfen immer mehr Privat-Pkw Europas Straßen. Der Stromverbrauch der Haushalte stieg dem Bericht zufolge seit Anfang des Jahrtausends „substanziell“. Erst der Beginn der Wirtschaftskrise drehte den Trend leicht. Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Energieverbrauch für Transporte und beim Rohstoffverbrauch. Wenn Wachstum und Verbrauch entkoppelt wurden, dann aufgrund der Krise.

Diese schlug auch auf die Ausgaben der EU für die Unterstützung armer Länder durch. Die offizielle Entwicklungshilfe blieb zwischen 2005 und 2010 zwar weitgehend stabil, müsste aber eigentlich steigen, um den in der Strategie festgelegten Zielwert von 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts im Jahr 2015 zu erreichen. Ein durchmischtes Bild zeichnet der Bericht beim Schutz der Biodiversität. Fortschritte werden hier gemessen anhand des Bestands bestimmter Vögel und des Zustands der Fischgründe: Letztere wurden weiterhin deutlich über die Grenzen der Nachhaltigkeit hinaus ausgebeutet, allerdings weniger schlimm als vor einigen Jahren. Die Vogelbestände erholten sich etwas.

Mit ihrer Strategie zur nachhaltigen Entwicklung strebt die Europäische Union eine internationale Vorreiterposition beim Klimaschutz und bei der Förderung einer wissensbasierten, ressourceneffizienten Wirtschaft an. Die Strategie wurde 2001 beschlossen und zuletzt 2006 fortgeschrieben. Ihre letzte Bilanz über die bisher erreichten Fortschritte legte die EU-Kommission im Sommer 2009 vor.

Weiterführende Informationen

Sustainable Development in the European Union. 2011 Monitoring Report of the EU Sustainable Development Strategy. Eurostat, Dezember 2011. [PDF, 19,1 MB]

Sustainable Development. Informationen der Europäischen Kommission zur EU-Nachhaltigkeitsstrategie.

Kommission zieht Bilanz der Fortschritte im Bereich nachhaltige Entwicklung. Pressemitteilung der Europäischen Kommission, 24.07.2009.

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