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"A balanced world has been a must for the Club of Rome since 1972– the challenge for our work at the German Council for Sustainable Development."

Max Schön, Member of the Council

08.04.2010

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Studie: Deutschland gewinnt Kreditwürdigkeit durch Nachhaltigkeit

Deutschland ist arm an natürlichen Rohstoffen, nutzt die vorhandenen Ressourcen aber so effizient, dass ihm daraus Vorteile auf den internationalen Finanzmärkten erwachsen. Das auf Nachhaltigkeit spezialisierte Schweizer Bankhaus Sarasin zählt die Bundesrepublik bei der effizienten Umwandlung begrenzter Ressourcen in Lebensqualität sogar „zu den Besten der Welt“. Deutschland schärfe damit sein Nachhaltigkeitsprofil und verfüge deshalb auf den internationalen Finanzmärkten über einen Trumpf, urteilt die Traditionsbank. Denn je höher die Nachhaltigkeitsleistung eines Landes sei, desto kreditwürdiger sei es langfristig und desto billiger könne es sich Geld leihen. Soll das so bleiben, ist es mit mehr Ressourceneffizienz allein aber nicht getan.

Das Schweizer Kreditinstitut hat jüngst die Ressourcenverfügbarkeit und
-effizienz in Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern untersucht und die Ergebnisse Ende März in einem Nachhaltigkeitsrating publiziert. Deutschland schneidet darin sehr gut ab. In einer Nachhaltigkeitsmatrix liegt es unter den ressourcenarmen, aber effizient wirtschaftenden Ländern fast auf Augenhöhe mit den Niederlanden und Japan, die demnach noch etwas sorgsamer mit ihren knappen Ressourcen umgehen. Um seine gute Position zu halten, muss Deutschland nach Ansicht des Sarasin-Nachhaltigkeitsanalysten Balazs Magyar aber wichtige Nachhaltigkeitsrisiken verringern. Er nennt unter anderem die ungelöste Frage der künftigen Energieversorgung.

In der Energiefrage, so der Wirtschaftswissenschaftler, verfolge die Bundesrepublik mit dem Ausbau erneuerbarer Energien zwar eine Politik, die „in die richtige Richtung geht“. Durch die begrenzte Fläche in Deutschland und die relativ hohe Bevölkerungsdichte stoße jedoch auch der Ausbau erneuerbarer Energien an Grenzen. Deutschland müsse daher – ebenso wie andere Staaten – Energie künftig nicht nur effizienter einsetzen. „Der Energieeinsatz muss auch absolut sinken“, so Magyar. Das Mehr an Energieeffizienz würde sonst durch den weiter steigenden Verbrauch aufgefressen.

Die laut Sarasin insgesamt gute deutsche Nachhaltigkeitsleistung wertet Magyar als Wettbewerbsvorteil. Mehr Effizienz, sagt er, spiele heute bei Unternehmensbewertungen durch Finanzanalysten oder Rating-Agenturen bereits eine wichtige Rolle. „Je effizienter ein Unternehmen Energie einsetzt, desto stärker honorieren das Investoren“. Staaten, so Magyar, könnten mit einer ehrgeizigen Nachhaltigkeitspolitik ihre Kreditwürdigkeit aufwerten und so auf Finanzmärkten günstiger Geld leihen. „Gute staatliche Nachhaltigkeitsleistungen werden für die Bonität wichtiger“, sagt der Analyst. Die Kreditwürdigkeit eines Landes, schreibt die Bank, sei „eng mit seiner nachhaltigen Leistungsfähigkeit verbunden“.

Bei großen Rating-Agenturen wie Standard & Poor’s oder Fitch spielt die staatliche Nachhaltigkeitsleistung bei der Bewertung der Bonität eines Landes allerdings noch keine Rolle. Begründet wird das unter anderem mit methodischen Schwierigkeiten. Nachhaltigkeitsexperten sind indes überzeugt, dass gerade weitere Fortschritte bei der Energie- und Ressourceneffizienz über die wirtschaftliche Zukunft eines Landes mitentscheiden. Zu diesem Schluss kommen sieben international renommierte Klima- und Wirtschaftsexperten, die vergangenes Jahr im Auftrag der Bundesregierung die deutsche Nachhaltigkeitspolitik überprüft haben.

Nach ihrer Analyse gerät Deutschland im internationalen Wettbewerb an zwei Fronten unter Druck: Auf der einen Seite kämpften aufstrebende Volkswirtschaften wie China vehement um Marktanteile auf den Zukunftsmärkten der Umwelt- und Effizienztechnologien. Auf der anderen Seite setzten die schwindenden Öl- und Gasvorkommen gerade ressourcenarme Länder wie die Bundesrepublik unter Zugzwang. Deutschland, schreiben die Gutachter in ihrem sogenannten Peer Review, habe die Wahl: Es könne weitermachen wie bisher – und damit seine wirtschaftliche Stellung riskieren. Oder es könne radikaler auf Nachhaltigkeit setzen, so dem rasanten globalen Wandel standhalten – und neuen, zukunftsfesten Wohlstand erwirtschaften.

Weiterführende Informationen

Sustainability Research der Bank Sarasin: Länderbewertung zeigt Bedeutung der Nachhaltigkeit für Lebensqualität. Pressemitteilung Sarasin, 22.03.2010.

Die Welt in der Zwickmühle zwischen Wohlstand und Ressourcenschutz. Nachhaltigkeitsbewertung von Staatsanleihen 2010. Nachhaltigkeitsrating der Bank Sarasin, März 21010. [kostenpflichtig]

Gutachten: Deutschland muss Chance Nachhaltigkeit ergreifen. Pressemitteilung des Rates für Nachhaltige Entwicklung, 23.11.2009. 

Sustainability Made in Germany – We Know You Can Do It. Peer Review der deutschen Nachhaltigkeitspolitik, 23.11.2009. [PDF, 4 MB]

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