Direkt zum Inhalt springen

"Education is the basis for establishing sustainability as the guiding principle behind our activities, as are more action partnerships and practical examples at the local, regional and international level."

Walter Hirche, Member of the Council

03.03.2010

More News regarding Topic : Consumption | Lifestyle | Economy  | Environment | Strategy 

RNE drängt Bundesregierung zu nachhaltigerem Konsum

Ohne nachhaltigen Konsum keine nachhaltige Entwicklung – diese Überzeugung vertritt der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) in seiner jüngsten, jetzt als Broschüre bestellbaren Empfehlung Konsum und Nachhaltigkeit. Bisher, so die Analyse der Nachhaltigkeitsberater der Bundesregierung, „denken wir bei ‚Konsum’ ausschließlich an ‚Verbrauch’. Und Verbraucherpolitik belohnt Verbrauch.“ Dieses Verständnis greife aber viel zu kurz und werde angesichts immenser ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Krisen zum Risiko. Der Rat hält einen nachhaltigeren Konsum für machbar, sofern Politik, Wirtschaft, Bürgerinnen und Bürger überholte Konsum-Leitbilder hinter sich lassen. In seiner neuen Publikation bietet er einen Kompass zur Neuorientierung auf nachhaltiges Wirtschaften und gibt konkrete Handlungsempfehlungen.

Ganz unmittelbar richten sich diese an die Bundesregierung. Die Ratsmitglieder drängen das Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit gutem Beispiel voranzugehen und sämtliche Kauf­ und Beschaffungsentscheidungen in seinem Zuständigkeitsbereich konsequent gemäß Nachhaltigkeitskriterien zu treffen, beginnend etwa bei mit der Auswahl von Kantinenbetreibern in Bundesbehörden. Mittelfristig und strategisch, fährt der Rat fort, müsse die Bundesregierung noch wesentlich mehr tun, nämlich ihren gesamten wirtschaftspolitischen Kurs auf Nachhaltigkeit trimmen und dabei insbesondere die Bedingungen für nachhaltige Produktion und nachhaltige Produktpaletten verbessern.

„Überzeugend“, schreibt der Rat, werde Nachhaltigkeit dann, wenn sie bedeutsam für die Menschen sei, vorgelebt werde und einfach übernommen werden könne. Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Bürgerinnen und Bürger spielen in den Augen des Nachhaltigkeitsrates dabei eminent wichtige Rollen: An ihnen sei es, neue Nachhaltigkeitspartnerschaften aufzubauen und gemeinsam Beispiele für einen nachhaltigeren Konsum zu entwickeln. Der Rat hofft, dass so auch neue Themen auf die Agenda rücken, die seiner Ansicht nach noch zu wenig berücksichtigt werden, etwa die Bedeutung eines gesundheitsbewussten Lebensstils für die nachhaltige Entwicklung.

Wie solche Ideen und Visionen entwickelt werden können, zeigt der Rat im zweiten Teil der Broschüre. Als Blaupause diente hierfür die Dokumentation der Kreativwerkstatt Nachhaltiger Konsum, zu der der RNE im vergangenen Oktober rund hundert Nachhaltigkeits-Visionäre aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nach Berlin eingeladen hatte. Sie entwickelten und diskutierten Szenarien für Lebensstile, Geschäftsmodelle und Produkte für das Jahr 2050. Eine Arbeitsgruppe entwarf beispielsweise das Konzept einer „echten“ Regional-Supermarktkette, die nur Produkte aus der Region verkauft. Eine andere Gruppe erarbeitete Visionen mobilen Wohnens in Gestalt von Pendel- oder Tausch-Wohngemeinschaften.

Der Rat empfiehlt das Modell seiner Kreativwerkstatt als Vorbild für weitere Veranstaltungen zur Förderung des Leitbilds der nachhaltigen Entwicklung. Die in der Kreativwerkstatt entwickelten Ideen seien „zukunftsweisend“, so der Rat. Er rät der Bundesregierung, die Methode Kreativwerkstatt in den vorbereitenden Diskussionen zur für 2012 vorgesehenen Fortschreibung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie einzusetzen.

Seine Konsum-Empfehlungen hat der Nachhaltigkeitsrat erstmals im November auf seiner 9. Jahreskonferenz in Berlin vorgestellt. Sie liegt jetzt auch als kostenlose Broschüre vor und kann von der Website des Rates heruntergeladen werden. „Konsum und Nachhaltigkeit“ ist bereits die zweite Ratsempfehlung zur Stärkung des nachhaltigen Konsums. Sie wurde nach Ansicht des Rates notwendig, da die Bundesregierung die erste Empfehlung aus dem Jahr 2003 „politisch bisher nicht hinreichend aufgegriffen“ habe.