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"Neue Technologien sind wichtig für eine nachhaltige Entwicklung. Andere Lebensstile auch."

Prof. Dr. Angelika Zahrnt, Mitglied des Rates

Philip Freiherr von dem Bussche (Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft): Entwurf der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung

Der Entwurf der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung beschreibt eine umfassende Strategie zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft. Teil der Strategie sind 21 Schlüsselindikatoren, anhand derer der Status der Nachhaltigkeit der Bundesrepublik Deutschland gemessen werden soll.

Dies ist für die konkrete Umsetzung prinzipiell sehr hilfreich, im Detail bedarf es allerdings einiger Anpassungen. Als Indikator für Lebensqualität, speziell für "Ernährung - Gesunde Nahrungsmittel umweltverträglich produzieren" wird der Flächenanteil des Ökologischen Landbaus gewählt.

Der Parameter und das mit ihm verbundene Ziel ist als Indikator für Nachhaltigkeit untauglich, denn Nachhaltigkeit ist nicht an ein Landnutzungssystem (ökologisch / konventionell) gebunden. Sowohl der ökologische Landbau als auch die Majorität der Landnutzung, der konventionelle Landbau, sind bei geeignetem Management nachhaltig. Bei ungeeignetem Management sind beide Verfahren nicht nachhaltig. Dies ist wissenschaftlich u.a. durch langjährige Untersuchungen von Breitschuh und Eckert (1999) mit dem Indikatorsystem KUL sowie durch Piorr und Werner (1998) belegt.

Zwischen beiden Landnutzungssystemen wurden im letzten Jahrzehnt viele Vergleiche durchgeführt und diese zeigen, dass im Hinblick auf biotische Umweltparameter, z.B. Biodiversität, der Ökologische Landbau zwar oftmals Vorteile gegenüber dem konventionellen Landbau aufweist. Diese Vorteile werden jedoch bei der Aufnahme von Elementen des integrierten Pflanzenschutzes und Pflanzenbaus ins System des konventionellen Landbaus stark nivelliert; und das ist der Weg, den die Mehrzahl der landwirtschaftlichen Betriebe heute beschreiten. Bei abiotischen Umweltparametern schneidet der konventionelle Landbau in der Regel günstiger ab als der ökologische. Dies wird dann noch verstärkt, wenn bei einem Vergleich beider Landbausysteme die Produkteinheit, z.B. Weizenertrag [dt / ha], als Bezugsgröße gewählt wird.

Dem konventionellen Landbau wird hauptsächlich die Verwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln angelastet. Risikostudien der BBA mit dem Modell Synops zeigen jedoch, dass hinsichtlich der Umweltrisiken in der letzten Dekade enorme Fortschritte erzielt wurden (Gutsch, 2002 a und 2002 b). Bei indikationsgemäßem Einsatz der Pflanzenschutzmittel kann ein Risiko für Umwelt, Naturhaushalt, für Anwender und für Produktqualität ausgeschlossen werden. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln treten in diesen Fällen nicht auf. Dies zeigen die Ergebnisse der Lebensmitteluntersuchungen mit großer Regelmäßigkeit. Ein hypothetischer Vorteil des ökologischen Landbaus aufgrund seines Verzichts auf chemischen Pflanzenschutz reduziert sich damit auf eine der Realität nicht Stand haltende Vermutung.

Im Bereich der Düngung ist bei Einhaltung der Guten fachlichen Praxis, die sowohl für den ökologischen wie für den konventionellen Landbau gilt, keine Präferenz beider Systeme zu sehen. Im ökologischen Landbau gehen vom Umbruch einer zweijährigen Kleegrasnarbe zur Einschleusung von Stickstoff in den Betriebskreislauf potenziell hohe Umweltrisiken (Eintrag von NO3 ins Grundwasser) aus, diese können jedoch bei gutem Management (Umbruchszeitpunkt und Umbruchsintensität) wettgemacht werden. Bei konventionellem Landbau sind schädliche N-Einträge bei Einhaltung Guter fachlicher Praxis ebenso auszuschließen.

Ökologischer Landbau ist demnach ebenso wie der konventionelle Landbau eines von mehreren sinnvollen und nachhaltigen Landnutzungssystemen. Ein gutes Management ist bei beiden Systemen Voraussetzung für eine ökologische, ökonomische und soziale Zukunftsfähigkeit.

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hat sich u.a. aus den oben aufgeführten Gründen der Zuordnung eines Prädikates "nachhaltig" zu einer bestimmten Landnutzungsform enthalten. Die nationale Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ordnet mit o.g. Indikator und dem damit verknüpften Ziel dem ökologischen Landbau das Prädikat "nachhaltig" faktisch mit einer Exklusivität zu, die ihm nicht zukommt.

Der Ökolandbau deckt zur Zeit ca. 3 % der LN. Eine Ausweitung auf 20 % wird aufgrund einer geringen Nachfrage, die zur Zeit zwischen 2 und 3 Prozent liegt, von den meisten Fachleuten als völlig abwegig angesehen. Eine aktuelle Studie der Zentralen Markt und Preisberichtstelle ZMP mit dem Titel "Wieviel Bio wollen die Deutschen?" (ZMP, 2002) zeigt, dass Ökolebensmittel nur gekauft werden, wenn sie schmecken, ein Sozialprestige aufweisen und sie maximal 20 % teurer sind als konventionelle Lebensmittel. Davon sind wir aber weit entfernt. Das Nachfragepotenzial wird in dieser Studie im Jahre 2012 bei 8 % angesiedelt. Dies ist eine sehr optimistische Einschätzung, unterstellt sie doch einen jährlichen Zuwachs von 15 %, wie er während der BSE-Hochphase zu verzeichnen war.

Auch im Hinblick auf die Haushaltskonsolidierung und die EU-Forderung nach einem ausgeglichenen Haushalt bis 2004 ist eine politisch angetriebene Ausweitung des Ökolandbaus, der über die Verbrauchernachfrage hinausgeht, abzulehnen. Auf die Marktpreise und die Einkommenssituation deutscher Ökobauern hätte ein solches Vorgehen verheerende Auswirkungen. Die Anbauverhältnisse sollte der Markt entscheiden und nicht die Politik.

Nachhaltigkeit ist eine notwendige Bedingung für die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche. Ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland muss aufgrund seiner auch in weiter Zukunft bestehenden Dominanz in erster Linie vom konventionellen Landbau geleistet werden. Daher kann als Nachhaltigkeitsindikator nur ein Parameter in Frage kommen, der 100 % der LN abdeckt. Viel spricht für den N-Saldo [kg N / ha*a]. Er ist im Gegensatz zu vielen anderen Indikatoren wissenschaftlich weitgehend abgesichert. Er ist relativ leicht zu erheben und er ermöglicht internationale Vergleiche, da er in vielen europäischen Nachbarländern bereits jetzt erhoben wird. Gleichzeitig reflektiert er neben abiotischen Umweltsphären auch biotische Zusammenhänge, denn die Artenvielfalt von Bodenökosystemen hängt unter anderem auch vom Grad der Trophie von Böden und Grundwasser ab.

Für die Festlegung von Schwellenwerten zum N-Saldo sind standortabhängige Faktoren wie Viehbesatzdichte, Bodentyp und Bodenart sowie langjährige Niederschlagsverteilung wesentlich. Auch muss die Bewertung des Saldos vor dem Hintergrund der Ertragssituation des jeweiligen Schlages erfolgen, denn die Zielfunktion landwirtschaftlicher Produktion ist die Erzeugung von Nahrungsmitteln. D.h. ein gegebener N-Saldo ist bei hohen Erträgen auch im Hinblick auf die Umweltwirkung günstiger zu bewerten als bei niedrigen Erträgen.

Philip Freiherr von dem Bussche

Literatur:

Breitschuh, G. u. H. Eckert (1999): Bewertungskriterien und deren praktische Anwendung. In: Nachhaltige Landwirtschaft. Arbeiten der DLG, Bd. 195, S. 151-164.

Gutsch, Volkmar (2002 a): Vergleich des Umweltrisikopotenzials bei der Anwendung alter und neuer Pflanzenschutzmittel, Vortrag im Rahmen der DLG Wintertagung am 08.01.2002 in Berlin.

Gutsch, Volkmar (2002 b): Verträglicher für die Umwelt. DLG-Mitteilungen 3/2002, S. 68-70.

Piorr, A. u. W.Werner (1998): Nachhaltige landwirtschaftliche Produktionssysteme im Vergleich: Bewertung anhand von Umweltindikatoren. agrarspectrum, 28, Dachverband Agrarforschung, Frankfurt am Main.

ZMP (2002): Wie viel Bio wollen die Deutschen - Das Marktpotenzial für Produkte aus dem kontrolliert ökologischen Landbau: Eine Analyse und Quantifizierung unter psychologischen, soziologischen und ökonomischen Aspekten.

(Diese Stellungnahme auf der DLG-Website)

E. Berger (Kirchlicher Dienst auf dem Lande der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (KDL)): Bemerkungen zum Grundlagenpapier für den Dialog "Nachhaltige Entwicklung 2001"

Vorwort:
Mit dem Dialogpapier haben sich junge Landwirte in Sachsen beschäftigt. Die Bemerkungen wollen ergänzen und zum weiteren Gespräch anregen. Sie beziehen sich vor allem auf den Abschnitt "Leitbild zu Landwirtschaft, Umwelt, Ernährung und Gesundheit".
1. Im Grundsatz stimmen die Landwirte den Formulierungen zu.
Es ist eine gutes, richtungsweisendes Papier. Es nennt vor allem die Grundwahrheiten, die in der Regel nicht mehr diskutierbar sind.
2. Anmerkungen: Siedlungskonzepte der Zukunft müssten den Bauern (wenn irgend möglich) ins Dorf hineinbinden und nicht an den Dorfrand platzieren.
Ökologische Landwirtschaft sollte nicht als Gegenüber zur herkömmlichen Landwirtschaft gesehen werden, sondern als eine Möglichkeit Landwirtschaft zu betreiben.
Nahverkehrskonzepte für Dörfler sollten so entwickelt werden, dass sie tatsächlich notwendige Kontakte "zur Aussenwelt" ermöglichen.
Die bisherigen Versuche bieten dies nur Ansatzweise an.
3. In gesellschaftspolitischer Ethik muss ein Umdenken erfolgen und der Landwirt wieder seinen eigentlich Stellenwert eingeräumt bekommen. In dem Dialogpapier ist dies zu wenig beachtet.
Bemerkungen zum Papier - Abschnitt 3
Zur Beurteilung der Entwicklung ländlicher Räume und der Wertschöpfung im ländlichen Raum, beispielsweise:...
Hier fehlt: Das Einbeziehen der Veränderung der Denkweise und der Wertbezüge der dörflichen Bevölkerung.
<Junge Dörfler "Stammdörfler" ziehen der Arbeit nach, aus den Dörfern in die Städte. Städter ziehen auf das Dorf (wollen nur im Grünen wohnen). Damit verändern sich die Denkweise und die Wertebezüge hin zu städtischem Denken. "Landluft", Tierlaute (krähen der Hähne, Froschgequake usw.), wird als Belästigung gewertet und anderes mehr.>
Zur Beurteilung der Flächennutzung beispielsweise:...
Effekte einer neuen Siedlungskonzentration und Konzeption für Dorfkerne.
Zur Zeit verbleiben alte Leute in den Dorfkernen, Handwerksbetriebe und Landwirtschaftsbetriebe sind kaum oder nicht mehr zu finden. (müsste als Punkt angefügt werden)
3.1. Verarbeitung, und Vermarktung, Landschaftspflege und Vertragsnaturschutz zu stärken.
Hier gehört der Punkt "und Lehrtätigkeit" dazu.
<Landwirte müssen eingebunden sein in die Lehrtätigkeit "Ethische Werte für den ländlichen Raum". Nur wenn es gelingt aus Landwirten auch Lehrer zu machen, wird dörfliche Denk- und Verhaltensweise als Grundlage für ländliche Entwicklung weiter erhalten bleiben.>
"Mittelfristig sollen staatliche Subventionen in eine staatliche Honorierung gesellschaftlicher Leistungen .... umgewandelt werden."
Dies ist besonders wichtig und unbedingt und schnellstens umzusetzen!
i.A. Junger Landwirte in Sachsen
E. Berger Geschäftsführer des KDL in Sachsen
Nicolai Fuchs (Demeter): Offizielles Demeter-Statement zur Nachhaltigkeit
"Nachhaltigkeit" wird, im Sinne einer gesellschaftlich getragenen "Nur-Soviel-Nehmen-Wie-Nachwächst"-Strategie von Demeter als Konzept ausdrücklich begrüsst. Demeter würde jedoch gerne den Begriff von der derzeitig zu beobachtenden Verengung auf Ressourcen und Betriebs-Ökonomie erweitern um Entwicklungs- und Erneuerungsfähigkeit (in der Natur z.B. durch die erforderliche Schwarm-Grösse für die Entwicklungsfähigkeit von Fischschwärmen bekannt), die im menschlichen Miteinander aber eine funktionsfähige Sozialität (meist Subsidiarität) und ein kräftiges Kultur- und Bildungsleben voraussetzt, an dem jeder partizipieren kann.
Demeter beobachtet mit Sorge, dass sich die Agrarindustrie den Begriff der Nachhaltigkeit nominell zu eigen macht und definitorisch in ihrem Sinne festlegt. Eine Industrialisierung der Landwirtschaft beispielsweise führt zu einer agrarstrukturellen und soziokulturellen Verarmung. So werden die Bindungen der Bevölkerung zur Landwirtschaft reduziert und der Ausbildungsberuf "Landwirt" für junge Leute immer weniger attraktiv. Damit werden jedoch Erneuerungspotentiale der Landwirtschaft schrittweise ausgehöhlt - und somit Werte aktiv vernichtet1.
Demeter ist für eine Nachhaltigkeit als
· Regulative Leitidee (d.h. nicht in letzter Instanz festgelegter Begriff)
· Ein Begriff, der über "Erhaltung" von z.B. Artenvielfalt hinausgeht und "Entwicklung", Erneuerung" und "qualitative Steigerung" in den Mittelpunkt stellt
· Ein Begriff, der sich daran messen lassen muss, ob er zur Förderung der Kulturvielfalt beiträgt
· Ein Begriff, der eine Sozialität fördert, die in sich die Erneuerungsfähigkeit der Gesellschaft begünstigt (z.B. subsidiäre Gesellschaftsformen)
· Ein Begriff, der die ästhetische Dimension mitumfasst ("Schönheit als Lebensmittel")
· Ein Begriff, der nicht konserviert, sondern Lebendiges im Entwicklungsprozess belässt - Hier verschmelzen Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. (Eine Samenbank ist vielleicht dauerhaft, aber nicht nachhaltig, da es Jahre dauern kann, bis das Saatgut den neuen Bedingungen angepasst ist. Eine "in situ" - on farm - Erhaltung beispielsweise erhält den Samen im Kontakt mit der Umwelt, er verwandelt sich im Zeitenlauf mit)
Demeter leistet seit über 75 Jahren durch nachweislich steigende Bodenfruchtbarkeit und der Entwicklung von vielfältigen Agrar-Kulturlandschaften sowie pionierhaften Anwendungen alternativer Energieformen2 einen Beitrag zur Ressourcen-Ökonomie und Umweltentwicklung. Darüber hinaus wurden vielfältig Arbeitsplätze geschaffen und Kulturzentren auf dem Lande geschaffen, wie die jüngsten Auszeichnungen von zwei Demeter-Betrieben vom Förderpreis Ökologischer Landbau der Bundesregierung und mehrere Träger des Agrarkulturpreises der Schweisfurth-Stiftung belegen.
1 Fink, Albert 2002: Kapital für eine Werte bildende Landwirtschaft; Ökologie & Landbau 1/2002; S. 41
2 Lebendige Erde, Schwerpunkt "Rundum ökologisch - Umwelttechnik auf dem Hof"; Lebendige Erde 1/2002

Nicolai Fuchs (Demeter): Offizielles Demeter-Statement zur Nachhaltigkeit

"Nachhaltigkeit" wird, im Sinne einer gesellschaftlich getragenen "Nur-Soviel-Nehmen-Wie-Nachwächst"-Strategie von Demeter als Konzept ausdrücklich begrüsst. Demeter würde jedoch gerne den Begriff von der derzeitig zu beobachtenden Verengung auf Ressourcen und Betriebs-Ökonomie erweitern um Entwicklungs- und Erneuerungsfähigkeit (in der Natur z.B. durch die erforderliche Schwarm-Grösse für die Entwicklungsfähigkeit von Fischschwärmen bekannt), die im menschlichen Miteinander aber eine funktionsfähige Sozialität (meist Subsidiarität) und ein kräftiges Kultur- und Bildungsleben voraussetzt, an dem jeder partizipieren kann.

Demeter beobachtet mit Sorge, dass sich die Agrarindustrie den Begriff der Nachhaltigkeit nominell zu eigen macht und definitorisch in ihrem Sinne festlegt. Eine Industrialisierung der Landwirtschaft beispielsweise führt zu einer agrarstrukturellen und soziokulturellen Verarmung. So werden die Bindungen der Bevölkerung zur Landwirtschaft reduziert und der Ausbildungsberuf "Landwirt" für junge Leute immer weniger attraktiv. Damit werden jedoch Erneuerungspotentiale der Landwirtschaft schrittweise ausgehöhlt - und somit Werte aktiv vernichtet1.

Demeter ist für eine Nachhaltigkeit als

  • Regulative Leitidee (d.h. nicht in letzter Instanz festgelegter Begriff)
  • Ein Begriff, der über "Erhaltung" von z.B. Artenvielfalt hinausgeht und "Entwicklung", Erneuerung" und "qualitative Steigerung" in den Mittelpunkt stellt
  • Ein Begriff, der sich daran messen lassen muss, ob er zur Förderung der Kulturvielfalt beiträgt
  • Ein Begriff, der eine Sozialität fördert, die in sich die Erneuerungsfähigkeit der Gesellschaft begünstigt (z.B. subsidiäre Gesellschaftsformen)
  • Ein Begriff, der die ästhetische Dimension mitumfasst ("Schönheit als Lebensmittel")
  • Ein Begriff, der nicht konserviert, sondern Lebendiges im Entwicklungsprozess belässt - Hier verschmelzen Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit. (Eine Samenbank ist vielleicht dauerhaft, aber nicht nachhaltig, da es Jahre dauern kann, bis das Saatgut den neuen Bedingungen angepasst ist. Eine "in situ" - on farm - Erhaltung beispielsweise erhält den Samen im Kontakt mit der Umwelt, er verwandelt sich im Zeitenlauf mit)

Demeter leistet seit über 75 Jahren durch nachweislich steigende Bodenfruchtbarkeit und der Entwicklung von vielfältigen Agrar-Kulturlandschaften sowie pionierhaften Anwendungen alternativer Energieformen2 einen Beitrag zur Ressourcen-Ökonomie und Umweltentwicklung. Darüber hinaus wurden vielfältig Arbeitsplätze geschaffen und Kulturzentren auf dem Lande geschaffen, wie die jüngsten Auszeichnungen von zwei Demeter-Betrieben vom Förderpreis Ökologischer Landbau der Bundesregierung und mehrere Träger des Agrarkulturpreises der Schweisfurth-Stiftung belegen.

1 Fink, Albert 2002: Kapital für eine Werte bildende Landwirtschaft; Ökologie & Landbau 1/2002; S. 41
2 Lebendige Erde, Schwerpunkt "Rundum ökologisch - Umwelttechnik auf dem Hof"; Lebendige Erde 1/2002

Dr. Clemens Dirscherl (Evangelische Kirche in Deutschland, Ausschuß für den Dienst auf dem Lande (ADL)): Nachhaltige Entwicklung im Bereich Landwirtschaft, Umwelt, Ernährung und Gesundheit

Sehr geehrte Damen und Herren,
haben Sie vielen Dank für die Zusendung der Empfehlungen, die der Rat für nachhaltige Entwicklung für das Leitbild und die Ziele zum Schwerpunkt Landwirtschaft, Umwelt, Ernährung und Gesundheit vorgelegt hat. Als Vorsitzender des Ausschusses "Landwirtschaft/ländlicher Raum" (ADL) innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) möchte ich Ihnen mitteilen, dass wir das vorgelegte Papier sehr positiv aufnehmen. Da ausdrücklich auch die kirchlichen Organisationen aufgerufen sind, sich am Konsultationsprozess zu beteiligen, möchte ich Ihnen diese Rückmeldung geben. Insbesondere gefällt an dem Papier, dass Nachhaltigkeit aus ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten auch für den Bereich der Landwirtschaft ernst genommen wurde. Von Seiten der Kirchen können wir uns zum Kapitel III des Leitbildes ausschließlich positiv äußern.

In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen zur Kenntnis geben, dass von Seiten der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie der katholischen Bischofskonferenz gerade ein "Ökumenisches Agrarwort: Zur Neuorientierung der Landwirtschaft" auf den Weg gebracht wird. In unserem 28-seitigen Entwurf finden sich inhaltlich deckungsgleich die Aussagen Ihrer Empfehlungen wieder. Sobald das Papier in seiner Endfassung vorliegt, werde ich es Ihnen zukommen lassen.

In der Hoffnung auf einen konstruktiven Dialog, der für unsere bäuerliche Landwirtschaft in Deutschland bei allen Sachzwängen der internationalen und europäischen Rahmenbedingungen eine Zukunftschance lässt, grüße ich Sie für die EKD.

Roman Kolar (Akademie für Tierschutz): Stellungnahme zum Konsultationspapier "Nachhaltigkeit: Unsere Strategie"

Zu I. Was gehört nach Ihrer Ansicht zu den Grundelementen eines Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung?
In den bisher in Anlehnung an den Brundtland-Bericht abgesteckten Rahmen für nachhaltige Entwicklung, - also die ökonomischen, sozialen und ökologischen Ansprüche als die 3 Säulen der Nachhaltigkeit - passen eine Reihe von Tier- und Umweltfragen vor allem im Bereich der Landwirtschaft. Zu nennen sind hier Extensivierung der Tierhaltung und Begrenzung der Emissionsbelastung, Erhaltung alter Nutztierrassen oder die Förderung kleiner und mittlerer Wirtschaftsstrukturen. Darüber hinaus lässt sich die Verpflichtung zur Erhaltung von freilebenden Tierarten ableiten.

In einem solchen Rahmen ist der Schutz des einzelnen Tieres jedoch nur dann gewährleistet, wenn sich die Interessen dieser oder künftiger Menschheitsgenerationen bzw. ökonomische, soziale oder ökologische Ansprüche mehr oder weniger zufällig mit dem Schutzbedürfnis des Tieres treffen. So ist es auch zu erklären, dass der Begriff "Tierschutz" im vorliegenden Konsultationspapier nicht auftaucht.

Tierschutz, so wie ihn unsere Gesellschaft heute versteht, ist aber ein Schutz des Tieres, der uneigennützig ist, weil das einzelne Tier als Mitgeschöpf konkret vor Schmerzen, Leiden und Schäden bewahrt werden soll. Dieser im deutschen Tierschutzgesetz verankerten ethischen Norm können wir in Bezug auf zukünftige Generationen nur dann gerecht werden, wenn sich die Verantwortung für Tiere als Mitgeschöpfe mit eigenem Wert in einem hierauf anwendbaren Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung widerspiegelt.

Die Wahrung und Weiterentwicklung ethischer Normen ist daher als weiteres Grundelement eines Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung zu definieren . Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass verschiedene Werte und Normen in der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie verankert werden. Hierzu gehört die Wahrung der Menschenwürde ebenso wie der Tierschutz.

Zu II. Welche konkreten Ziele und Indikatoren sollte die Strategie enthalten?
Um dem oben erläuterten grundsätzlichen Schutzanspruch der Tiere Ausdruck zu verleihen und zu gewährleisten, dass dieser bei aktuellen und zukünftigen Konzepten zur nachhaltigen Entwicklung einbezogen wird, ist die Verankerung des Staatsziels Tierschutz im Grundgesetz der BRD unabdingbar.

Konkretes Ziel und Indikator für eine nachhaltige Entwicklung, die als Leitbild die Verantwortung für Tiere als Mitgeschöpfe beinhaltet, ist der tiergerechte Umgang mit allen Tieren in Menschenhand . Daraus ergeben sich im einzelnen Indikatoren in allen Bereichen, in denen der Mensch (aus welchen Gründen auch immer) Verantwortung für Tiere übernimmt, wie insbesondere:

  • in der Landwirtschaft
  • beim Transport
  • bei der Zucht
  • bei der Schlachtung
  • in Forschung und Entwicklung
  • beim Umwelt- und Verbraucherschutz
  • im Privathaushalt

In all diesen Bereichen sind Tiere vor Schmerzen, Leiden oder Schäden zu schützen. Die erfolgreiche Umsetzung dieses Prinzips stellt daher einen geeigneten Indikator für die Verwirklichung des Tierschutzgedankens im Rahmen einer Nachhaltigkeitsstrategie dar.

Zu III. Welche prioritären Handlungsfelder sollten neben den oben genannten in die Strategie aufgenommen werden?
In Anlehnung an die unter I. begründete Erweiterung der Grundelemente eines Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung ist aus unserer Sicht auch eine Erweiterung der bisherigen prioritären Handlungsfelder um den Aspekt der Ethik unabdingbar. Ohne an dieser Stelle andere Probleme als den Tierschutz behandeln zu wollen, bleibt zu konstatieren, dass beispielsweise ein Handlungsfeld "Ethisch vertretbares Handeln gegenüber, Mensch, Tier und Umwelt" neben dem Tierschutz etwa auch den Aspekt der sozialen Gerechtigkeit (und selbstverständlich andere Themen) erfassen könnte.

Zu IV. Mit welchen Maßnahmen können in den prioritären Handlungsfeldern die Ziele der nachhaltigen Entwicklung umgesetzt werden?
Wir beziehen uns an dieser Stelle ausschließlich auf das o.a. Ziel, Tiere vor Schmerzen, Leiden oder Schäden zu bewahren. In dieser Hinsicht sind insbesondere folgende Maßnahmen erforderlich:

  • Verbot tierschutzwidriger Haltungssysteme bzw. Förderung tiergerechter Haltungssysteme
  • Bewusstseinsbildung für die Tierschutzproblematik in der Bevölkerung (z.B. Einführung bzw. Verbreitung des Schulfaches Tierschutz)
  • Flächenabhängige tiergerechte Landwirtschaft
  • Finanzielle Unterstützung von Landwirten für Leistungen, die dem Tierschutz zu gute kommen
  • Förderung geschlossener Produktionskreisläufe in der Landwirtschaft mit regionalem Bezug (Vermeidung von Tiertransporten, Seuchenzügen)
  • Einrichtung dezentraler Schlachthöfe (zur Einschränkung von Tiertransporten)
  • Änderung der Ziele in der Tierzucht (in Richtung auf gesunde, nicht einseitig auf Leistung gezüchtete, robuste Tiere in der Landwirtschaft, die sich wechselnden Umweltbedingungen anpassen können; konsequentes Verbot von Qualzüchtungen)
  • Behebung von in der Tierzucht bereits manifestierten tierschutzwidrigen Zustände
  • Noch intensivere Förderung der Entwicklung und Anwendungen von alternativen Prüfsystemen, die nicht Tierversuche zur Grundlage haben
  • Vermeidung von Tierversuchen durch neue Strategien und Maßnahmen hinsichtlich der Risikobewertung bei der Erzeugung neuer Stoffe und Produkte (Entwicklung moderner alternativer [und zuverlässigerer] Prüfsysteme als Tierversuche zur Einschätzung von Gesundheitsgefährdung)
  • Vermeidung von Tierversuchen durch Bedarfsdeckung statt Bedürfniserweckung in den Bereichen Arzneimittel, Bedarfsgegenstände und Chemikalien sowie gesundheitliche Aufklärung und Prophylaxe

Bonn, den 14.01.2002
tierschutzbund.de

Gerhard Bronner: Verantwortung für die Sackgasse der Landwirtschaft

In der kritischen Diskussion um Umweltaspekte in der Landwirtschaft und Nachhaltigkeit wird oft betont, die Landwirte seien nicht verantwortlich für umweltbelastende Produktionsweisen sondern würden durch die Politik dazu gezwungen. Dies mag für den einzelnen Betrieb gelten, ganz sicher aber nicht für die bäuerliche Standesvertretung. Die hat seit Jahrzehnten die fehlgeleitete Agrarpolitik mitbestimmt oder gar diktiert. Und wer als einzelner Bauer Sonnleitner oder - noch schlimmer - früher Heeremann gewählt hat, trägt für diese Wahl auch Verantwortung.

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Dialogpapier [PDF, 373KB]
Der Nachhaltigkeitsrat hatte im Vorfeld ein Dialogpapier für die Erarbeitung der Strategie veröffentlicht, in dem Vorschläge für Ziele zu einigen Schwerpunktthemen dargelegt werden.