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"Nachhaltigkeit als Leitidee im Handeln braucht bessere Bildung als Basis, dazu mehr Aktionspartnerschaften und Praxisbeispiele, lokal, regional und international."

Walter Hirche, Mitglied des Rates

Moderator: Neue Landwirtschaft

Eine nachhaltige Landbewirtschaftung und Ernährung kann nur gewährleistet werden, wenn die Grundsätze der Nachhaltigkeit in den Bereichen: in der Landwirtschaft, in der Verarbeitung und im Handel sowie im individuellen Ernährungsverhalten umgesetzt werden. Die Rahmenbedingungen der Nachhaltigkeit sind durch den Staat vorzugeben. Wieviel Staat ist für eine nachhaltige Landwirtschaft nötig?

Heiner Petersen: Nachhaltigkeitsüberprüfung

Schade, jetzt ist mein erster Beitrag gerade verloren gegangen. Nun nochmal in Kürze:

Ich halte die Überprüfung einer nachhaltigen Produktion bei unserem heutigen Stand unserer Kultur und Ethik für eine notwendige staatl. Aufgabe. Um nicht in Bürokratie zu ersticken, brauchen wir dazu handhabare Kriterien und Mechnismen.

Ich kann mich mit meinem Wissenstand heute am ehesten jenen Wissenschaftlern anschliessen, die die Stoffausträge zur Bewertung heranziehen. Diese Austräge (Verluste aus der Landschaft) sind in diesem Jahrhundert durch unsere praktizierte Landwirtschaft (aber auch durch den Umgang mit Abwasser, Versiegelung und anderen Spuk) um Faktor 5- 100 (Ripl et al.) angestiegen. Dies führt zu einem Abnehmen der Bodenfruchtbarkeit und einer Eutrophierung der Gewässer/Meere.

Es gibt heute Möglichkeiten diese Daten mit überschaubarem Aufwand relativ scharf zu fassen.

Mich würde interessieren, was es sonst noch für Ideen für die Überprüfung der Nachghaltigkeit von Anbausystemen gibt, die nicht ideologisch vorprogrammiert sind.

Gerhard Bronner: Nachhaltige Landwirtschaft

Der Verzicht auf staatliche gesetzte Standards und deren Überwachung führt zu Konkurrenzvorteilen für nicht nachhaltig wirtschaftende Betriebe. Im Bereich der "Guten fachlichen Praxis" sind soger wesentlich konkretere (und damit spürbarere) Standards nötig (Pflanzenschutz, Düngung). Wenn die Landwirtschaft über die Hälfte ihres Einkommens durch staatliche Transfers erhält (und ohne diesekaum existieren könnte), muss sie sich auch gewisse Kontrollen gefallen lassen.

Auf einem anderen Blatt steht, mit wie viel bürokratischem Aufwand diese Standards nachgewiesen und kontrolliert werden. Da hat sich die Agrarverwaltung - in Brüssel wie in den Ländern - bisher nicht mit Ruhm bekleckert.

Hans-J. Thorn: Ländlicher Raum und Landwirtschaft

Hinwendung zur Landwirtschaft und Erhaltung der Kulturlandschaft.
Landwirtschaft beansprucht Fläche. Eine vernetzte und den Forderungen der Agenda gerecht werdende Raumstrukturplanung ist herzustellen, damit die urbanen Planungen im Zusammenhang mit ihren wechselseitigen Abhängigkeiten eine Region entwickeln statt belasten.
Hierbei ist der Schwerpunkt auf Landwirtschaft zu legen, bei der folgende Faktoren besonders zu berücksichtigen sind:
· Flächenausstattung der Bauernhöfe (Eigentümer und Pächter)
· Einbeziehung des Kapitals „Landschaft“
· Natur und Landwirtschaft für den Menschen erlebbar machen
· Vermarktung heimischer Produkte im Dorf
1. Zielsetzung zur landwirtschaftlichen Entwicklung ist die Ausweisung von zusammenhängenden Aktionsräumen für die jeweils konkurrierenden Nutzungsansprüche.(Landwirtschaft , Stadtentwicklung, Naturschutz) und die Sicherung der zur weiteren Entwicklung der verbleibenden landwirtschaftlichen Betriebe benötigten Fläche vor dem Zugriff anderer Nutzungsansprüche.
2. Zielsetzung zur landwirtschaftlichen und landeskulturellen Entwicklung ist die Schaffung einer ergänzenden Infrastruktur für die Landschaftserschließung als Erholungsraum für die Bürger in Verbindung mit der daraus resultierenden touristischen Angebotsmöglichkeit durch die Landwirte, bzw. der Dorfbewohner.
3. Zielsetzung zur landeskulturellen Entwicklung ist die Ergänzung und Abrundung der Dorflagen mit Bebauungsmöglichkeiten für attraktives, nachhaltiges Wohnen und Arbeiten in einem dörflichen Umfeld.
Die standortgerechte, nachhaltige, kleinräumige und somit ökologische Aspekte einbindendende Landbewirtschaftung muss die landwirtschaftlichen Betriebe wirtschaftlich absichern. Dieses ist die Grundlage im Prozess der multifunktionalen Nutzung der Kulturlandschaft und unverzichtbares Fundament für die Landeskultur.
Für eine naturschutzgerechte Landschaftsentwicklung mit multifunktionaler Landwirtschaft gilt es dabei folgende Inhalte zu realisieren:
· Entwicklung und Sicherung von landwirtschaflicher, forstwirtschaftlicher, gärtnerischer und binnenfischereilicher Betriebsstruktur (Aktionsraum landwirtschaftliche Flächennutzung)
· Entwicklung und Sicherung eines Biotopverbundes (Aktionsraum naturschutzkonforme Flächennutzung)
· Entwicklung städtebaulicher und verkehrlicher Projekte mit dem Schwerpunkt der Flächen- und Eingriffsminimierung (Aktionsraum urbane Flächennutzung)
Flächennutzung:
Flächennutzung hat Einfluss auf die Ressourcen Boden – Wasser – Klima. Daher sollen sich eine Reihe von Projekten mit dem Flächenbedarf beschäftigen.
· Anerkennung von traditionellem, integriertem Landbau als Ausgleich nach den Naturschutzgesetzen
· traditioneller integrierter Landbau = Verwendung von Untersaaten, Brachen, verminderte Bodenbearbeitung, verstärkter Einsatz von hofeigenen organischen Düngern, extensive Weidewirtschaft.
Das „neue“ Dorf:
Dorflagen und Güter sind typische Elemente der Kulturlandschaft in Raum der Lübecker Bucht. Die Wiederbelebung der Dörfer verringert den Bodenbedarf und entspricht so dem Bericht des Sachverständigenrats der BRD den Flächenverbrauch auf ca. 30 % zu senken. Dies erspart auch Ausgleichsflächen, verhindert und vermindert Verkehr, schafft Arbeitsplätze, stabilisiert das Sozialgefüge und holt Unternehmungen in die Dörfer. Damit entsteht Wohnraum in einer sozialverträglichen Umgebung und es werden Arbeitsplätze geschaffen sowie der Boden geschützt. Unternehmen zukunftsweisender Technologien sollen angesprochen werden, in die Dörfer zu ziehen (freifallende Hofstellen). Bei der Vitalisierung der Dörfer ist die jeweilige Dorfidylle einzubeziehen.
Multifunktionale Wege:
Wege sollen verbinden, nicht trennen, d. h. kurze Verbindungen, die gern zu Fuß oder per Rad zurückgelegt werden. Wege führen die Menschen von der Stadt zu Zielen auf dem Land. Die Wege sollen sowohl dem Erholung suchenden als auch dem Landwirt und den Dörflern dienen (Trennung von Ziel- und Durchgangsverkehr).
Die Region möchte verknüpfen, um den Freizeit- und Informationswert zu steigern. Das Wegenetz der Region soll als multifunktionales Verbindungselement mit besonderer Berücksichtigung der zukünftigen Mobilität der Menschen entwickelt werden. Dieser Ansatz ist unverzichtbar für die Dorfstrukturen mit ihrem kulturellen Hintergrund.
Landwirtschaft und Ernährung
Erzeuger - Verbraucherbeziehung als Maßnahme des Verbraucherschutzes:
Agrarprodukte hoher Qualität zur Herstellung von Lebensmitteln hoher Qualität sollen erzeugt werden. Ziel ist es Verbraucher und Erzeuger zusammenzubringen. Den Forderungen der Verbraucher nach hochwertiger Nahrung wird stattgegeben durch Umstellung der Produktionstechniken und Anbaumethoden (Anpassung von Düngung, Pflanzenschutz, Tierhaltung). Gesunde Futtermittel sind nur realisierbar, wenn ausreichend Fläche zur Verfügung steht.
Der Flächenanspruch der Landwirtschaft muss ins Bewusstsein gehoben werden. Dies erfordert Umdenken und Aufklärung aller Gruppierungen, die bisher Anspruch auf die Fläche erhoben haben. Der Verbraucher ist gleichberechtigten Dialogpartner, damit Veränderungen gemeinsam getragen werden können.
Direktvermarktung:
Neue Kommunikationselemente zur Unterstützung von Direktvermarktung (virtuelle Märkte), zur Weiterbildung der Landwirte, sowie zur Verbraucherinformation sollen eingesetzt werden. Attraktive Hoflagen sind in jeder Dorflage vorhanden und sollen als Ort des Einkaufserlebnisses entwickelt werden. Der Aufbau einer Direktvermarktung an die größeren Lebensmittelhersteller und Gastronomiebetriebe könnte für die Höfe interessant sein und werbewirksam für die Gastronomiebetriebe, die auf edle Küche setzen. Direktvermarktung könnte Umstellungen in Produktionsverfahren bedeuten, die ökologischer und ökonomischer sind als bisher angewandte. Dies kann nur durch wissenschaftliche Begleitung sichergestellt werden. Eine entsprechende Zusammenarbeit mit Forschungsinstitutionen soll initiiert werden. Vorgespräche sind bereits geführt.
Einsatz von Wissenschaft und Technik:
Durch neue Forschungsmethoden und methodische Ansätze sollen praktikable Erkenntnisse im Hinblick auf Qualität der Agrarprodukte und Umweltverträglichkeit der Produktion erbracht werden. Die Voraussetzungen, bei der Erarbeitung praxisrelevanter Methoden mitzuwirken, sind in der Region gegeben durch große bundesweit bekannte Lebensmittelverarbeitende Betriebe sowie lokale Betriebe zur Herstellung konservierungsmittel freier Frischsalate etc, durch das Institut für Hygiene, sowie einer Fachhochschule, die weitere benötigte Fachkompetenz und technisches Know-how liefert. Angefangen von Methoden der Bodenbearbeitung, der Düngung bis Hin zur Lagerung und Hygiene am Futtertisch sind allgemeingültige wissenschaftliche Fragen zu stellen und in praktikable Handlungsanweisungen umzusetzen. Da hochwertige Qualitäten im allgemeinen bessere Preise erzielen, ist hier ein sehr einfacher Kontroll- Maßstab gegeben. Weitere Kontrollmechanismen für die Effizienz eines Verbundprojektes dieser Art ist die Anzahl der Firmen, die Ergebnisse aufgreifen.
Multifunktionale Landwirtschaft:
Die Multifunktionalität in der Landwirtschaft ist die über die Lebensmittelproduktion hinausgehende vielgestaltige Leistung. Ihre Rolle spielt sie in der ländlichen Raumentwicklung. Die Diversifizierung von Aktivitäten bilden den integralen Kern der Multifunktionalität. So z. B. auch bei der Pflege und Erhaltung und Schaffung von ökologisch und landeskulturell bedeutsamen Landschaftsbestandteilen. Hier muss eine Produktentwicklung aufgebaut werden, damit dieser Bereich eine Marktleistung entwickelt und somit die Einkommensmöglichkeit der Landwirte verbreitert wird. Ergänzen wird sich diese landwirtschaftliche. Wirtschaftsweise mit der Rohstoffgewinnung aus Biomasse zur Stromerzeugung und zur Wärmegewinnung. Auch ländliche Entsorgungseinrichtungen sollen in Zusammenarbeit mit Landwirten eingerichtet werden.
Ein wichtiger Aspekt der integrierten Landentwicklung ist daher der Erhalt und die Einrichtung entwicklungsfähiger landwirtschaftlicher Betriebe als tragendes Element der Landeskultur. Der Spielraum landwirtschaftlicher Betriebe ist deutlich geringer als der anderer Akteure.
„Cidre und Zichorie“ - Neue Produkte -:
· Die Suche nach neuen Produkten der Landwirtschaft muss ein intensives Arbeitsfeld werden.
· Der Anbau und die Vermarktung in Vergessenheit geratener Nahrungs- und Faserpflanzen soll gefördert werden. Damit kann dem Verbraucher eine neue Produktpalette aus der Region geboten werden.
· Die grössere Vielfalt der Feldfrüchte dient dem Erhalt der natürlichen Bodenfunktion, zugleich wird die wirtschaftliche Basis der Betriebe erweitert.
Sicherung gemeinschaftlicher Lebensgüter:
Die vorhandene kleinstrukturelle bäuerliche Landeskultur ist stärker auf die Böden als Produktionsfaktor angewiesen und durch Kleinteiligkeit der Felder ist die Bodenbeanspruchung geringer. Veränderungen der Bodenstruktur haben Einfluss auf Fruchtbarkeit, Wasserhaushalt, Erosionsverhalten, Artenvielfalt etc. Weniger Bodenverdichtung bedeutet weniger Erosion und damit geringere Stoffeinträge in die Bäche und in den Untergrund.
Der Erhalt bäuerlicher Familienbetriebe leistet einen grösseren Beitrag zum vorsorgenden Bodenschutz als die Ausweisung von Siedlungsgebieten. Ziel ist es, die Vielfalt der angebauten Feldfrüchte in der Region erhöhen um positiven Effekte auf Boden , Grundwasser und Oberflächengewässer zu erwirken.
Agro Art und Agro-Ambiente:
In den Bereichen Kulturanimation und Events sind neue Wege zu suchen, um die Landwirtschaft und die Dorfidylle erlebbar zu gestalten und die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren.

Hannah: -

Dringend erforderlich ist, dass die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Agrarprodukten gestärkt wird. Dazu ein einfacher Vorschlag, den der Nachhaltigkeitsrat ggf. auch ohne die Bundesregierung umsetzen könnte:

Für eine deutliche Steigerung des Absatzes von Bioprodukten müssen diese in deutschen Supermärkten so präsent sein, wie das z.B. in der Schweiz längst der Fall ist. Ein Beitrag dazu könnte in der Einführung einer "Woche des ökologischen Landbaus" bestehen. Ein oder zweimal pro Jahr könnten alle Handelsketten (gleichzeitig) eine Woche lang Bioprodukte besonders promoten. Z.B. könnten die in Supermärkten üblichen Wochenangebote - über die alle Haushalte durch Wurfsendungen informiert werden - in dieser Woche ausschließlich Bioprodukte anpreisen. Probierstände und z.B. Auftritte von Politikern könnten dies ergänzen. Die Maßnahme kostet keinen Cent, sondern müsste schlicht mit den Handelsketten vereinbart werden.

U. Hamster: Landwirtschaft und Subventionen

Ich bin dafür, dass Subventionen im Allgemeinen abgeschafft werden im Agrarsektor. Warum sollten letztenendes die Steuerzahler z.B. für Brachland bezahlen?(EU-Subventionen) Brachland bekommt man auch wenn man altes Nutzflächen in Naturschutzgebieten eingliedert oder Nutzungsbeschränkungen einführt die ein bewirtschaften der Flächen aus wirtschaftlicher Sicht her unmöglich macht!

Weiter bin ich dafür, dass die Produktivität weiter gesteigert wird.

1. Durch Reduzierung der Anzahl von universellen Bauern + Arbeitseinteilung in spezielle Aufgaben nach Vorbild der LPG's aus der ehemaligen DDR.

  • man muss prüfen welche Betriebe nach dem Wegfall aller Subventionen unwirtschaftlich wären, diesen muss man entgegenkommen und dem betreffenden Bauern neue Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, in denen er sein Knw-How als Landwirt miteinbringen kann.
  • (Wirtschaft: "Survival of the Fittest!")
  • Ignoranz vor diesem Problem der Subventionen, lassen diese wiederum langfristig unbezahlbar werden.
  • Landwirte müssen nicht nur technisch im 21Jhd. sein, sondern in ihren Betriebsstrukturen in der Freien Marktwirtschaft des 21Jhd. ankommen.
  • mit jeder Verordnung des Gesundheitsministerium werden aber Kosten für die Landwirte erzeugt. Dieses ist aber wiederum notwendig für den Verbraucherschutz. Der Agrarsektor ist krisenanfällig! Deshalb sollten statt Subventionen besser Katastrophenfonds eingerichtet werden, um unverzüglich Hilfe in Form von kurzfristigen Subventionen um den Nahrungsbedarf der BRD oder EU zu gewährleisten, ohne den Bundeshaushalt im Nachhinein zu belasten und den "Mühlen der Bürokratie" zu entgehen. Dieses führt zu mehr Flexibilität!

2. Durch Forschung auf dem Gebiet der Biotechnologie-Saatzucht!->Verbraucherschutz!

P.S. Ich bin gegen den großflächigen Einsatz von Chemie im Anbau. (Grundwassergefährdung)
Ich bin für den gezielten Einsatz von medizinischer Versorgung von Schlachtvieh (individuell)

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Dialogpapier [PDF, 373KB]
Der Nachhaltigkeitsrat hatte im Vorfeld ein Dialogpapier für die Erarbeitung der Strategie veröffentlicht, in dem Vorschläge für Ziele zu einigen Schwerpunktthemen dargelegt werden.