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"Die Messung von Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor, um das Thema in Unternehmen und auf Kapitalmärkten zu etablieren."

Prof. Dr. Alexander Bassen, Mitglied des Rates

8. Dezember 2011, Walkendorf (Gut Dalwitz)

Workshop: Entsiegelung, Renaturierung und Wiedernutzung baulicher Brachflächen

Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz in Mecklenburg-Vorpommern (rechts) und Ratsmitglied Dr. Heinrich Graf von Bassewitz mit Schild „Stoppt Landfraß“ - © Foto: Gerd Rinas

Die Neuinanspruchnahme von Flächen durch Siedlung und Verkehr ist in Deutschland leicht rückläufig – aber noch weit entfernt vom Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, täglich nicht mehr als 30 Hektar Fläche neu für Siedlungs- und Verkehrszwecke zu beanspruchen. Wie Entsiegelung, Renaturierung und Wiedernutzung baulicher Brachflächen zur Erreichung dieses Nachhaltigkeitsziels beitragen können – zu dieser Fragestellung hatten der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern im Dezember 2011 zu einem Workshop auf Gut Dalwitz eingeladen. Zu den Referenten zählte auch Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz in Mecklenburg-Vorpommern.

Graf von Bassewitz, Mitglied des Nachhaltigkeitsrates und Hausherr des Gut Dalwitz unterstrich in seiner Begrüßung die Notwendigkeit, alle zur Verfügung stehenden Instrumente und Maßnahmen zu ergreifen, um dem immer noch hohen Flächenverbrauch in Deutschland zu begegnen und bis spätestens 2020 auf das von der Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie festgelegte Ziel von 30 ha/Tag zu kommen. Der Rat hatte in seiner Empfehlung „Mehr Wert für die Fläche: Das ‚Ziel-30-ha‘ für die Nachhaltigkeit in Stadt und Land“ (PDF, 1033 KB) Nr. 11, Juli 2004, konkrete Vorschläge gemacht. Dazu gehörte auch die Forderung nach einem kontinuierlichen Flächendialog, der mit dem Workshop in Dalwitz fortgeführt wurde. Viele der vorgeschlagenen Maßnahmen sind inzwischen erprobt und etabliert worden. Da die Flächenstatistik aber nur die Planungsgrößen, nicht die reale Nutzung misst, sind die Effekte dieser Maßnahmen in der Flächenstatistik bislang nicht sichtbar geworden. Erfolge des Flächenrecyclings und der Altlastensanierung können nicht statistisch abbildet werden, denn renaturierte Industrieflächen bleiben in aller Regel als Siedlungsflächen in der Flächenstatistik. Genauso werden Erfolge bei der Wiedernutzung von landwirtschaftlichen Flächen, auf denen jetzt noch Ruinen stehen, nicht als positiver Beitrag zum Flächensparen in der Statistik auftauchen. Trotzdem ist es aus Sicht des RNE sinnvoll, diese Flächen wieder zu verwenden und an dem Indikator der Nachhaltigkeitsstrategie festzuhalten. Denn dieser ist bisher der einzige geeignete Vergleichsmaßstab für die gesamte Bundesrepublik.

Der Rat und seine Arbeitsgruppe Fläche werden weiterhin aufmerksam verfolgen, welche Aktivitäten zu unterstützen und auszubauen sind – wie die Modellvorhaben des Bundesumweltministeriums (BMU) und des Bundesverkehrsminsteriums (BMVBS) zur Wirksamkeit von Handelssystemen für die Flächennutzung oder eine Analyse der Wirkungspotenziale der anstehenden Grundsteuerreform in Bezug auf die Flächenreduzierung, die der Rat im August 2011 mit 17 Experten in einem Workshop (PDF, 77 KB) erörtert hat.

Minister Till Backhaus kündigte als ein konkretes Ergebnis des Workshops an, dass das Ministerium mit der Landgesellschaft und der Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH (BVVG) Gespräche mit dem Ziel führen wolle, alle noch im Besitz der BVVG befindlichen Flächen in Mecklenburg-Vorpommern zu übernehmen.

Statt wie bisher zu versuchen, die teilweise schwer verkäuflichen Restflächen an einzelne Interessenten zu verkaufen, könnte die Landesplanung in Mecklenburg-Vorpommern ein Konzept zur Nutzung der noch im Besitz der BVVG befindlichen Flächen entwickeln. Der Landesregierung würde damit ein größerer Gestaltungsspielraum für integrative Lösungsansätze ermöglicht. Auf diese Weise könnten die zum Teil gegensätzlichen Interessen des Naturschutzes, der Landwirtschaft und der Siedlungsentwicklung besser in Einklang gebracht werden.
 

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