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"Nachhaltig denken heißt in Generationen denken, nicht nur zum eigenen Nutzen, sondern zum Nutzen des Fortbestandes unserer Erde, mit neuen Ideen und Zielen für die Zukunft."

Dr. Heinrich Graf von Bassewitz, Mitglied des Rates

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Vision 2050: RNE erprobt neues Verfahren für Bürgerteilhabe an Langfristpolitik

Berlin, 28.03.2011 Mehr als vier Wochen lang haben 85 ausgewählte junge Männer und Frauen aus ganz Deutschland ihre persönlichen Vorstellungen von einer Gesellschaft der Zukunft im Jahre 2050 formuliert. In dem vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) organisierten Verfahren präsentierten sie ihre Überlegungen den Vertretern mehrerer Bundesministerien. Sie verglichen dabei ihre Zukunftsvorstellungen mit der gegenwärtigen politischen Praxis und versuchten, ihre Ideen und Anliegen auf bundespolitischer Entscheidungsebene einzubringen.

In einer 30-tägigen Online-Diskussion hatten die 85 zunächst thematisch über ihre Zukunftsbilder diskutiert und erste Visionsentwürfe formuliert. Anschließend verdichteten sie diese in einem dreitägigen moderierten Workshop in Berlin und leiteten daraus Anforderungen für eine gesamtgesellschaftliche Zukunftsvision ab. Das intensive Brainstorming mündete am 25. März in eine Diskussion mit Nachhaltigkeitsexperten aus den Bundesministerien des Auswärtigen, für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, für Arbeit und Soziales, für Gesundheit, für Wirtschaft und Technologie und aus dem Bundespresseamt.

Die gesellschaftlich engagierten, durch ein bundesweites Nominierungsverfahren ausgewählten Studenten, Auszubildenden, Schüler und Berufstätigen zwischen 15 und 33 Jahren behandelten dabei die Themenfelder Umwelt und Energie, nachhaltiges Wirtschaften, nachhaltiger Konsum, Landwirtschaft und Ernährung, Bildung, internationale Beziehungen, soziales Miteinander und Vielfalt, Verkehr und Mobilität sowie individuelle Verantwortung, Partizipation und Engagement. Einige ihrer Ergebnisse stellten sie anschließend Vertretern des für die Koordination der deutschen Nachhaltigkeitspolitik zuständigen Bundeskanzleramts vor:

  • Energie 2050: Alle deutschen Kernkraftwerke sind abgeschaltet. Deutschland deckt seinen Energiebedarf auf einem globalen, dezentralen Energiemarkt aus erneuerbaren Energiequellen. Erneuerbare Energien werden ohne Beeinträchtigung der biologischen Vielfalt genutzt.
  • Wirtschaft 2050: Unternehmen wirtschaften nicht mehr allein zum Zwecke des Gewinns, sondern auch für langfristige gesamtgesellschaftliche Ziele. Sie betreiben ihr Geschäft ökologisch, hocheffizient, sozial, regional wie global und überprüfen ihr Handeln durch Selbstreflexion.
  • Bildung 2050: Für eine Annäherung an die Ziele der Visionsentwürfe ist ein Bewusstseinswandel unabdingbar, der gute Bildung voraussetzt. Unabhängig von Alter oder sozialem Hintergrund fördert das deutsche Bildungssystem deshalb lebenslanges Lernen. Es gibt keine Zugangs- und Teilhabebarrieren. Alle Menschen werden zu Bildung motiviert, niemand wird benachteiligt oder aufgegeben.
  • Internationale Beziehungen 2050: Europa und die Europäische Union erweisen sich als Übergangsphase zu einem Weltbürgertum. Es gibt eine Weltverfassung und darauf fußende internationale Gerichte. Ein demokratisches China hat die USA als führende Weltmacht abgelöst. Im Umgang mit Terrorismus wird die Minderung globaler Wohlstandsunterschiede als wichtiger Lösungsansatz gesehen.

Symbolhaft trugen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des RNE-Projektes „Dialoge_Zukunft_Vision2050“ den Vertretern des Bundeskanzleramts als „Hausaufgabe“ die Lösung einer „Visionen-Formel“ auf und mahnten: „Erinnert euch an eure eigene Vision. Denkt daran, warum ihr in die Politik gegangen seid.“ Außerdem forderten sie von der Bundesregierung neue Impulse für eine nachhaltige Entwicklung – ähnlich dem Impuls, der vom Erneuerbare-Energien-Gesetz ausgegangen sei. Sie sprachen sich überdies dafür aus, Dialog- und Beteiligungsprozesse wie den ihren bundesweit mit möglichst breiter Beteiligung der Bevölkerung in Gang zu bringen.

Angelika Zahrnt, Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung, sagte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des vom Rat erstmals erprobten Verfahrens: „Es hat mich beeindruckt, wie Sie in diesem Prozess übereinstimmende Linien gefunden und Ihren Optimismus darüber zum Ausdruck gebracht haben, dass Ihre Visionen erreichbar sind.“ Sie habe eine „Abkehr vom Gewinnstreben des Homo Oeconomicus“ und den Konsens registriert, „dass der Mensch in der Lage ist, langfristig und generationenübergreifend zu denken“, sagte die Ökonomin, die auch Ehrenvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist. Die 85 hätten in dem Dialogprozess gezeigt, dass das Denken in Visionen sich als Instrument zur Zukunftsgestaltung eigne.

Günther Bachmann, der Generalsekretär des Rates, ermutigte die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, auch mit den Bundestagsabgeordneten ihrer Wahlkreise Gespräche über ihre Visionen zu führen. Bachmann kündigte an, der Rat werde das für „Dialoge_Zukunft_Vision2050“ entwickelte Verfahren den politischen Institutionen in Deutschland zur Anwendung empfehlen.

Weitere Informationen:

Weitere Informationen zu „Dialoge_Zukunft_Vision2050“ und Fotos von der Veranstaltung finden Sie unter: http://www.nachhaltigkeitsrat.de/projekte/eigene-projekte/dialoge-zukunft-vision2050

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