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"Nachhaltigkeit verpflichtet zu Vernunft und Verantwortung unseres Handelns im sozialen, ökologischen und ökonomischen Bereich."

Michael Vassiliadis, Mitglied des Rates

30.05.2012

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„Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex kann andere Länder inspirieren“ – Interview mit Teresa Fogelberg, stellvertretende Vorstandsvorsitzende GRI

Während der im Juni in Rio de Janeiro anstehenden Weltnachhaltigkeitskonferenz der Vereinten Nationen steht auch die Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf der Agenda. Im Gespräch sind unter anderem mehr Verbindlichkeit und die Entwicklung eines globalen Rahmens für diese Berichterstattung. Die Global Reporting Initiative (GRI), die Richtlinien zur Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt, unterstützt dieses Ansinnen. Welchen Nutzen ein solcher globaler Rahmen hätte, was in Rio realistischerweise beschlossen werden kann und welche Rolle der Deutsche Nachhaltigkeitskodex DNK bei der Weiterentwicklung der Berichterstattung spielen kann, erklärt die stellvertretende GRI-Vorsitzende Teresa Fogelberg im Interview.

Frau Fogelberg, auf der Weltnachhaltigkeitskonferenz in Rio soll die Entwicklung eines globalen Rahmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung angestoßen werden. Ist das aus Ihrer Sicht ausreichend ambitioniert?

Ich glaube, dass das ambitioniert genug ist – und realistisch. Beim derzeitigen politischen Klima, dem mangelnden Konsens bei vielen Themen zwischen und auch innerhalb der Staaten, konnten wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter gehen. Die Entwicklung eines globalen politischen Rahmens für die Nachhaltigkeitsberichterstattung lässt den einzelnen Staaten einerseits Souveränität. Andererseits gibt er der Wirtschaft genügend Flexibilität für die Wahl ihrer eigenen Form der Berichterstattung – über das „Was“ und „Wie“.

Was würden Sie sich als Rio-Ergebnis wünschen? 


Wir werben unter den UN-Mitgliedsländern dafür, in Rio die Entwicklung eines solchen globalen Politikrahmens anzustoßen. Dieser Rahmen sollte großen und börsennotierten Unternehmen abverlangen, über die Integration von Nachhaltigkeitsthemen in ihrem Berichtszyklus zu beraten oder zu erklären, warum sie es nicht tun. Dafür sollte es in Rio eine grundsätzliche politische Zustimmung seitens der Staats- und Regierungschefs geben. Wir wollen außerdem, dass die UN-Mitgliedsländer Generalsekretär Bank Ki-moon mit einem Mandat zur Etablierung dieses Rahmenwerks ausstatten.

Falls sich die Weltgemeinschaft in Rio auf einen solchen Rahmen einigt: Welche Organisationen und Akteure müssten an seiner Entwicklung beteiligt werden?


Deutschland ist ein potenzieller Vorreiter auf diesem Gebiet und könnte andere Staaten inspirieren. In einem globalen Rahmen könnte jedes Land selbst wählen, wie es diesen ausgestaltet. Er wäre rechtlich nicht so verbindlich wie eine Konvention, sondern mehr „weiches“ Recht. Es sollte eine Task Force unter der Regie von Ban Ki-moon eingerichtet und eine UN-Organisation mit den Aufgaben eines Sekretariats betraut werden. Außerdem sollte aus jeder Region ein federführendes Land mitmachen, und der Privatsektor sollte beteiligt werden. Ich meine, dass die GRI-Leitlinien eine wichtige Referenzbasis sind, auf die dieser Rahmen gründen kann.

Um unter anderem Finanzmarktteilnehmern die Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen zu erleichtern und die Transparenz darüber zu erhöhen, hat der RNE gemeinsam mit vielen Experten den Deutschen Nachhaltigkeitskodex DNK entwickelt. Wie schätzen Sie dessen Nutzen ein?

Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex ist sehr hilfreich – er kann anderen Ländern als gutes Beispiel dafür dienen, wie sich global anerkannte Richtlinien wie die der GRI auf lokaler Ebene anwenden lassen. Die Anwendung solcher Standards kann Unternehmen bei der Berichterstattung über ihre Leistung unterstützen und zwar so, dass gleiche Bedingungen für alle herrschen und der nationale Kontext berücksichtigt wird. Das hat Deutschland mit dem DNK schon gemacht. Ich denke, der Kodex kann eine Quelle der Inspiration für die Entwicklung eines globalen Rahmens sein.

Unternehmen können die Anforderungen des DNK auch erfüllen, indem sie über ihre Nachhaltigkeitsleistung nach dem höchsten Standard der GRI (A+) berichten. Was denken Sie: Sollten Unternehmen oder Organisationen dennoch neben einem GRI-A+-Bericht eine Erklärung nach dem DNK vorlegen? 

Die GRI-Richtlinien kommen international zum Einsatz – auch in Entwicklungsländern, wo immer mehr Unternehmen in die Berichterstattung einsteigen. Wenn sich Unternehmen mit anderen Unternehmen im selben Markt vergleichen möchten, dann sind diese Richtlinien gut geeignet, sicherzustellen, dass alle Unternehmenseinheiten die gleiche Sprache in Sachen Nachhaltigkeitsleistung sprechen. Dem DNK, der mehr Transparenz über die Tätigkeiten von Unternehmen in Deutschland herstellt, gäbe das Mehrwert.

Was dokumentieren die GRI-Standards?

Die GRI-Anwendungsstandards A, B, C dokumentieren das Maß, nach denen die Richtlinien angewendet wurden. Sie sagen nicht, ein Bericht ist besser als ein anderer. Wir empfehlen, das Unternehmen ihre Berichte von einem externen Dritten prüfen lassen und kennzeichnen diese Berichte durch ein A+. Für kleine Unternehmen und Non-Profit-Organisationen und jene, die erst in die Nachhaltigkeitsberichterstattung einsteigen, kann ein Level-C-Bericht indes ausreichen. Unternehmen sollten erst gemeinsam mit ihren Stakeholdern überlegen, was für sie am relevantesten ist und sich erst danach für ein Anwendungslevel entscheiden. 

Können Sie uns ein, zwei Vorreiterunternehmen nennen und erläutern, was diese besser als ihre Mitbewerber machen?

Heute erstellen Tausende Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte, die internationale Richtlinien wie denen der GRI oder nationalen wie dem vom RNE initiierten DNK folgen.  GRI ist als Organisation neutral und kann nicht darüber richten, ob die Berichterstattung eines Unternehmens besser ist als die eines anderen.

Die GRI wird in Rio zusammen mit dem RNE einen Side-Event zum Thema Nachhaltigkeitsberichterstattung durchführen. Was ist dort geplant?


Im Zuge der Rio-Konferenz sind wir an verschiedenen Veranstaltungen beteiligt. Dazu haben wir Vertreter einiger der führenden Konzerne der Welt eingeladen, um über die Berichterstattung zu sprechen. Sie werden sich des Themas aus einer internationalen Perspektive annehmen und über gute Beispiele aus verschiedenen Ländern berichten, darunter aus Deutschland, den Vereinigten Staaten von Amerika, Dänemark und einer aufstrebenden Volkswirtschaft.