29.02.2012
AUS DEM RAT FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG
Deutschlands beste Nachhaltigkeitsberichte ausgezeichnet
Der bayerische Autobauer BMW und die pfälzische Öko-Brauerei Neumarkter Lammsbräu legten im vergangenen Jahr die besten Nachhaltigkeitsberichte Deutschlands vor. Mit ihren Berichten konnten sie jetzt in einem bundesweiten Ranking die Spitzenplätze in den Wettbewerbskategorien „Großunternehmen“ und „Mittelständler“ erringen. Ermittelt wurde das Ranking der Nachhaltigkeitsberichte 2011 vom Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der bundesweiten Unternehmensinitiative „Future – Verantwortung unternehmen“, unterstützt vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Die amtierende Ratsvorsitzende Marlehn Thieme sieht berichtende Unternehmen gut gerüstet für die Märkte der Zukunft.
„Sie können den Beweis antreten, dass nachhaltiges Wirtschaften auf die Wettbewerbsfähigkeit einzahlt“, sagte Thieme anlässlich der Preisverleihung am 27. Februar in Berlin. IÖW und Future bewerten die öko-soziale Berichterstattung deutscher Unternehmen seit 1994. In der Wettbewerbskategorie „Großunternehmen“ zeichneten sie dieses Jahr neben BMW die Berichte des Mischkonzerns Siemens und des Chemie-Riesens BASF aus. Bei den kleinen und mittleren Unternehmen belegten memo, ein Spezialhändler für umweltfreundlichen Bürobedarf, sowie die Bremer Straßenbahn die Plätze zwei und drei. Thieme überreichte ihnen die Auszeichnungen zusammen mit dem Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Gerd Hoofe.
Im diesjährigen Ranking wurden kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zum zweiten Mal in einer eigenen Kategorie bewertet. IÖW und Future beobachteten unter ihnen zuletzt einen „deutlichen Anstieg der Berichtsaktivitäten“: 55 KMU reichten 2011 ihre Berichte zur Begutachtung ein. 2009 machten das erst 46 Mittelständler. Die Recherchen des IÖW ergaben, dass darüber hinaus etwa 80 weitere KMU eigenständige Nachhaltigkeitsberichte veröffentlichen. Wenig Bewegung verzeichneten die Veranstalter dagegen bei Großunternehmen: Von den 150 größten deutschen Konzernen schweigt weiterhin jeder vierte zu Nachhaltigkeitsthemen, vor allem solche aus den Branchen Versicherungen, Logistik und Handel.
Thieme hält das für einen Fehler: „Deutsche Unternehmen haben aufgrund gesetzlicher Regelungen im globalen Wettbewerb Vorteile, die sie jedoch nicht ausreichend strategisch einsetzen.“ Die Direktorin der Deutschen Bank wies in Berlin darauf hin, dass sich nur 20 Prozent der Vermögenswerte eines Unternehmens in dessen finanziellen Leistungsparametern abbilden. Satte 80 Prozent machten die nicht-finanziellen Leistungsindikatoren aus, also solche zu ökologischen und sozialen Aspekten. Unternehmen, die diese verdeckten Vermögenswerte sichtbar und kalkulierbar machten, ermöglichten dem Kapitalmarkt, diese Werte zu honorieren, so Thieme.
Ihr zufolge schauen große Investoren und die Gesellschaft immer genauer auf die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen. Sie forderten zunehmend Transparenz ein. Aufgabe des Staates sei es, dafür den richtigen Rahmen zu setzen. Er müsse den Markt so gestalten, „dass nachhaltiges Handeln belohnt und nicht nachhaltiges Handeln bestraft wird“. Eine große Chance dafür sieht die RNE-Vorsitzende in der im Sommer im brasilianischen Rio de Janeiro stattfindenden Weltkonferenz über nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen („Rio+20“). Dort könne die Weltgemeinschaft den Ordnungsrahmen modernisieren, damit „nachhaltiges Wirtschaften zum Normalfall wird“.
Unternehmen, die in die Nachhaltigkeitsberichterstattung einsteigen wollen, bietet der RNE mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex DNK Hilfestellung. Der neue Transparenzstandard beschreibt mit zwanzig Kriterien den Kern unternehmerischer Nachhaltigkeit. Über Entsprechenserklärungen können Unternehmen Art und Umfang ihrer Nachhaltigkeitsleistung dokumentieren – sie wird damit sichtbar und vergleichbar. Der RNE empfiehlt Unternehmen jeder Größe und Rechtsform die freiwillige Anwendung des Kodex.
Weiterführende Informationen
„Nachhaltiges Wirtschaften muss zum Normalfall werden“. Pressemitteilung des Rates für Nachhaltige Entwicklung, 27.02.2012.
Key note von Marlehn Thieme, kommissarische Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung, anlässlich der Preisverleihung des Rankings der Nachhaltigkeitsberichte am 27.02.2012 in Berlin. [PDF, 17 KB]
IÖW/Future-Ranking ermittelt Deutschlands beste Nachhaltigkeitsberichte: Bundesarbeitsministerin von der Leyen zeichnet BMW und Neumarkter Lammsbräu aus. Pressemitteilung IÖW/Future, 28.02.2012.
Website zum IÖW/future-Ranking der Nachhaltigkeitsberichte mit detaillierten Ergebnissen des Wettbewerbs.
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK). Empfehlungen des Rates für Nachhaltige Entwicklung und Dokumentation des Multistakeholderforum am 26.09.2011. texte Nr. 41, Januar 2012. [PDF. 2,1 MB]
Meldungen zum Thema
Deutscher Nachhaltigkeitskodex: erste Entsprechenserklärungen vorgelegt. News Nachhaltigkeit, 22.02.2012.
Deutscher Nachhaltigkeitskodex: Ratsinitiative gewinnt weitere Fürsprecher. News Nachhaltigkeit, 13.12.2011.
„Deutscher Nachhaltigkeitskodex strahlt europaweit aus“ – Interview mit Prof. Alexander Bassen, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. News Nachhaltigkeit, 23.09.2011.
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