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"Die Diskussion um eine nachhaltige Entwicklung muss jetzt die soziale Dimension stärken - für die Menschen der nächsten Generationen."

Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates

06.02.2012

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Berlin soll bis 2050 klimaneutral werden

Der Berliner Senat will die Hauptstadt bis zum Jahr 2050 auf Klimaneutralität trimmen. Das kündigte Stadtentwicklungs- und Umweltsenator Michael Müller Ende Januar an. Das im April 2011 vom Berliner Senat vorgestellte Energiekonzept will der Sozialdemokrat dazu überarbeiten und an die Anforderungen der bundesweiten Energiewende anpassen. Müller will unter anderem mehr Solaranlagen und Blockheizkraftwerke einsetzen und die rund 8.000 öffentlichen Berliner Gebäude mit Energiemanagementsystemen ausrüsten. Außerdem soll mehr „grüner“ Strom aus Brandenburg importiert werden. Ohne diese Importe, meinen Vertreter der Berliner Wirtschaft und Umweltschützer, werde der Senat keine Klimaneutralität erreichen können.

Die seit Dezember 2011 regierende rot-schwarze Landesregierung hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, Berlin bis 2050 zur Klimaneutralität zu führen. Bis 2020 sollen die Berliner CO2-Emissionen zunächst um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 sinken. Weitere Zielmarken für die Jahre 2030 und 2040 sollen noch beschlossen werden. Ebenso ein „verbindliches Aktionsprogramm für eine zukunftsfähige Klimapolitik“, das durchbuchstabiert, wie sich diese Ziele erreichen lassen. Senator Müller sagte, um die CO2-Emissionen auf Null zu senken, „müssen wir bei der Reduzierung der Treibhausgase einen erkennbaren und stabilen Trend schaffen“.

Der Berliner Landesverband des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) begrüßt die Pläne. Geschäftsführer Andreas Jarfe sagt, es sei „immer gut, wenn die Politik Nachhaltigkeitsziele verfolgt“. Müllers Äußerungen seien aber sehr vage. Weder sei klar, was er mit Klimaneutralität meine: „Soll Berlin komplett klimaneutral werden – oder bezogen auf die Emissionen von 1990?“ Noch habe Müller deutlich genug dargelegt, wie er sein Ziel erreichen will. Jarfe sagt, grundsätzlich ständen dem Senat zwei Wege offen: erstens höhere Energieeinsparungen, vor allem durch energetische Sanierung der Berliner Wohngebäude. Zweitens durch Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien an der Energieversorgung. Die Potenziale im dicht besiedelten Berlin seien aber beschränkt. Deswegen sei die Hauptstadt auf Energieimporte aus dem Umland angewiesen.

Bei der erneuerbaren Energieerzeugung zählt Brandenburg bundesweit zur Spitzengruppe. 2010 lag der Anteil von Wind, Sonne und Co. bei rund 16 Prozent. Bis 2030 soll er auf mindestens 30 Prozent steigen, wie die Landesregierung im Januar mitteilte. Berlin kann da nicht mithalten: Nach den neuesten verfügbaren Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg lag der Anteil der Erneuerbaren 2008 bei 2,7 Prozent. „Wenn der Senat Klimaneutralität anstrebt, muss er einen erheblichen Teil des Energiebedarfs künftig aus Brandenburg einführen“, sagt auch Henrik Vagt, Leiter der Abteilung Umwelt und Energie bei der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK).

Die „große ungeklärte Frage“ ist ihm zufolge, wie die Brandenburger Energie aufgefangen und gespeichert werden kann. Nötig sei ein intelligentes Stromnetz, ein „Smart Grid“, das Stromverbraucher wie Elektroautos oder Wärmepumpen in der Hauptstadtregion miteinander verknüpft und als Speicher nutzt. „Da gibt es aber noch kein Patenrezept.“ Um das Ziel Klimaneutralität zu erreichen, müsse der Senat außerdem deutlich mehr alte Gebäude energetisch sanieren als heute. Vagt zufolge liegt die Sanierungsquote in Berlin unter einem Prozent. „Die von der Bundesregierung angestrebte Verdopplung der Quote kann sich der klamme Senat nicht leisten“, sagt er. Dazu sei er auf höhere Zuschüsse des Bundes angewiesen. Die drohen momentan allerdings drastisch zu sinken. 

Berlin ist Mieterstadt – und das ist laut BUND-Landesgeschäftsführer Jarfe das große Dilemma, vor dem der Senat steht. Wälze er die Sanierungskosten auf die Mieter ab, stehe es schlecht um seine Wiederwahl. „Andererseits wird sich ohne einen ökonomisch und sozial verträglichen Sanierungsfahrplan keine Klimaneutralität einstellen.“ Ähnlich sieht das Vagt, der das Ziel Klimaneutralität trotz dieser Probleme richtig findet. „Die IHK unterstützt das.“ In der Hauptstadt gäbe es viele Forschungseinrichtungen und gut aufgestellte Unternehmen der Nachhaltigkeitsbranche, die von dessen Umsetzung profitieren könnten. Auch in anderen Branchen gäbe es eine große Bereitschaft zum Klimaschutz. Dieses Potenzial müsse der Senat heben. „An den großen energiepolitischen Stellschrauben können aber letztlich nur der Bund und die EU drehen“, so Vagt.

Weiterführende Informationen

Stadtentwicklungs- und Umweltsenator Michael Müller: Aktionsprogramm zur Realisierung der klimaneutralen Stadt. Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, 24.01.2012.

Koalitionsvertrag zwischen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), Landesverband Berlin und der Christlich Demokratischen Union (CDU), Landesverband Berlin, für die Legislaturperiode 2011 – 2016, Dezember 2011. [PDF, 3,2 MB]

Erneuerbare Energien in Brandenburg. Informationen der Agentur für Erneuerbare Energien.

Entwurf für die „Energiestrategie 2030“ vorgelegt. Pressemitteilung des Ministeriums für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg, 10.01.2012.

Energie- und CO2-Bilanz in Berlin 2008. Statistischer Bericht des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg, 2011. [PDF, 157 KB]

Ein besseres Klima für Berlin! Hintergrundinformationen und Positionen des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), Landesverband Berlin.

Umwelt- und Energiepolitik. Hintergrundinformationen und Positionen der Berliner Industrie- und Handelskammer.

Meldungen zum Thema

Experten: Keine Energiewende ohne energetische Gebäudesanierung. News Nachhaltigkeit, 10.01.2012.

Klimaneutraler Tourismus: Nordseeinsel Juist will Blaupause liefern. News Nachhaltigkeit, 09.11.2011.

„Deutschland fehlt eine Energieeffizienzpolitik“ – Interview mit dem Berliner Energieexperten Hans-Joachim Ziesing. News Nachhaltigkeit, 21.09.2011.

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