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"Nachhaltiges Konsumverhalten wird solange Sache einer engagierten Minderheit bleiben, wie Anreize falsch gesetzt sind und Strukturen es nicht unterstützen."

Prof. Dr. Lucia A. Reisch, Mitglied des Rates

24.11.2011

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Rohstoff-Knappheit gefährdet Energiewende

Wichtigen Zukunftstechnologien wie der Fotovoltaik und der Elektromobilität könnten bald die Rohstoffe ausgehen. Darauf hat Mitte November die staatliche Förderbank KfW in einer Studie hingewiesen. Der nachhaltige Umbau der deutschen Energieversorgung könne darunter leiden. Europaweit sieht es nicht besser aus. Laut einer zeitgleich erschienenen Untersuchung der Europäischen Kommission droht die Verknappung wichtiger Metalle die Verbreitung klimafreundlicher Technologien zu behindern, etwa der Wind- oder Solarenergie. Als eine Lösung gegen drohende Versorgungsengpässe wird in beiden Studien mehr und besseres Recycling knapper Rohstoffe empfohlen. Möglich sei das, sagen Experten. Einige Trends könnten die Recyclinggewinne aber sofort auffressen.

„Bei Germanium, Rhenium und Antimon ist die Versorgungslage für deutsche Unternehmen schon sehr kritisch“, sagt Siegfried Behrendt vom Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), einer der Autoren der KfW-Studie. Benötigt werden diese Stoffe unter anderem für die Produktion von Solaranlagen und Batterien für Elektroautos – Technologien, die boomen, und die weltweite Nachfrage nach diesen Rohstoffen anheizen. „Die globalen Reserven können mit der Nachfrage nicht mithalten“, sagt Behrendt. Mittel- bis langfristig mögliche Versorgungsengpässe könnten diese Zukunftstechnologien verteuern, ihre Verbreitung erschweren.

Mehr Recycling könnte Abhilfe schaffen. Aus Handys und komplexen Bauteilen wie Computer-Leiterplatten, die viele dieser Stoffe enthalten, können laut KfW-Studie derzeit jedoch weltweit nur fünf Firmen im großen Maßstab kritische Metalle zurückgewinnen, darunter der belgische Materialtechnologie-Konzern Umicore. „Das Recycling von Hightech-Produkten ist genau so anspruchsvoll wie deren Produktion“, sagt Christian Hagelüken, der am deutschen Umicore-Sitz in Hanau für die Geschäftentwicklung verantwortlich ist. Sammeln und schreddern reiche nicht. „Für die Rückgewinnung einzelner Metalle brauchen wir hinter dem Schredder eine Hightech-Anlage.“

Viele kritische Rohstoffe lassen sich ihm zufolge zwar wirtschaftlich zurückgewinnen. „Dazu müssen wir jedoch erst an die in Autos, Computer oder Handys verbauten Stoffe herankommen.“ Ausgediente Handys etwa verstaubten aber überwiegend in Schubladen oder verschwänden auf „dubiosen Wegen“ in arme Länder, wo sie unsachgerecht zulasten von Mensch und Umwelt zerlegt würden. „Altgeräte sind Rohstoffquellen“, so Hagelüken. „Statt sie zu nutzen, exportieren wir sie und kaufen Rohstoffe teuer ein.“

Er meint, die Politik müsse deswegen mehr Stoffkreisläufe schließen, gerade bei kleinen Elektroprodukten wie Handys oder Computern, und dubiose Exporte unterbinden. Gut fände er auch ein Handypfand, das beim Kauf eines Neugeräts hinterlegt wird, damit die Käufer einen Anreiz haben, es später dem Recycling zuzuführen. Außerdem müssten die Hersteller ihre Produkte so gestalten, dass sich Rohstoffe am Ende des Lebenszyklus leichter zurückgewinnen lassen. „An eine Leiterplatte im Computer kommen wir noch ran. Bei Dutzenden in einem modernen Pkw kleinteilig verbauten Leiterplatten ist das deutlich schwieriger und teurer.“

Die „Demontagefähigkeit von Produkten“, sagt auch Siegfried Behrendt vom IZT, sei enorm wichtig für mehr Recycling – werde aber zunehmend schwerer, weil bislang elektronikfreie Produkte mit Elektronik vollgestopft würden. „Eine alte Weinflasche lässt sich gut recyceln –  solange sie nicht mit einem Funkchip ausgestattet wurde.“ Solche „Miniwegwerfchips“, so Behrendt, griffen um sich und könnten bald sogar in Tapeten oder Wandfarbe stecken. Die darin verbauten Rohstoffe ließen sich gar nicht mehr recyceln.

Deutsche Unternehmen, die für die Produktion von Zukunftstechnologien auf knapper werdende Rohstoffe angewiesen sind, empfiehlt der IZT-Experte, die Rohstoffbeschaffung strategisch anzugehen. Hohe und schwankende Preise machten „die Rohstoffversorgung für Unternehmen zu einer Kernaufgabe“. Um ihren Bedarf und ihre Importabhängigkeit zu verringern, sollten sie außerdem alles versuchen, um Rohstoffe effizienter zu nutzen.

Auch der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) ist der Ansicht, dass das Wegwerfen und „Weg-Verbrauchen“ wichtiger Rohstoffe ein Ende haben muss. Eine 100-prozentige Kreislaufwirtschaft sei möglich. Deutschland könne auf dem Weg dahin zum internationalen Vorreiter werden. Wie das gelingen und das rohstoffarme Deutschland zum Rohstoffland werden kann, legt der RNE in einer im Sommer der Bundesregierung überreichten Politikempfehlung dar.

Weiterführende Informationen

Kritische Rohstoffe für Deutschland. Studie der KfW, November 2011. Lang- und Kurzfassung.

KfW-Studie: Rohstoffmangel gefährdet Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Pressemitteilung der KfW, 10.11.2011.

Critical Metals in Strategic Energy Technologies. Studie des Joint Research Centre der Europäischen Kommission, November 2011. [PDF, 3,7 MB]

Rare earth metal shortages could hamper deployment of low-carbon energy technologies. Pressemitteilung des Joint Research Centre der Europäischen Kommission, 10.11.2011. [PDF, 31 KB]

Arbeitsschwerpunkte und Publikationen von Dr. Siegfried Behrendt. Informationen des IZT.

Arbeitsschwerpunkte von Dr. Christian Hagelüken. Informationen auf der Website des Urban Mining e.V.

Wie Deutschland Rohstoffland wird. Empfehlung des Rates für Nachhaltige Entwicklung, texte Nr. 39, Juni 2011 [PDF, 487 KB]

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