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"Neue Technologien sind wichtig für eine nachhaltige Entwicklung. Andere Lebensstile auch."

Prof. Dr. Angelika Zahrnt, Mitglied des Rates

29.11.2011

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Lebensmittel: Wissenschaftler schlagen Dachlabel für Nachhaltigkeit vor

„BioBio“, „Delphinfreundlich“ oder „Ohne Gentechnik“ – im Label-Dschungel für gesunde, ökologisch oder fair hergestellte Lebensmittel verliert mancher Konsument den Überblick. Klarere Orientierung geben wollen ihnen die wissenschaftlichen Beiräte „Verbraucher- und Ernährungspolitik“ sowie „Agrarpolitik“ des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Sie schlugen Ende September in einer gemeinsamen Stellungnahme eine Strategie vor, die die Flut von wenig aussagekräftigen Siegeln eindämmen und den Verbrauchern mehr Klarheit verschaffen soll. Kern dieser Politikstrategie ist die Einführung eines abgestuften, freiwilligen Nachhaltigkeitslabels für Lebensmittel. Außerdem sollen Verbraucher „grüne“ Werbebehauptungen künftig leichter überprüfen können.

„Wenn ein Anbieter auf der Verpackung oder in der Werbung beispielsweise behauptet, das Lebensmittel stamme aus der Region, sollte der Käufer dieses Produkts das nachprüfen können“, sagt Lucia Reisch, Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) und Vorsitzende des BMELV-Beirats „Verbraucher- und Ernährungspolitik“. Ihr schwebt eine Internetadresse auf der Lebensmittelverpackung vor, unter der sich Verbraucher darüber informieren können, woher die Rohware tatsächlich stammt, wo sie verarbeitet wurde, wie die beworbene Regionalität überhaupt definiert wird, und ob und wie eine unabhängige Stelle diese Angaben überprüft hat. „Der Grundsatz sollte lauten: kein Label ohne Inhalt“, sagt die an der Copenhagen Business School lehrende Professorin für interkulturelle Konsumforschung und Verbraucherpolitik.

Zu mehr Klarheit für die Verbraucher soll auch das von den Beiräten vorgeschlagene Nachhaltigkeitslabel beitragen. Ob ein Lebensmittel gesund ist, es zulasten von Umwelt, Mensch oder Tier produziert wurde, soll damit auf einen Blick deutlich werden. Die Forscher schlagen dazu ein Dachlabel vor, das diese vier Aspekte in einem Raster jeweils einzeln abgestuft bewertet, auf der Verpackung sichtbar zum Beispiel durch Sternchen: Vier Sternchen in der Kategorie „Gesundheit“ stünden dann für ein gesundes Produkt, ein Sternchen in der Kategorie „Umwelt“ für ökologisch eher bedenkliche Lebensmittel. Als Bewertungsgrundlage sollen staatliche oder staatlich gestützte Label dienen.

Allerdings gibt es die bislang längst nicht für jeden Nachhaltigkeitsaspekt. Das Bio-Siegel etwa signalisiert lediglich, dass ein Lebensmittel nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus hergestellt wurde, sagt aber nichts über Folgen der Herstellung für Klima und Artenvielfalt aus. Tierschutzstandards und anerkannte gesundheitsbezogene Kennzeichen fehlen. Ein anerkanntes Label, das Aussagen zu ethisch verantwortlicher Erzeugung und Handel trifft, ist nicht mal in Ansätzen zu erkennen. „Hier besteht noch großer Forschungsbedarf, ehe an eine Kennzeichnung gedacht werden kann“, so Lucia  Reisch.

Eine „Labelstrategie aus einem Guss“ auf nationaler und europäischer Ebene halten die BMELV-Beiräte auch deswegen kurzfristig nicht für umsetzbar. Der Politik empfehlen sie dennoch, dieses Unterfangen nicht aus den Augen zu verlieren: Ein mehrstufiges Dachlabel, das nicht nur die Erfüllung oder Nichterfüllung eines Nachhaltigkeitsaspektes bescheinigt (etwa biologisch vs. konventionell), könne nicht nur den Verbrauchern klarere Orientierung geben. Es könne auch die Produzenten zur ständigen Verbesserung ihrer Produkte antreiben. Heute, heißt es in der Empfehlung, verspürten sie dazu wenig oder keinen Anreiz, sobald sie die Mindestanforderungen eines Labels einmal erreicht haben.

Weiterführende Informationen

Politikstrategie Food Labelling. Gemeinsame Stellungnahme der Wissenschaftlichen Beiräte für Verbraucher- und Ernährungspolitik sowie Agrarpolitik des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, September 2011. [PDF, 455 KB]

Die Beiräte des BMELV. Informationen des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV).

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