14.10.2011
AUS DEM RAT FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG
Rat verabschiedet Deutschen Nachhaltigkeitskodex
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) hat am 13. Oktober den Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) verabschiedet und den neuen Transparenzstandard für unternehmerische Nachhaltigkeitsleistungen zusammen mit einer Empfehlung der Bundesregierung übersandt. Mit dem Kodex wird unternehmerische Nachhaltigkeit messbar und vergleichbar. Erarbeitet hat ihn der Nachhaltigkeitsrat über zwei Jahre im Dialog mit Unternehmen, Investoren, Finanzmarktanalysten, Verbänden und Wissenschaftlern. Der Kodex stellt 20 Anforderungen für nachhaltiges Wirtschaften auf. Kleine und große Unternehmen können anhand dieser Anforderungen ihre Nachhaltigkeitsleistung messen und darstellen, so glaubwürdig über ihr Engagement beim Klima- und Ressourcenschutz oder über die Nachhaltigkeit ihrer Lieferkette berichten. Der RNE erwartet vom Deutschen Nachhaltigkeitskodex einen spürbaren Schub für eine nachhaltige Wirtschaft.
Ziel des neuen Transparenzstandards sei eine „grundlegende Neu-Orientierung in der Wirtschaft auf die nachhaltige Entwicklung“, erklärte Hans Peter Repnik, Vorsitzender des Nachhaltigkeitsrates, anlässlich der Übergabe des Kodex an die Bundesregierung. Seine Stellvertreterin Marlehn Thieme sagte, der DNK ermögliche, dass „Kapital in nachhaltige Geschäftsmodelle fließt“. Der Kodex eröffne deutschen Unternehmen neue Spielräume und fördere Nachhaltigkeitskompetenz.
Der DNK ist für Unternehmen freiwillig. Jedoch empfiehlt der Rat allen Unternehmen seine Anwendung. Dies geschieht über Entsprechungserklärung und deren Veröffentlichung. Unternehmen, heißt es im DNK, könnten ihre Nachhaltigkeitsleistung so „weltweit transparent und zu einem Wettbewerbsvorteil machen“. DNK-Entsprechungserklärungen von Unternehmen wird der RNE künftig auf einer eigenen Plattform dokumentieren.
Die Initiative für den Nachhaltigkeitskodex ging von Investoren und Finanzanalysten aus. Sie wollten unternehmerische Nachhaltigkeitsleistungen in die Sprache der Finanzmärkte übersetzt sehen, um diese besser bewerten zu können.
Georg Schürmann, Geschäftsleiter der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Triodos Bank aus Frankfurt am Main, sieht diesen Anspruch erfüllt: Mit dem DNK werde das Nachhaltigkeitsmanagement von Unternehmen transparenter. Dies unterstütze die nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Ähnlich äußerte sich Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Der Verband repräsentiert rund 1.400 Unternehmen.
Dr. Eric Schweitzer, RNE-Mitglied und Präsident der Industrie- und Handelskammer Berlin, sagte, der Nachhaltigkeitskodex helfe dabei, die Bemühungen der deutschen Wirtschaft für eine nachhaltige Entwicklung „noch stärker zu unterstützen“. Christian Strenger, Aufsichtsratsmitglied bei DWS Investment, Fraport, Evonik und Tui ist überzeugt: „Mit dem DNK ist für Unternehmen aller Rechtsformen ein Instrument geschaffen, dass Transparenz über die Nachhaltigkeit und damit Qualitätsvergleiche erlaubt. Mit den richtigen Rahmenbedingungen wird der Kodex im Kapitalmarkt und bei allen Stakeholdern klar positive Wirkungen zeigen.“
Der Kodex wurde im Sommer einem ersten Praxistest unterzogen. Daran beteiligten sich deutsche Unternehmen mit einem Marktwert von rund 463 Milliarden Euro. Den DNK befanden sie als alltagstauglich. Im Praxistest unterstützt wurden die Unternehmen vom RNE und dem Corporate Governance-Experten Alexander Bassen, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. Bassen war bereits in die Konzeption des Nachhaltigkeitskodex eingebunden. Er sagt, eine einmal erarbeitete DNK-Entsprechungserklärung könne Unternehmen entlasten, weil sie anschließend weniger Einzelanfragen von Investoren oder Analysten bearbeiten müssten. In der Praxisphase im Sommer benötigten die teilnehmenden Unternehmen laut Bassen rund drei Personentage zur Erstellung der Kodexerklärung.
Die Europäische Kommission hat für Mitte Oktober eine Mitteilung zur unternehmerischen Berichterstattung über sogenannte nicht-finanzielle Leistungsindikatoren angekündigt. Dabei handelt es sich im Kern um Messgrößen zur Nachhaltigkeit. Um die Diskussion in der Kommission im Sinne der deutschen Wirtschaft zu beeinflussen, empfiehlt der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung, den Kodex den zuständigen EU-Kommissaren zur Meinungsbildung zuzusenden. Das Beratungsgremium der Bundesregierung wird den DNK weiter kritisch begleiten. Geplant ist unter anderem ein jährlicher Dialog zu seiner Fortentwicklung.
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) misst die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen anhand von 20 grundsätzlichen Kriterien. Dazu zählen zum Beispiel die von den Unternehmen verfolgten Nachhaltigkeitsziele oder das Maß der Integration von Nachhaltigkeit in Unternehmensprozesse. Diese grundsätzlichen Anforderungen werden in je ein bis zwei messbare Leistungsindikatoren übersetzt, sogenannte Key Performance Indicators (KPI). Sie geben Auskunft über die CO2-Emissionen der Unternehmen, über ihre Innovationsfähigkeit oder über die Anteile recycelten Abfalls. Unternehmen können die Erfüllung oder Nicht-Erfüllung der Kodexanforderungen in einer freiwilligen Entsprechungserklärung dokumentieren. Der DNK lehnt sich an internationale Nachhaltigkeitsrichtlinien an, darunter an Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen, an die OECD-Guidelines für multinationale Unternehmen sowie an die Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Global Reporting Initiative. Für die Erstellung der Entsprechenserklärung stellt der RNE auf seiner Webseite ein Template zur Verfügung.
Weiterführende Informationen
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex: Rat für Nachhaltige Entwicklung verabschiedet Standard für Transparenz über die Nachhaltigkeitsleistungen. Pressemitteilung des Rates für nachhaltige Entwicklung, 13.10.2011.
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK). Oktober 2011. [PDF. 160 KB]
Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex. Empfehlung des Rates für Nachhaltige Entwicklung an die Bundesregierung, Oktober 2011. [PDF, 22 KB]
Dialog „Deutscher Nachhaltigkeitskodex“. Informationen des Rates für Nachhaltige Entwicklung.
Rat eröffnet Dialogverfahren „Deutscher Nachhaltigkeitskodex“. Pressemitteilung des Rates für Nachhaltige Entwicklung, 29.11.2010.
Meldungen zum Thema
„Deutscher Nachhaltigkeitskodex strahlt europaweit aus“ – Interview mit Prof. Alexander Bassen, Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. News Nachhaltigkeit, 23.09.2011.
Verbraucher fordern Nachhaltigkeitstransparenz von Unternehmen. News Nachhaltigkeit, 07.09.2011.
Deutscher Nachhaltigkeitskodex startet in Erprobungsphase. News Nachhaltigkeit, 06.06.2011.
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