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"Die Energiewende hat die Kosten für grünen Strom stark gesenkt. Er ist deshalb international wettbewerbsfähig und trägt zur Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele ohne zusätzliche CO2-Emissionen bei."

Alexander Müller, Mitglied des Rates

06.09.2011

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Bank: Deutschland gewinnt mit Nachhaltigkeit Vertrauen der Finanzmärkte

Deutschland kann mit einem international vergleichsweise hohen Nachhaltigkeitsniveau bei Großanlegern punkten. Zu diesem Schluss kommt das Schweizer Traditionsbankhaus Sarasin nach Vergleich der durchschnittlichen Wertentwicklung von Staatsanleihen nachhaltig oder nicht-nachhaltig aufgestellter Industrieländer. Deutschland ist demnach durch den relativ effizienten Umgang mit knappen natürlichen Ressourcen wettbewerbsfähiger als die meisten der 25 untersuchten Länder, gewinnt dadurch Kreditwürdigkeit auf den internationalen Finanzmärkten. Nur Schweden und Norwegen wirtschaften effizienter, verfügen gleichzeitig aber über mehr Ressourcenreichtum. Auch in Sachen Staatsführung und Innovation schneidet Deutschland gut ab. Dass der Ausstieg aus der Atomenergie negativ auf die deutsche Kreditwürdigkeit durchschlägt, glauben die Analysten nicht. Risiken sehen sie in der demografischen Entwicklung.

„Der prognostizierte Bevölkerungsrückgang könnte für den deutschen Staat ein Problem werden“ sagt Sarasin-Experte Balazs Magyar. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes werden in Deutschland im Jahr 2030 nur noch 77 Millionen Einwohner leben, fünf Millionen weniger als 2008. Immer weniger Kinder und Jugendlichen werden immer mehr Älteren gegenüberstehen. Magyar sagt, dadurch stiegen die Staatsausgaben für Renten und Gesundheit, gleichzeitig schrumpfe das Humankapital. „Allerdings stehen durch die geringere Einwohnerdichte pro Kopf mehr Ressourcen zur Verfügung“, so der Wirtschaftswissenschaftler – und das sei angesichts steigender Knappheit eine ökonomische Chance. Dennoch werden nach seiner Einschätzung die Risiken des Wandels die Chancen in den kommenden Jahrzehnten zunächst „deutlich überwiegen“.

In der Sarasin-Analyse zum Einfluss des Nachhaltigkeitsniveaus eines Staates auf die Rendite seiner Staatsanleihen wurden auch die Lebenserwartung und -zufriedenheit, die politische Stabilität oder die Patentdichte als Maß der Innovationsfähigkeit untersucht. Deutschland schneidet in diesen Feldern überdurchschnittlich gut ab. Nach Einschätzung von Studienautor Magyar könnte auch der Ausstieg aus der Atomenergie „langfristig der Kreditwürdigkeit Deutschlands dienen“. Kurzfristig rechnet der Analyst zwar mit höheren Energiepreisen. Dadurch würde Energie langfristig aber vermutlich effizienter eingesetzt, was Kosten senke und den deutschen Klimaschutzzielen zugute käme.

Den Einfluss des Nachhaltigkeitsniveaus eines Landes auf dessen Staatsanleihen misst auch die Hannoveraner Forschungs- und Beratungsgesellschaft imug. Für das Rating werden regelmäßig über 50 ökologische, ökonomische und soziale Indikatoren von 68 Ländern erhoben. „Schlecht schneiden in der Regel die Staaten ab, die ihren Haushalt nicht im Griff haben und gleichzeitig nicht in Nachhaltigkeit investieren“, sagt Silke Riedel, Leiterin Investment Research bei imug. Ein niedriges Nachhaltigkeitsniveau ist ihr zufolge häufig strukturellen Problemen geschuldet, schwachen politischen Nachhaltigkeitszielen etwa oder laxer Korruptionsbekämpfung. Griechenland liegt derzeit auch deswegen im imug-Rating auf den hinteren Rängen. Portugal unter anderem aufgrund des zuletzt gesunkenen Anteils erneuerbarer Energien am Strommix. Bei den erhobenen Öko-Indikatoren schafft das Land gerade 5,7 von 10 möglichen Punkten. Deutschland kommt auf 7,4 Punkte und schneidet laut Riedel „insgesamt relativ gut“ ab.

Laut Riedel und Magyar verlassen sich Großanleger wie Versicherungen oder Pensionsfonds bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Landes zwar zunehmend, aber nicht einzig auf Nachhaltigkeitsratings. Sie zögen immer ökonomische Bewertungen konventioneller Ratingagenturen wie Standard & Poor’s oder Moody’s heran. Die spannende Frage ist, wie sich der Stellenwert des Nachhaltigkeitsniveaus eines Landes bei der Beurteilung seiner Kreditwürdigkeit weiterentwickelt. Infolge der Schuldenkrise stuften die konventionellen Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit vieler Länder zuletzt herunter.

Dieses „Downgrading“, sagt der Finanzwissenschaftler Henry Schäfer, dürfte „selbst in den Anlageentscheidungen nachhaltig orientierter Investoren weit über die Nachhaltigkeitsleistung der Emittenten dominieren“. Der Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Finanzwirtschaft an der Universität Stuttgart beobachtet aber auch, dass vor allem Kirchen, Stiftungen und betriebliche Altersvorsorgeeinrichtungen bei ihren Investments Wert auf Nachhaltigkeitsaspekte legen – und Staatsanleihen ganz oben auf deren Investmentliste stehen. Für manche Anleger aus diesem Kreis, sagt Schäfer, sei es bei der Auswahl ihrer Geldanlage schon „sehr entscheidend, ob es sich um ein nachhaltig führendes Land handelt“. In einer von der Fondsgesellschaft Union Investment beauftragten Umfrage unter Profianlegern fand Schäfer erst im August heraus, dass zwei Drittel der Befragten bereits nachhaltige Investmentkriterien nutzen.

Weiterführende Informationen

Nachhaltigkeitsstudie der Bank Sarasin: Nachhaltige Länder mit höherer Rendite bei Staatsanleihen. Pressemitteilung der Bank Sarasin, 25.07.2011.

Nachhaltige Erfüllung staatlicher Verpflichtungen – Nachhaltigkeit und Performance von Staatsanleihen. Studie der Bank Sarasin, Juli 2011. [Kostenpflichtig, Schutzgebühr 35 Euro, Bestellung über gabriela.pace@sarasin.ch]

Demografischer Wandel in Deutschland. Publikation des Statistischen Bundesamtes, Ausgabe 2011. [PDF, 909 KB]

Informationen zum Nachhaltigkeitsrating von Staatsanleihen der Hannoveraner Forschungs- und Beratungsgesellschaft imug.

imug-Länderprofil von Deutschland, Stand: 2008. [PDF, 157 KB]

Forschungsschwerpunkte und Veröffentlichungen von Prof. Dr. Henry Schäfer. Informationen auf der Website der Universität Stuttgart.

Institutionelle Anleger befürworten nachhaltige Investments. Pressemitteilung Union Investment, 03.08.2011. [PDF, 92 KB]

Meldungen zum Thema

Merkel: Deutschland muss bei Nachhaltigkeit Vorreiter sein. News Nachhaltigkeit, 27.06.2011.

Studie: Deutschland gewinnt Kreditwürdigkeit durch Nachhaltigkeit. News Nachhaltigkeit, 08.04.2010.

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