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"Nachhaltigkeit heißt vor allem, über die momentane Nützlichkeit hinaus langfristig zu denken und entsprechend Zukunftsverantwortung zu übernehmen."

Alois Glück, Mitglied des Rates

15.06.2011

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AUS DEM RAT FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

Nachhaltigkeitssiegel auf Jahreskonferenz: RNE diskutiert über Label-Dschungel

Nachhaltigkeit ist immer öfter entscheidendes Kaufkriterium. Die Nachfrage nach sozial und ökologisch hergestellten Produkten nimmt mit teils zweistelligen Wachstumsraten zu. Dutzende Öko- und Sozialsiegel informieren Verbraucherinnen und Verbraucher inzwischen über die Nachhaltigkeitsqualitäten einer Vielzahl von Produkten. Neben staatlich getragenen und kontrollierten Siegeln wie dem Blauen Engel oder dem Bio-Siegel finden Käuferinnen und Käufer dabei zunehmend Label privatwirtschaftlicher Handelskonzerne oder nichtstaatlicher Organisationen auf den Verpackungen. Selbst gestandenen Siegel-Experten fällt der Durchblick im immer dichter wuchernden Label-Dschungel schwer. Ob die Siegelvielfalt Verbrauchern und der Nachhaltigkeit eher hilft oder schadet, Orientierung schafft oder Verwirrung stiftet, darüber werden Konsumexperten auf der Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 20. Juni in Berlin diskutieren.

Heute weiß oft niemand, auf welcher Grundlage ein Label vergeben wurde. Darauf weist die Verbraucherkommission Baden-Württemberg in einem aktuellen Gutachten für die baden-württembergische Landesregierung hin. Das Expertengremium hat dafür mehr als 400 Label unter die Lupe genommen. In ihrem im Februar vorgelegten Empfehlungspapier kommen die Konsumexperten zu dem Schluss, dass viele Siegel „den Verbraucherinnen und Verbrauchern keine zuverlässige Orientierung bieten, sondern sie gezielt in die Irre führen“. Viele Label, heißt es darin, dienten schlicht dem Marketing der Hersteller, nicht der Information der Verbraucher. Die Kommissionsmitglieder plädieren für strengere Regeln im Wettbewerbsrecht. Ein gesetzlicher Rahmen müsse transparent machen, wofür das jeweilige Label steht und wer es auf Grundlage welcher Kriterien vergibt.

Vorsitzende der Verbraucherkommission Baden-Württemberg ist die Konsumforscherin Lucia Reisch. Die Professorin lehrt zu den Themen Konsumverhalten und Verbraucherpolitik an der Copenhagen Business School sowie an der Zeppelin-University Friedrichshafen und ist Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Sie wird auf der Jahreskonferenz des RNE eines der zwei Diskussionsforen zum Thema „Konsum“ moderieren. Den RNE vertritt auf dem Meinungsplatz „Siegel für nachhaltige Lebensmittel: Wirrwarr oder Wahrheit?“ Heinrich Graf von Bassewitz. Der Landwirt ist Bundesbeauftragter für ökologischen Landbau des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und Mitglied im DBV-Präsidium. Diskutieren wird er mit Stefan Genth vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels und Clemens Neumann vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Die 11. Jahreskonferenz des Rates findet am 20. Juni in der Berliner Veranstaltungsstätte Tempodrom statt und steht unter dem Motto „...und was bedeutet Nachhaltigkeit?“. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesumweltminister Norbert Röttgen werden dort zur Nachhaltigkeitspolitik der Bundesregierung sprechen. Der Vorsitzende des Nachhaltigkeitsrates, Hans-Peter Repnik, wird seine Erwartungen an die Nachhaltigkeitsstrategie und -politik der Bundesregierung formulieren. In sechs parallel stattfindenden Meinungsplätzen tun prominente Köpfe aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft ihre Ansichten zu zentralen Fragen nachhaltiger Entwicklung kund. Konsum, Wirtschaft und Werte, Veränderung, Globales und Politik sind die Oberthemen dieser Meinungsplätze.

Ab 17 Uhr haben Besucher der Konferenz außerdem Gelegenheit, sich mit den Diskutanten und Ratsmitgliedern über deren Vorstellungen zu Nachhaltigkeit und Langfristigkeit persönlich auszutauschen. Zum Ausklang seiner Jahreskonferenz präsentiert der RNE einen Dichterwettkampf, den weltweit ersten „dead or alive Poetry Slam zur Nachhaltigkeit“.

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos. Die Anmeldung ist noch möglich unter www.nachhaltigkeitsrat.de/konferenz.

Weiterführende Informationen

11. Jahreskonferenz des Nachhaltigkeitsrates
20. Juni 2011
Tempodrom Berlin
Möckernstraße 10, 10963 Berlin
8.30 Uhr bis ca. 18.30 Uhr
ab 19.30 Uhr „dead or alive – Poetry Slam zur Nachhaltigkeit“

Vom Labelmissbrauch zu Vertrauenslabeln. Empfehlungspapier der Verbraucherkommission Baden-Württemberg, 18.02.2011. [PDF, 86 KB]

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