04.05.2011
Erneuerbare Energien: Arbeitsmarktexperten sehen glänzende Jobperspektiven
Energie aus Sonne, Wind und Biomasse schafft Arbeitsplätze. 2010 bot die Branche im Anlagenbau und -betrieb, in Forschung und Entwicklung 367.400 Menschen in Deutschland ein Einkommen. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von acht Prozent. Das geht aus vorläufigen Berechnungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und weiterer Institutionen für das Bundesumweltministerium hervor. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien, so die Forscher, habe sich eine „heimische Industrie entwickelt, deren Bedeutung kontinuierlich zunimmt“. Branchenbeobachter und Arbeitsmarktforscher prognostizieren ein weiteres Jobwachstum. Gute Berufsaussichten sehen sie unter anderem für Ingenieure und Spezialisten für Marketing und Vertrieb. Die Anforderungen der Branche an ihre Beschäftigten ändern sich allerdings schnell.
Der Arbeitsmarktforscher Dietmar Edler vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) geht davon aus, dass die „wissensintensiveren Berufe in der Branche weiter Bedeutung gewinnen“ werden. Der Volkswirt hat an der Jobbilanz mitgearbeitet. Impulse für den Arbeitsmarkt erwartet er künftig vor allem aus den Export von Anlagen zur Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen. Als Beispiele nennt Edler Windräder und Produktionsstraßen zur Herstellung von Fotovoltaik-Modulen. Komplette Anlagen würden künftig zwar seltener exportiert. Wohl aber ihre „höherwertigen Kernbestandteile“. Davon könne die deutsche Wirtschaft profitieren. Dank ihrer Vorreiterrolle auf diesen Zukunftsmärkten könne sie nun die voraussichtlich weiter zunehmende Auslandsnachfrage stillen. Dafür, sagt Edler, „brauchen wir aber viele Ingenieure“.
Der Wissenschaftler traut der Branche der erneuerbaren Energien zu, bis 2030 eine halbe Million Menschen in Deutschland zu beschäftigen. Theo Bühler, Geschäftsführer des Wissenschaftsladen Bonn, sagt, der Stellenzuwachs sei bislang „immer unterschätzt“ worden. Der 1984 von Forschern verschiedener Disziplinen gegründete Wissenschaftsladen wertet Stellenangebote der Branche aus und organisiert die größte deutsche Jobmesse zu erneuerbaren Energien. Bühler sieht die Branche weiter auf Wachstumskurs. Ingenieuren, Maschinenbauern oder Technikern böte sie einen sicheren Arbeitsplatz. Ihre Karrierechancen seien derzeit „ausgesprochen gut“. Zumal ab 2017 mehr Ingenieure in den Ruhestand gingen als nachrückten. „Riesiges Beschäftigungspotenzial“ gebe es unter anderem in der Energiegewinnung aus Biomasse. Sie böte Chancen für „klassische“ Berufe aus der Holz- und Forstwirtschaft und für Jobs im ländlichen Raum.
Bühler und Edler erwarten, dass auch die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima sich auf den Arbeitsmarkt in Deutschland auswirkt, da Deutschland seinen Ausbau erneuerbarer Energien nun forcieren will. Axel von Perfall, Geschäftsführer der auf erneuerbare Energien spezialisierten Personalberatung Alingho, berichtet, die Nachfrage nach gut ausgebildeten Experten sei nach Fukushima „leicht, aber spürbar gestiegen“. Gute Jobaussichten eröffnen sich auch nach seiner Einschätzung vor allem Ingenieuren und Maschinenbauern. Spezialisten für Marketing und Vertrieb würden jedoch ebenfalls gesucht, gerade im Segment Fotovoltaik. Dort habe sich der Wettbewerb verschärft, so der Betriebswirt. „Die Unternehmen brauchen Spezialisten, die ihnen neue Absatzkanäle eröffnen“.
Theo Bühler moniert, dass derzeit niemand wisse, welche Anforderungen die Branche in vier oder fünf Jahren an ihre Arbeitnehmer stellen wird. „Wir betrachten immer nur die Arbeitsplatzentwicklung der Vergangenheit.“ Um die Ausbildung an Hochschulen und in Betrieben auf kommende Branchenerfordernisse ausrichten zu können, sei aber Weitblick nötig, so Bühler. Personalberater von Perfall regt Runde Tische für verschiedene Sektoren wie die Windenergie oder die Fotovoltaik an. Unternehmer, Personalberater, Verbände und Regierungsvertreter könnten ihre Einschätzungen zu künftigen Jobprofilen dort zusammenbringen und sich Klarheit verschaffen.
Weiterführende Informationen
Arbeitsplatzentwicklung in Erneuerbaren Energien 2010: Wachstum mit kleinen Dellen. Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, 14.04.2011.
Erneuerbare Energien 2010. Daten des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit zur Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland im Jahr 2010 auf der Grundlage der Angaben der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat). Vorläufige Angaben, Stand 23. März 2011. [PDF, 1,3 MB]
Arbeitsschwerpunkte und Publikationen von Dr. Dietmar Edler. Informationen auf der Website des DIW Berlin.
Website des Wissenschaftsladens Bonn.
Termin: Bundesweite Job- und Bildungsmesse Erneuerbare Energien. 20. bis 21. Mai, Gelsenkirchen. Veranstalter: Wissenschaftsladen Bonn.
Website der Personalberatung Alingho.
Meldungen zum Thema
Bundesregierung: Umwelttechnologien für nachhaltiges Wachstum nutzen. News Nachhaltigkeit, 22.09.2010.
Nur kleine Wachstumsdelle auf Arbeitsmarkt Umweltschutz. News Nachhaltigkeit, 01.09.2010.
Newsletter-Abo
Interesse an unserem Newsletter? Abonnieren Sie hier die ‚News Nachhaltigkeit‘.

