24.03.2011
Aus dem Rat für Nachhaltige Entwicklung
RNE-Dialog „Vision2050“: Auftakt mit Franz Müntefering
85 junge „Visionäre“ aus ganz Deutschland haben am 23. März in Berlin damit begonnen, Antworten auf die Frage zu suchen: „Wie wollen wir im Jahre 2050 leben?“ Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) hatte die von Nachhaltigkeitsexperten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nominierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingeladen, in einem dreitägigen Workshop ihre persönlichen Visionen zur Diskussion zu stellen und eine gemeinsame Vision für eine Gesellschaft der Zukunft zu entwickeln. Zum Auftakt debattierten die in der Mehrzahl weniger als 25 Jahre alten „Visionäre“ mit einem erfahrenen Praktiker, dem früheren Bundesminister und SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. Er engagiert sich aktuell als Bundestagsabgeordneter im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Studierende, Auszubildende, Schüler, Zivildienstleistende und Berufstätige, begegneten Müntefering mit teils großer Skepsis gegenüber der parteiengebundenen Politik in Deutschland. Er habe eine „sehr sehr schlechte Meinung“ von der Politik, betonte ein in Nichtregierungsorganisationen engagierter Teilnehmer. Ein anderer äußerte Zweifel daran, dass sich gegenwärtig verfügbare politische Strukturen und Prozesse noch dazu eigneten, die dramatisch wachsenden Probleme auf der Welt zu lösen. Andere waren optimistischer: „Ich glaube schon, dass wir etwas verändern können“, so ein Teilnehmer. „Sonst wäre ich nicht zu dieser Veranstaltung gekommen.“
Müntefering räumte ein, die parlamentarische Demokratie leide durchaus unter dem Manko, dass viele ihrer Akteure nur in Zeitspannen von Legislaturperioden, „fixiert auf die nächste Wahl“ dächten und dass es für Politiker oft schwierig sei, sich für langfristige Ziele stark zu machen. Er forderte die „Visionäre“ auf, sich von Enttäuschungen nicht entmutigen zu lassen und sich hartnäckig für globale Langfristziele einzusetzen. In Zeiten globaler wirtschaftlicher Verflechtungen, Finanztransfers und leicht zugänglicher Information komme nationalstaatliches Handeln an seine Grenzen, sagte der 71-Jährige: „Ihre Aufgabe wird es sein, Regeln zu entwickeln, nach denen die Welt funktionieren kann.“ Die Herausforderung bestehe darin, „so etwas wie soziale Marktwirtschaft weltweit zu organisieren.“ Gefragt nach seiner Sicht auf die Chancen, mit politischem Engagement wirklich etwas verändern zu können, antwortete der SPD-Bundestagsabgeordnete optimistisch: „Wenn Sie fünf bis acht Prozent der Menschen erreichen, können die der Schneeball sein, der das Ganze in Bewegung bringt.“
Max Schön, Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Präsident der Deutschen Gesellschaft „The Club of Rome" und Aufsichtsratsvorsitzender bei der Desertec Foundation, ermutigte die teils vielfältig gesellschaftlich engagierten „Visionäre“, etablierte Denk- und Handlungspfade zu verlassen und sich dabei nicht beirren zu lassen: „Neue Methoden für die Bewältigung der neuen Aufgaben zu finden“, so Schön, „wird der Schlüssel dazu sein, dass wir zu neuen Arten der Zusammenarbeit kommen und dass wir über Grenzen hinausblicken“. Schön begründete diesen Bedarf am Beispiel der aktuellen Staatsverschuldung Deutschlands: „Wir wissen, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, dennoch machen wir bisher mit den gewohnten Methoden weiter und dies nur noch intensiver.“ Schön räumte ein, dass man auf weltpolitischer Ebene derzeit noch „von Enttäuschung zu Enttäuschung“ schreite, „aber es kommen sehr viele, die etwas von unten ändern wollen“.
Nach einem vierwöchigen, vorbereitenden Online-Dialog arbeiten die 85 drei Tage lang an einer Vision für eine Gesellschaft in Deutschland im Jahr 2050, darunter an Teilthemen wie Ökonomie, Energieversorgung und Bildung. Gegen Ende des Workshops diskutieren sie darüber mit Vertretern aus sieben Bundesministerien und aus dem Bundeskanzleramt, das für die Koordination der deutschen Nachhaltigkeitspolitik zuständig ist. Der Nachhaltigkeitsrat wird die Ergebnisse in die Diskussion um die deutsche Nachhaltigkeitspolitik einfließen lassen.
Weiterführende Informationen
Dialoge_Zukunft_Vision2050. Informationen zum Projekt, Stand: 11.02.2011. [PDF, 57 KB]
Visionen 2050. Dialoge Zukunft Made in Germany. Rat für Nachhaltige Entwicklung, texte Nr. 35, Januar 2011. [PDF, 10,4 MB]
Bestellmöglichkeit Printversion.
„Dialoge_Zukunft_Vision2050“. Informationen auf der Website des Rates für Nachhaltige Entwicklung.
Fotos vom Workshop Dialoge_Zukunft_Vision2050, 23.-25.03.2011.
Meldungen zum Thema
Visionen 2050: RNE eröffnet Zukunftsdialog mit Entscheidern von morgen. News Nachhaltigkeit, 24.02.2011.
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