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"Nachhaltigkeit als Leitidee im Handeln braucht bessere Bildung als Basis, dazu mehr Aktionspartnerschaften und Praxisbeispiele, lokal, regional und international."

Walter Hirche, Mitglied des Rates

08.02.2011

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Aus dem Rat für Nachhaltige Entwicklung

Deutscher Nachhaltigkeitskodex: Verlängerung der Dialogphase

Taugt der vom Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) vorgeschlagene Entwurf zu einem Deutschen Nachhaltigkeitskodex, um mehr Unternehmen für nachhaltiges Wirtschaften zu gewinnen? Wo geht der Kodexentwurf dazu nicht weit genug, wo zu weit? Unternehmenschefs, Finanzmarktexperten, Vertreterinnen und Vertreter deutscher Unternehmen, Wirtschaftsverbände, Einzelpersonen und NGOs haben dem Nachhaltigkeitsrat ihre Einschätzungen zum ersten Entwurf eines Nachhaltigkeitskodex mitgeteilt. Der Rat hatte alle Interessierten dazu Ende November mit der Eröffnung des Dialogverfahrens „Deutscher Nachhaltigkeitskodex“ aufgerufen. Der vielfach vorgetragenen Bitte um Verlängerung der Frist für die Einreichung der Kommentare entspricht der Nachhaltigkeitsrat. Eingaben zum Kodexentwurf können nunmehr noch bis zum 25. Februar gemacht werden.

Mit seinem Vorstoß will der RNE die Entwicklung eines wirkungsvollen Instruments zur Bewertung und zum Vergleich der Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen in die Wege leiten. Außerdem soll der Kodex Orientierung für nachhaltiges Wirtschaften geben. In 22 Eckpunkten werden soziale, ökologische und strategische Anforderungen an börsennotierte Unternehmen abgebildet.

Unterstützung signalisiert zum Beispiel Jochen Zeitz, Vorstandsvorsitzender des Sportartikelherstellers PUMA AG und Chief Sustainability Officer des französischen Puma-Eigentümers PPR. Der Kodexentwurf, so Zeitz, mache unternehmerische Nachhaltigkeit sichtbar, verständlich, mess- und bewertbar. Das sei ein „Schritt in die richtige Richtung“, denn bislang fehlten einheitliche und verbindliche Standards für die Bewertung unternehmerischer Nachhaltigkeitsleistung. Auch die Führungsspitze des Handels- und Touristikkonzerns REWE Group, vertreten durch den Vorstandsvorsitzenden Alain Caparros und Vorstandsmitglied Manfred Esser, begrüßen den angestoßenen Dialog. Der Kodexentwurf, schreiben sie, greife die „wichtigen Themen der unternehmerischen Nachhaltigkeit“ auf und biete Einsteigern in die Nachhaltigkeitsberichterstattung „hilfreiche Hinweise“. Sie könnten sich so mit den Nachhaltigkeitsherausforderungen im eigenen Geschäft auseinandersetzen und „langfristig einen strategischen Ansatz wählen“.  Klärungsbedarf sehen Caparros und Esser unter anderem bei der Frage, wie der Kodex über Deutschland hinaus wirksam werden kann.

Deutliche Zustimmung äußert auch die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management DVFA. Mit dem vorgeschlagenen Kodex, heißt es in der Stellungnahme des Berufsverbands der deutschen Investment-Profis, sei man „vollumfänglich einverstanden“. Er habe „viele positive Merkmale“ und werde den Bedürfnissen und Anforderungen von Investoren gerecht, ohne zu umfangreich zu sein. Begrüßt wird der Vorstoß des Rates auch von Robert Haßler, Chef der auf nachhaltige Investments spezialisierten Rating-Agentur oekom research AG aus München. Die Vorstellung, dass börsennotierte Unternehmen jährlich Stellung zu ihrer Nachhaltigkeitsleistung beziehen müssen, findet er „durchaus attraktiv“. Mit der Verankerung des Kodex im deutschen Aktiengesetz hätten zudem „notorische Zweifler“ weniger Möglichkeiten gegen die notwendige Integration von Nachhaltigkeitskriterien ins Management zu argumentieren. Haßler glaubt allerdings nicht, dass die vom Rat vorgeschlagene Überprüfung der unternehmerischen Nachhaltigkeit mit regelmäßig erhobenen Schlüsselindikatoren ein detailliertes Nachhaltigkeitsrating ersetzen kann.

Keine zusätzlichen Impulse für mehr Nachhaltigkeit in und durch Unternehmen erwartet dagegen die Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE) von dem Kodexentwurf. AVE-Geschäftsführer Stefan Wengler kritisiert dessen „durchgängig als Soll-Vorschriften“ formulierten Anforderungen. Auch ginge der Kodexentwurf nicht über das hinaus, wozu sich die „meisten börsennotierten Unternehmen ohnehin schon bekennen“. Klarere Formulierungen mahnt das auf Nachhaltigkeitssoftware und -beratung spezialisierte mittelständische Unternehmen PE International aus Leinfelden-Echterdingen an. Der Kodex, heißt es in dessen Stellungnahme, sollte nicht nur die Einführung von Nachhaltigkeitszielen fordern, sondern auch deren Erreichen.

Eine Übersicht über alle dem RNE bisher zugeleiteten Stellungnahmen steht auf der Projektseite zum Dialogverfahren „Deutscher Nachhaltigkeitskodex“ zur Verfügung. Konstruktiv diskutiert wird der Kodexentwurf auch im Web: Auf utopia.de beispielsweise, der Internetplattform für strategischen Konsum, wie auch auf der Online-Kontaktplattform XING. Zusätzliche Impulse für die Weiterentwicklung des Kodexentwurfs wurden dem Rat von im Deutschen Aktienindex DAX sowie MDAX gelisteten Unternehmen und weiteren Verbänden angekündigt, von denen sich manche auch kritisch zu dem Vorschlag der aktienrechtlichen Umsetzung äußern wollen. Unternehmerinnen, Vertreter des Finanzmarktes und Nachhaltigkeitsinteressierte können sich bis 25.02.2011 per E-Mail unter dialog-dnk@nachhaltigkeitsrat.de in die Debatte einbringen. Eingesandte Stellungnahmen werden auf der Webseite des Nachhaltigkeitsrates veröffentlicht. Ein Dialog-Workshop ist für den 18.03.2011 in Berlin geplant, bei dem es um das Feedback zu den Kommentaren gehen soll. 

Weiterführende Informationen

Auf dem Weg zu einem Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Diskussionspapier des Rates für Nachhaltige Entwicklung, Dezember 2010. [PDF, 171 KB]

Dialog „Deutscher Nachhaltigkeitskodex“. Projektwebseite „Deutscher Nachhaltigkeitskodex“ auf der Website des Rates für Nachhaltige Entwicklung.

Dialogbeitrag von Jochen Zeitz, Vorstandsvorsitzender des Sportartikelherstellers PUMA AG, Chief Sustainability Officer PPR, 04.02.2011.

Dialogbeitrag der REWE GROUP, vertreten durch Alain Caparros und Manfred Esser, 04.02.2011.  [PDF, 79 KB]

Dialogbeitrag der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management DVFA, 20.01.2011. [PDF, 1,2 MB]

Dialogbeitrag von Robert Haßler, oekom research AG, 02.02.2011. [PDF, 102 KB]

Dialogbeitrag von Stefan Wengler, Geschäftsführer der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels, 27.01.2011. [PDF, 8 KB]

Dialogbeitrag von PE International, ohne Datum. [PDF, 74 KB]

Der deutsche Nachhaltigkeitskodex. Artikelserie und Kommentare zum Entwurf des Deutschen Nachhaltigkeitskodex auf utopia.de.

Sollen Unternehmen zu Corporate Citizenship verpflichtet werden? Diskussionsbeiträge zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex auf der Online-Kontaktplattform XING.

Deutscher Kodex für Nachhaltigkeit: Plädoyer für einen verbindlichen Rahmen zur Nachhaltigkeitsbewertung an den Finanzmärkten. Beitrag von Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung, im Handelsblatt Business Briefing Nachhaltige Investments, 10.12.2010. [PDF, 84 KB]

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