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"Nachhaltigkeit als Leitidee im Handeln braucht bessere Bildung als Basis, dazu mehr Aktionspartnerschaften und Praxisbeispiele, lokal, regional und international."

Walter Hirche, Mitglied des Rates

11.01.2011

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Artenschutz: UN setzen Biodiversitätsrat ein und rufen Weltdekade aus

Nach dem Vorbild des Weltklimarates IPCC haben die Vereinten Nationen eine neue Expertengruppe zur Erforschung des  Artenschwundes eingesetzt. Eine entsprechende Resolution verabschiedete die UN-Vollversammlung am 20. Dezember in New York. Die Intergovernmental Science Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) soll dem Artensterben und den damit verbundenen Risiken für Mensch und Natur zu mehr öffentlicher Aufmerksamkeit verhelfen und eine Brücke zwischen Wissenschaft und Politik schlagen. Mit der Schaffung dieser Forschungsplattform für Biodiversität und Ökosysteme beendete die Generalversammlung das „Internationale Jahr der biologischen Vielfalt“ 2010. Gleichzeitig erklärten die Vereinten Nationen die Jahre 2011 bis 2020 zur „UN-Dekade der Biodiversität“.

Achim Steiner, Chef des UN-Umweltprogramms UNEP, lobte die Einsetzung des Weltbiodiversitätsrates als „Durchbruch bei der Organisation einer weltweiten Antwort“ auf das Artensterben. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind derzeit weltweit 17.000 Pflanzen- und Tierarten vom Aussterben bedroht – Tendenz steigend. In Deutschland gelten laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) mehr als ein Drittel aller untersuchten Wirbeltierarten als vom Aussterben bedroht. Von den Farn- und Blütenpflanzen seien mehr als ein Viertel in ihrem Bestand gefährdet. Als Hauptgründe für das Artensterben nennen die Vereinten Nationen den menschlichen Konsum, Verluste natürlicher Lebensräume, Umweltverschmutzungen und den Klimawandel. Die mit dem Artensterben einhergehenden wirtschaftlichen Verluste durch Entwaldung und Naturzerstörungen veranschlagen die UN auf bis zu 4,5 Milliarden US-Dollar im Jahr.

Das neue Wissenschaftlergremium IPBES soll Regierungen mit verlässlichen und unabhängigen Informationen über Zustand und Trends bei der biologischen Vielfalt versorgen und Politikern Lösungswege für den Erhalt von Ökosystemleistungen zeigen. Laut UNEP gibt es zwar viele gute Studien zum Biodiversitätsverlust. Es dauere aber zu lange, bis deren Erkenntnisse in politische Entscheidungen mündeten. Das Gremium soll außerdem Schwellen- und Entwicklungsländer beim Aufbau eigener Kapazitäten zum Artenschutz unterstützen, finanziell und durch Förderung von Wissenschaftlern. Die Einrichtung der Forschungsplattform war im Juni 2010 von der internationalen Gemeinschaft auf einer Konferenz im südkoreanischen Busan beschlossen worden. Nach Einschätzung des Bundesumweltministeriums hat die Staatengemeinschaft damit klar signalisiert, das Artensterben „künftig noch entschiedener und engagierter zu bekämpfen“. Über den Sitz des Gremiums und seine Zusammensetzung soll dieses Jahr entschieden werden.

Während ihrer Generalversammlung Ende Dezember erklärten die Vereinten Nationen zudem die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade der Biodiversität. Dies geht auf eine Initiative der japanischen Regierung zurück, die die UN während der 10. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt im Oktober 2010 im japanischen Nagoya aufgegriffen haben. Die Weltdekade soll dazu dienen, den in Nagoya verabschiedeten „Strategischen Plan“ zum Artenschutz in die Praxis zu bringen. Dieser Plan sieht unter anderem eine Ausweitung der weltweiten Naturschutzgebiete vor. Für Beate Jessel,  Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, bekräftigten die UN damit nicht nur die ökologische Bedeutung der biologischen Vielfalt, sondern auch deren „vielfältigen sozialen, ökonomischen, kulturellen, rekreativen und ästhetischen Werte“. Ende Oktober hatten sich weitere deutsche Artenschutzexperten zustimmend zu dem Dekade-Vorhaben geäußert.

Weiterführende Informationen

General Assembly adopts Landmark Texts on protecting coral reefs, mitigating ill effects of chemical munitions dumped at sea. Resolution der Generalversammlung der Vereinten Nationen, 20.12.2010.

Biodiversity year ends on high hote as UN General Assembly backs resolution for an 'IPCC-for Nature. Pressemitteilung UNEP, 23.12.2010.

Intergovernmental Science Platform on Biodiversity and Ecosystem Services. Offizielle Website des Weltbiodiversitätsrates.

Biodiversity loss is bankrupting the natural economy – Ban. Meldung der Vereinten Nationen, 22.09.2010.

Die biologische Vielfalt in Deutschland. Informationen des Bundesamtes für Naturschutz, ohne Datum.

Einrichtung eines Wissenschaftlergremiums für Biodiversität beschlossen. Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums, 14.06.2010.

United Nations Decade On Biodiversity 2011-2020. Decision as adopted (Advance unedited version). Beschluss der 10. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt zur Umsetzung einer UN-Dekade zur Biodiversität, 02.11.2010. [DOC, 33 KB]

UN beschließen Dekade der biologischen Vielfalt. Pressemitteilung des Bundesamtes für Naturschutz, 21.12.2010.

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