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"Die Weltgemeinschaft ist seit 1992 der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet – jedes einzelne Land für sich, aber auch gemeinsam, müssen wir dieses Versprechen umsetzen."

Dr. Ursula Eid, Mitglied des Rates

21.10.2010

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Weltnaturschutzkonferenz: Artenschützer fordern mehr Einsatz für Trendwende

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der internationalen Weltnaturschutzkonferenz nehmen vom 18. bis zum 29. Oktober im japanischen Nagoya einen neuen Anlauf zum Schutz der biologischen Vielfalt. Auf der Konferenz-Agenda stehen unter anderem die Entwicklung einer Artenschutzvision für das Jahr 2050 und die Verabschiedung eines „Strategischen Plans“ mit Artenschutzzielen für das Jahr 2020. Mit ihm soll der Stillstand bei den weltweiten Bemühungen um den Erhalt der biologischen Vielfalt überwunden werden. Flankieren möchte die japanische Regierung dieses Streben mit einer „UN-Dekade zur Biodiversität“. Dafür hat sie sich Ende September während einer Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zur biologischen Vielfalt starkgemacht. Deutsche Artenschutz-Experten trauen dem japanischen Vorstoß zu, mehr politische und öffentliche Aufmerksamkeit für den Artenschutz zu schaffen. Eine echte Trendwende erfordere aber mehr.

Günter Mitlacher, Abteilungsleiter „Biologische Vielfalt“ bei der Umweltstiftung WWF Deutschland, unterstützt die Idee zu einer UN-Dekade für Biodiversität: „Sie könnte Politik und Gesellschaft die Notwendigkeit des Artenschutzes näher bringen“. In diesem Sinne, sagt Mitlacher, wirke schon das aktuelle, von der UN-Generalversammlung angestoßene „Internationale Jahr der biologischen Vielfalt“. Das Biodiversitätsjahr habe dem Thema Artenschutz im In- und Ausland nicht nur mehr Öffentlichkeit beschert, der sich in „politischen Druck ummünzen“ lasse. Aus Mitlachers Sicht hat es auch  zu mehr Engagement der Politik für den Artenschutz geführt.

Dass das Biodiversitätsjahr den Belangen des Artenschutzes mehr Aufmerksamkeit beschert hat, glaubt auch Carsten Neßhöver. Der Naturschutzforscher am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) koordiniert das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung, eine Servicestelle für Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Eine UN-Dekade, wie Japan sie anstrebe, „könnte helfen, den Schwung des ‚Internationalen Jahres’ zu halten“, sagt der Wissenschaftler. Noch sei aber unklar, worauf genau die Dekade eigentlich abziele. Neßhöver hofft auf eine „Aktions-Dekade“, zur tatkräftigen Umsetzung der international vereinbarten Artenschutzziele.

Bislang liefen die Bemühungen der Staatengemeinschaft zum Schutz der biologischen Vielfalt größtenteils ins Leere. Die Rote Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN führt derzeit über 17.000 Arten als vom Aussterben bedroht. Das entspricht mehr als einem Drittel aller bekannten Arten. Aufgrund der alarmierenden Verlustraten vereinbarten die Staats- und Regierungschefs der Welt bereits 2002 das Ziel, den globalen Artenschwund bis 2010 entscheidend zu verlangsamen – was ihnen nicht gelungen ist. Anfang Oktober bestätigte auch die Europäische Kommission, dass die 27 EU-Mitgliedsstaaten dieses Ziel verfehlt haben. Die EU, sagte Umweltkommissar Janez Potočnik bei der Vorstellung der europäischen Artenschutzbilanz, habe es allerdings „geschafft, die biologische Vielfalt ganz oben auf die politische Tagesordnung zu setzen“.

Eine Trendwende braucht nach Ansicht des WWF-Experten Mitlacher aber mehr Verbindliches. Mitlacher fordert eine „solide Strategie zur Mobilisierung von Finanzmitteln“, mehr Natur- und Meeresschutzgebiete und die Abschaffung naturzerstörender Subventionen. Auch müssten die Regierungen der Welt Wege finden, den fortschreitenden Verlust an „Naturkapital“ bis 2020 zu monetarisieren und in die nationalen Haushaltspläne zu integrieren. Das fordert auch UFZ-Forscher Neßhöver. „Die wahren Werte des Verlustes der biologischen Vielfalt“, sagt er, „müssen sich in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechung widerspiegeln“. Die ökonomischen Folgen ökologischen Raubbaus würden dadurch deutlicher. Neßhöver sieht dabei auch die Unternehmen in der Pflicht. Sie müssten Verluste an Naturkapital in ihre Umweltbilanzen einbeziehen und festgestellte Schäden an anderer Stelle ebenbürtig ausgleichen. „Netto“, sagt der Forscher, „darf künftig kein Verlust mehr entstehen“.