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"Nachhaltiges Konsumverhalten wird solange Sache einer engagierten Minderheit bleiben, wie Anreize falsch gesetzt sind und Strukturen es nicht unterstützen."

Prof. Dr. Lucia A. Reisch, Mitglied des Rates

13.10.2010

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Aus dem Rat für Nachhaltige Entwicklung

UN-Sonderbeauftragter fordert globale Chancengleichheit

Die reichen Industrieländer müssen ihre Wirtschaft so umbauen, dass ihr  Ressourcenverbrauch begrenzt wird und ihr Konsumverhalten nicht länger auf Kosten zukünftiger Generationen und der Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern geht. Diese Meinung vertrat Olivier de Schutter, Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für das Recht auf Ernährung, in seiner Rede während der 10. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung in Berlin. De Schutter warb vor den rund 1.000 Teilnehmern der größten deutschen Nachhaltigkeitskonferenz für eine Umverteilungspolitik hin zu mehr nationaler und globaler sozialer Gerechtigkeit und für eine Neuorganisation der internationalen Handels-, Wirtschaft- und Klimapolitik. Deren heutige Ausrichtung sei nicht geeignet, die Welt nachhaltiger zu machen.

Ein „grüneres“ Wirtschaftswachstum, so de Schutter, sei zwar für mehr Nachhaltigkeit ebenso bedeutsam wie die Entwicklung sauberer Technologien und nachhaltiger Lebensstile in den reichen Ländern. Dies reiche aber bei Weitem nicht aus. Er rief dazu auf, „dem Streben nach Mehr, das nie aufhört, egal, wie viel wir schon haben“, entgegenzuwirken. Nach Berechnungen des UN-Sonderbeauftragten müsste die Weltwirtschaft bis zur Jahrhundertmitte gemessen an ihrem heutigen Ausstoß um den Faktor 75 wachsen, um den dann voraussichtlich neun Milliarden Menschen ein Leben auf westlichem Konsumniveau zu gestatten. Ein solches Wachstum sei jedoch „unvereinbar mit sinkenden Klimagasemissionen“ und den begrenzten natürlichen Ressourcen der Erde, so de Schutter. Nach seiner Ansicht müssen die reichen Länder zum Erhalt des Planeten mehr tun als ihr Wirtschaftswachstum zu entschleunigen. Der UN-Spitzenvertreter umschrieb dies mit dem Begriff „Kontraktion“.

Dass die Menschen in den reichen Nationen dadurch Lebensqualität einbüßen, glaubt de Schutter nicht. Es sei lange erwiesen, dass steigende Pro-Kopf-Einkommen die Zufriedenheit der Menschen nur bis zu einem gewissen Punkt erhöhten – und diesen Punkt hätten die industrialisierten Länder in den 1970-er Jahren hinter sich gelassen. „In einem reichen Land steigt die Zufriedenheit der Menschen nicht, wenn sie noch reicher werden“, so der UN-Sonderbeauftragte, „sondern wenn die Einkommen der Armen sich denen der Reichen annähern.“ Auf diesen Umstand müsse die Politik in den Industrienationen mit einer möglichst gerechten nationalen Wohlstandsverteilung reagieren. Das sei aus Gründen des sozialen Zusammenhalts nötig, trage aber auch zur Minderung des Ressourcenverbrauchs bei: „Je gleicher eine Gesellschaft ist“, so de Schutter, „desto weniger suchen einzelne Menschen ihren sozialen Status über Konsumprodukte zu erhöhen“. 

Eine solche Annäherung der Lebensstandards innerhalb der reichen Länder muss nach seiner Ansicht ihre weltweite Entsprechung in einer gerechteren Wohlstandsverteilung zwischen reichen und armen Nationen finden. Schwellen- und Entwicklungsländer hätten ein Recht auf Entwicklung, sagte de Schutter. Um es umzusetzen, seien sie auf eine schlüssigere und gerechtere internationale Handels-, Wirtschafts- und Klimapolitik angewiesen. Er kritisierte unter anderem, dass das Kyoto-Protokoll den reichen Ländern heute nur die CO2-Emissionen zuschlägt, die sie in ihren eigenen Grenzen verursachen. Klimagase, die bei der Herstellung von für sie bestimmte Importgüter außerhalb ihrer Grenzen anfielen, klammere es hingegen aus – was die Klimabilanzen der reichen Staaten massiv entlaste.

Weiterführende Informationen

Sustainable Development and Human Rights. Rede des UN-Sonderbeauftragten für das Recht auf Nahrung, Olivier de Schutter, auf der 10. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung, 27. September, Berlin. [PDF, 200 KB]

Website des UN-Sonderbeauftragten für das Recht auf Nahrung.

UN-Spitzenvertreter Achim Steiner und Olivier de Schutter empfehlen Deutschland Langfrist-Zielsetzung zur Nachhaltigkeit. Pressemitteilung des Rates für Nachhaltige Entwicklung, 27.09.2010.

Die Uhr neu stellen: 2050. Informationen zur 10. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung.

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