19.07.2010
Unternehmen noch nicht bereit für dritte Emissionshandelsperiode
Deutsche Unternehmen bereiten sich nicht ausreichend auf die für 2013 geplante Verknappung von Emissionsrechten im Emissionshandel in der Europäischen Union vor. Das besagt die Anfang Juli veröffentlichte Studie „CO2 Barometer“ der KfW Bankengruppe und des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Besonders Energiekonzerne haben demnach mit Mehrkosten zu rechnen, da sie ab 2013 sämtliche Zertifikate ersteigern müssen.
Laut der Umfrage unter 121 deutschen Unternehmen befassen sich emissionshandelspflichtige Unternehmen kaum mit solchen „Kosten und Risiken“. Fast zwei Drittel von ihnen wissen nicht, „wie viel Geld sie künftig für die Ersteigerung von Zertifikaten ausgeben müssen“. Nur 57 Prozent planen in den kommenden zwei Jahren Maßnahmen zur CO2-Reduktion und lediglich die Hälfte hat sich schon am Handel mit Emissionsrechten beteiligt. Bisher waren Unternehmen mit genügen Gratis-Zertifikaten ausgestattet.
Angesichts der Änderungen ab 2013 sollten „Unternehmensstrategien an die sich ändernden Rahmenbedingungen angepasst werden“, rät der ZEW-Experte Andreas Löschel. Dazu gehöre beispielsweise das sogenannte „Carbon Management“, um den eigenen Verschmutzergrad festzustellen. Allerdings fällt es den Unternehmen schwer, künftige Kosten für Emissionshandel in ihre Planungen einzubeziehen, weil bisher noch keine klaren, von der Politik gesetzten Langfrist-Rahmenbedingungen erkennbar sind.
Bisher waren deutsche Unternehmen ausreichend mit Emissionszertifikaten ausgestattet, da sie in der ersten und zweiten Phase des Emissionshandels hauptsächlich gratis verteilt wurden. Um einen größeren Anreiz zur Reduktion des CO2-Ausstoßes von Betrieben zu schaffen, senkt die Europäische Kommission in der dritten Handelsphase ab 2013 die EU-weite Obergrenze für CO2-Emissionen. Damit werden weniger Emissionszertifikate zur Verfügung stehen. Zudem wird auch die Zahl der Gratis-Zertifikate gesenkt. Wer zusätzliche Emissionsrechte braucht, muss sie dann ersteigern, wobei angesichts der Angebotsverknappung mit steigenden Preisen zu rechnen ist. Alternativ können die Firmen durch Investitionen in klimafreundliche Technologien ihren CO2-Ausstoß senken. Wenn ihnen dadurch ein Überschuss an Emissionszertifikaten entsteht, können sie diese verkaufen.
Den Energieversorgern sagen Experten eine besonders schwierige Umstellung voraus: Sie müssen ab 2013 ihren gesamten Bedarf an Emissionsrechten ersteigern. „Es drohen Ausgaben in Milliardenhöhe“, so Thomas Deser, Fondsmanager bei der Fondsgesellschaft Union Investment in einem Bericht des Handelsblatts. E.on zum Beispiel müsse dann 1,5 Milliarden Euro pro Jahr investieren, um seinen derzeitigen Bedarf an Zertifikaten zu decken. Ulf Gehrckens, Chef des Energiebereichs des Kupferproduzenten Aurubis rechnet mit erheblichen Auswirkungen solcher Ausgaben auf die Industrie: Es sei „absehbar, dass der Emissionshandel die Energiekosten ab 2013 um rund 45 Prozent erhöhen wird“, so Gehrckens im Hamburger Abendblatt. Trotzdem stehe Aurubis einem weltweiten Emissionshandel grundsätzlich positiv gegenüber, erklärte Bernd Drouven, Vorstandsvorsitzender der Aurubis AG. Dieser müsse jedoch weltweit funktionieren, um Verzerrungen im internationalen Wettbewerb zu vermeiden.
Trotz großer Vorbehalte vieler europäischer Unternehmen gegenüber solchen Veränderungen wächst in Teilen europäischer Regierungen offenbar die Entschlossenheit, den CO2-Ausstoß erheblich zu senken. Mitte Juli haben sich der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen, der britische Energieminister Chris Huhne und der französische Energieminister Jean-Louis Borloo in einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung dafür ausgesprochen, die CO2-Emissionen der EU bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent, statt wie bisher vereinbart, um 20 Prozent zu senken. Das 20-Prozent-Ziel erscheine „aus heutiger Sicht unzureichend, um die Wende zu einer Niedrigemissionswirtschaft herbeizuführen“, schreiben die Minister.
Weiterführende Informationen
KfW/ZEW CO2-Barometer: Deutsche Unternehmen nicht ausreichend für EU-Emissionshandel gewappnet
Die fetten Jahre sind vorbei
Handelsblatt, 06.05.2010
Hamburgs Industrie befürchtet Kostenexplosion
Hamburger Abendblatt, 17.05.2010
„30 Prozent weniger Emissionen bis 2020“
Gastbeitrag von Norbert Röttgen, Chris Huhne und Jean-Louis Borloo in der FAZ, 15.07.2010
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