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"Neue Technologien sind wichtig für eine nachhaltige Entwicklung. Andere Lebensstile auch."

Prof. Dr. Angelika Zahrnt, Mitglied des Rates

05.07.2010

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Unternehmen für ökologische Beschaffung der öffentlichen Hand

Drei von vier deutschen Unternehmen befürworten eine an ökologischen Kriterien ausgerichtete öffentliche Beschaffung von Waren und Dienstleistungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Befragung von Unternehmen durch den Deutschen Industrie- und Handelskammertag, DIHK, Berlin. Bislang allerdings, so die überwiegende Einschätzung von Teilnehmern einer DIHK-Fachkonferenz Mitte Juni,  ist die Nachfrage deutscher Behörden beispielsweise nach energiesparenden Lampen und Computern noch gering. Dabei wurden die öffentlichen Beschaffungsvorschriften schon vor mehr als einem Jahr für Öko-Kriterien geöffnet. Nach Beobachtung einer DIHK-Expertin wissen viele Einkäufer der öffentlichen Hand erst wenig mit diesen Vergabekriterien anzufangen.

„In vielen Vergabestellen ist die Reform noch nicht angekommen“, sagt Annette Karstedt-Meierrieks, Referatsleiterin für Öffentliches Auftragswesen beim DIHK. Sachbearbeiter, die in Bundesministerien oder -Ämtern für den Einkauf verantwortlich seien, wüssten oft nicht, wie sie Umweltaspekte in Ausschreibungen berücksichtigen könnten, erklärt die Juristin. Ihnen fehle häufig der Überblick über ökologische Alternativen auf dem Markt. Auch mangele es an betriebswirtschaftlichem Wissen zur Berechnung der Lebenszykluskosten eines Produktes. Dies aber sei zentrale Voraussetzung für nachhaltigere Einkaufsentscheidungen. Auf seiner Fachkonferenz Mitte Juni hat der DIHK über solche Veränderungsmöglichkeiten mit öffentlichen Auftraggebern und mit Unternehmen diskutiert.

Deutlich geworden, so Karstedt-Meierrieks, sei dabei der Bedarf nach mehr Schulungen und Informationen für die Einkäufer der öffentlichen Hand. „Sinnvoll wäre aus unserer Sicht auch die Bündelung des Einkaufs-Know-how des Staates“, sagt sie. Von nachhaltigerer Beschaffung profitiere nicht nur der Staat durch sinkende Betriebskosten, sondern auch die Wirtschaft. Je stärker die Regierung durch ihre Nachfrage Nachhaltigkeitsinnovationen von Unternehmen einfordere, desto eher käme die Wirtschaft dem mit Öko-Innovationen nach, so Karstedt-Meierrieks. Mit solchen Innovationen stärkten Unternehmen ihre Wettbewerbschancen in Zukunftsmärkten.

„Nachhaltigkeit ist eine Chance für die deutsche Wirtschaft“, sagt auch Marlehn Thieme. Das Mitglied des Anfang Juni von Bundeskanzlerin Merkel neu berufenen Rates für Nachhaltige Entwicklung hielt auf der DIHK-Fachkonferenz den Eröffnungsvortrag. „Viele Unternehmen“, so die Direktorin der Deutschen Bank, „haben die wirtschaftlichen Chancen von einer Orientierung an Nachhaltigkeit bereits erkannt“. Nur: Das Umdenken der Unternehmer finde bislang „nicht in ausreichendem Maße Eingang in das Handeln der staatlichen Beschaffung“.

Die Bundesregierung, so Thieme, bleibe dadurch nicht nur auf höheren Kosten sitzen. Wenn sie Nachhaltigkeitsinnovationen von Unternehmen nicht durch die Nachfrage der öffentlichen Hand fördere, dann riskiere sie „dass nachhaltig angelegte Angebote das Nachsehen haben und diese nicht als gutes Beispiel ins Schaufenster für den Export gestellt werden können“. Über ausreichende Möglichkeiten für eine stärkere Förderung von Nachhaltigkeitsinnovationen verfügt der Bund nach Ansicht des Ratsmitglieds dank seines jährlichen Einkaufsbudgets von 250 Milliarden Euro. Diese Milliarden stärker nachhaltigkeitsorientiert auszugeben, so Thieme, sei „konkrete Wirtschaftsförderung ohne komplizierte Subventionspolitik“.

Weiterführende Informationen

DIHK: Öffentliche Ausschreibungen stärker an Ökologie ausrichten. Pressemitteilung des DIHK, 16.06.2010. 

Glaubwürdig, wirtschaftlich, zukunftsfähig. Eine moderne Beschaffungspolitik muss nachhaltig sein. Eröffnungsvortrag von Marlehn Thieme bei der Fachkonferenz des DIHK „Grüne Beschaffung“, Berlin, 16.06.2010. Verlinkung folgt!

Umfassende Nachhaltigkeitsreform in der öffentlichen Beschaffung gefordert. Pressemitteilung des Rates für Nachhaltige Entwicklung, 21.05.2008.

Glaubwürdig – wirtschaftlich – zukunftsfähig: Eine moderne Beschaffungspolitik muss nachhaltig sein. Empfehlungen des Rates für Nachhaltige Entwicklung an die Bundesregierung, August 2008. [PDF, 437 KB] 

Meldungen zum Thema

Hessen will Flächen schützen und nachhaltiger einkaufen. News Nachhaltigkeit, 26.05.2010.

Landesregierung Nordrhein-Westfalens will „grüner“ einkaufen. News Nachhaltigkeit,  29.04.2010.

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