17.03.2010
Chemischer „Fingerabdruck“ gegen illegalen Handel mit Rohstoff Coltan
Wissenschaftlern der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover ist ein lückenloser Herkunftsnachweis für den Handel mit dem weltweit gefragten Tantalerz Coltan gelungen. Das Metall steckt in elektronischen Geräten wie Mobiltelefonen, Laptops und Flachbildschirmen. Es wird unter anderem in der von Bürgerkrieg zerrütteten Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) abgebaut und steht im Ruf, dort eine Finanzierungsquelle für Militärs und Rebellen zu sein. Die BGR hofft, mit dem von ihr entwickelten „Coltan-Fingerabdruck“ den illegalen Handel mit Erz aus dubiosen Quellen zurückdrängen zu können.
Mit dem von der BGR entwickelten chemischen Fingerabdruck kann die Coltan-Herkunft zurückverfolgt werden. Das funktioniert über den Abgleich von Proben aus dem Abbaugebiet mit Referenzproben, die bei industriellen Abnehmern des Erzes entnommen wurden. Da Coltan je nach Herkunft eine bestimmte chemische und mineralische Zusammensetzung aufweist, kann mit einer elektronenmikroskopischen Analyse des Metalls der Herkunftsort genau bestimmt werden. Einzelne Testproben könnten so „nicht nur einem Liefergebiet, sondern sogar bestimmten Vorkommen“ zugeordnet werden, sagt BGR-Rohstoffexperte Frank Melcher. Das, erklärt der Geologe, sei wichtig für zertifizierte transparente Rohstoff-Handelsketten, die zusätzlich installiert werden müssten, um Konfliktrohstoffe vom Weltmarkt zu drängen.
Melcher sagt, die Elektronikindustrie und Tantalverarbeiter seien daran sehr interessiert und wollten „nicht länger mit ‚Blut-Coltan’ in Verbindung gebracht werden“. Dass der Druck auf die Unternehmen gestiegen ist, bestätigt Cornelia Heydenreich von der Bonner Nord-Süd-Organisation Germanwatch. Auslöser waren Kampagnen von Nichtregierungsorganisationen und Anstrengungen der Vereinten Nationen. Diese hatten illegale Coltan-Handelswege aufgedeckt und Unternehmen öffentlich benannt, die Coltan aus kongolesischen Bürgerkriegsgebieten bezogen.
Laut Melcher hat der öffentliche Druck einige deutsche Unternehmen vor Jahren veranlasst, die Entwicklung neuer Nachweismethoden und transparentere Handelsketten bei der Bundesregierung einzufordern. Sie hat in ihrem Fortschrittsbericht zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie aus dem Herbst 2008 auf das Coltan-Problem reagiert. Darin heißt es, Ziel der deutschen Politik sei die „Diskriminierung von Lieferungen aus Konfliktregionen zu erreichen“. Die Bundesregierung versucht das über die Mitarbeit in internationalen Initiativen und über einige Forschungsprogramme. Unter anderem wurde der BGR-Fingerabdruck von ihr beauftragt.
Noch funktioniert das Geschäft mit dem illegalen Erzabbau in Ostafrika. Nach neuen Recherchen der Nichtregierungsorganisation Global Witness kontrollieren bewaffnete Gruppen in der DR Kongo heute mehr Abbaugebiete als noch vor einem Jahr.
BGR-Experte Melcher sieht vor allem die afrikanischen Staaten in der Pflicht: „Die Regierungen dort müssen zertifizierte Handelsketten auch wollen“, sagt er. Deren Entwicklung könne kein anderes Land oder die Europäische Union ihnen vorschreiben. Der Wissenschaftler glaubt aber, dass die Führung der DR Kongo inzwischen die Vorteile eines transparenteren Rohstoffabbaus und -handels erkennt – allerdings aus anderen Gründen: „Der Regierung in der DR Kongo gehen heute bis zu 90 Prozent der möglichen Steuereinnahmen aus Rohstoffexporten verloren“, sagt Melcher.
Weiterführende Informationen
„Coltan-Fingerprint“ der BGR macht Zertifizierung von Handelsketten möglich. Artikel der BGR, ohne Datum.
DR Congo: ex-rebels take over mineral trade extortion racket. Pressemitteilung Global Witness, 11.03.2010.
Für ein nachhaltiges Deutschland: Fortschrittsbericht 2008 der Bundesregierung zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Stand: Oktober 2008. [PDF, 3,2 MB]
Newsletter-Abo
Interesse an unserem Newsletter? Abonnieren Sie hier die ‚News Nachhaltigkeit‘.

