26.11.2009
„Sinnvolle Diskussion“ – Teilnehmer über die Jahreskonferenz
Mehr als 1.200 Menschen haben die
9. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 23. November in Berlin besucht – ein neuer Teilnehmerrekord. Unternehmer, Manager, Politiker, Beamte, Wissenschaftler, Verbandsvertreter, interessierte Bürgerinnen und Bürger setzten sich mit dem Thema des Tages auseinander, der „Weichenstellung für Deutschland“. Was für Eindrücke Besucherinnen und Besucher gewonnen haben, lesen Sie hier:
„Gut, dass die internationalen Nachhaltigkeitsexperten in ihrem Gutachten die Lücken in der vertikalen Integration von Nachhaltigkeitsstrategien in Bund und Ländern aufgezeigt haben. Ich denke hier und in Städten und Gemeinden gibt es zwar schon den guten Willen zur besseren Integration, der muss aber noch verlässlicher werden.“
(Thomas Koch, 46, Leiter der Geschäftsstelle des Beirates zur Nachhaltigen Entwicklung in Thüringen, Erfurt)
Der Vorsitzende der Expertengruppe, Björn Stigson, hat die Lage in Deutschland so beschrieben, wie ich sie auch wahrnehme: Es fehlen die Visionen für und der Wille zu mehr Nachhaltigkeit. Das Leitbild muss noch stärker zum Regelfall in Unternehmen werden, gerade in kleineren Instituten der Finanzwirtschaft. Oft fehlt noch das Verständnis dafür, dass Nachhaltigkeit nicht ‚Entweder-oder’ bedeutet, sondern ‚Sowohl-als-auch’.“
(Arnd Vogelsang, 38, AVOG Consulting, Düsseldorf)
„Ich fühle mich hier gut aufgehoben. Es ist schön, so viele Gleichgesinnte zu treffen und das Gefühl zu bekommen, nicht alleine zu sein.“
(Özlem Ülker, 33, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin)
„Der große Zulauf zu der Jahreskonferenz hat mich positiv überrascht. Bei uns in Ungarn ist Nachhaltigkeit nur ein Thema der Wenigen. Aufgabe von Politik und Medien ist es, Nachhaltigkeit zum Thema der Vielen zu machen. Der Rat schafft das mit dieser tollen Konferenz und macht das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung so interessanter für die breite Masse.“
(Dr. Andor Nagy, 46, Mitglied des ungarischen Parlaments und stellvertretender Vorsitzender des ungarischen Nachhaltigkeitsrates, Budapest)
„Ich glaube, dass der Tenor des Peer Reviews – die Wirtschaft könne das Ruder in Richtung Nachhaltigkeit rumreißen – zu optimistisch ist. Nachhaltigkeit wird sicher ein größeres Thema in Unternehmen. Aber Studien zeigen auch, dass die Nachhaltigkeitsleistung der Unternehmen noch nicht gestiegen ist“.
(Emily Keller, 28, Studentin, Centre for Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg)
„Das Forum zum Thema ‚Klimawandel und Gerechtigkeit’ war sehr interessant – gerade der dort diskutierte Ansatz der globalen Pro-Kopf-Rechte auf CO2-Emissionen. Aber das ist noch eine sehr abstrakte Debatte. Was mir fehlt, ist die Auseinandersetzung mit der wachsenden Weltbevölkerung. Wir müssen uns fragen, wie viel Menschen die Erde verträgt.“
(Klaus Krummrich, 56, Deutscher Sparkassen- und Giroverband, Bonn)
„Die hier geführte Wohlstandsdiskussion finde ich sinnvoll. Was zu kurz kam, war die Frage, wie Unternehmen Nachhaltigkeit besser in ihr Angebot integrieren können, um ihren Kunden mehr Wohlstand durch Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Da gibt es zwar einige Ideen, die müssen aber noch schwungvoller umgesetzt werden.“
(Daniel Schmitz-Remberg, 30, accenture Deutschland, Düsseldorf)
„Ich finde es toll, was der Nachhaltigkeitsrat macht. Aber: Der Rat kommuniziert Nachhaltigkeit nicht stark genug. Er muss mit seiner Kommunikationsarbeit ein professionelles Gegengewicht zur PR-Arbeit der Industrie setzen. Dadurch käme es auch zu einem größeren öffentlichen Druck für eine nachhaltigere Politik. Der Peer Review hat ja gezeigt, dass eine stärkere politische Vision pro Nachhaltigkeit in Deutschland dringend nötig ist.“
(Kerstin Bernecker, 63, Agenda 21, Landkreis Starnberg)
„Die Ansätze des Nachhaltigkeitsrates in der Bildungsdiskussion sind sinnvoll und unterstützenswert – etwa der Ruf nach längerem gemeinsamen Lernen in der Schule oder die Aufnahme von Themen der Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Curricula. Das ganze Bildungssystem muss so umgebaut werden, dass junge Menschen den Begriff Nachhaltigkeit nicht nur kennen, sondern auch im eigenen Alltag nachhaltig handeln.“
(Clara Hildegard Mackert, 56, Referentin Fortbildung, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Berlin)
„Klasse, dass der Rat für Nachhaltige Entwicklung mit seiner Jahreskonferenz ein Forum schafft, das Wirtschaft, Politik und Nichtregierungsorganisationen zusammenbringt und ihnen die Gelegenheit zum informellen Austausch bietet.“
(Sebastian Metzger, 32, Projektleiter Energiesparclub, ein Projekt von co2online, Berlin)
Weiterführende Informationen
Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung am 23.11.2009 in Berlin.
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