Moderator: Versorgungssicherheit
Nach Zukunftsszenarien wird die Abhängigkeit von Öl- und Gaslieferungen in den nächsten Jahren deutlich steigen. Wie sollte dem begegnet werden? Wird es keine Knappheit geben, weil die Ölförderländer bei steigender Nachfrage Ihre Produktion ausweiten? Der Nachhaltigkeitsrat setzt auf Diversifizierung von Energieträgern und ihrer Herkunft. In welchem Land sollen wir was zukünftig kaufen? Sollte die Atomkraft eine neue Chance erhalten? Unsere Volkswirtschaft ist auf wettbewerbsfähige Energie angewiesen!
Roland Heumesse: Atomkraft ist nicht nachhaltig
Wie koennen Sie ueberhaupt auf die Idee kommen, zum Thema Nachhatigkeit Atomkraft in Erwaegung zu ziehen?
Ein System, das zu 100% nachhaltig funktioniert, kann beliebig lange laufen, ohne jemals in Resourcenknappheit zu geraten. Dies kann nur mit Kreislaufwirtschaft, Wertstoff- und Energiekaskaden sowie Effizienzoptimierung erreicht werden.
Atomwirtschaft hat mit alledem nichts zu tun. Und die Resource Lagerkapazitaet fuer Atommuell ist jetzt schon erschoepft.
Wirkliche Energieunabhaengigkeit kann nur mit Regenerativen Energien erreicht werden.
Dabei wird heute noch das Potenzial von nachwachsenden Rohstoffen gewaltig unterschaetzt.
Allein was jedes Jahr in den Waeldern an sogenanntem Abfallholz verottet, koennte einen grossteil unseres Heizbedarfs decken.
Im uebrigen setzt dieses Holz beim verrotten die gleiche Menge CO2 frei wie es beim verbrennen freisetzen wuerde.
B. Steinmüller: Energieeinsparung als effektivster "Quelle" die höchste Priorität geben!
Schade, dass das in weiten Teilen zu begrüßende Dialogpapier unter dem (globalen) Thema "Energie und Klimaschutz" die (nationale) "Versorgung" an die erste Stelle setzt und damit die traditionellen Denkschablonen bereits bei der Kapiteleinteilung wieder aufleben lässt.
Vor der Bedarfsdeckung sollte doch die Bedarfsanalyse stehen! Es gilt erst zu überlegen, was wozu gebraucht wird! Die beste kWh ist die eingesparte kWh - oder verkürzt: die beste Energiequelle ist die Energiequelle "Energieeinsparung". Diese Quelle "substituiert" nicht nur konventionelle Energieträger und reduziert dadurch direkt die quantitative Abhängigkeit in meist völlig unterschätztem Umfange, sondern sie reduziert in weiten Bereichen auch die qualitative Abhängigkeit und macht das System unempfindlicher gegen externe Störungen.
So braucht beispielsweise ein (erschwingliches) "Passivhaus" nicht nur 1/10 (!) der Heizenergie eines durchschnittlichen Hauses und reduziert dadurch die direkte quantitative Abhängigkeit um 90%, sondern es hat a) auch eine Heizperiode, die gegenüber "normalen" Häusern halbiert bis gedrittelt ist (d.h. Verwundbarkeitsperiode um 50 - 70% reduziert) und kann b) aufgrund seiner thermischen Stabilität und seines hohen Anteiles an freien Wärmequellen "zur Not" auch während der kurzen Heizperiode ohne Heizung auskommen (d.h. etwaige "Verwundungen" schmerzen wenig) ! Dies zeigt eindrucksvoll, dass die Energiequelle "Einsparung" im Gebäudesektor (und nicht nur da!) eine sehr hohe Mehrfachdividende abwirft. Das Dialogpapier trägt diesen Fakten nicht Rechnung und formuliert darüber hinaus Einsparziele, die auf Dauer nicht ausreichend und d.h. nicht nachhaltig sind (Niedrigenergiehaus, 80% CO2-Reduktion ...).
Leider hat sich in den letzten Satz des Moderators ein weiteres langläufiges Missverständnis eingeschlichen, wenn er behauptet, dass unsere Volkswirtschaft auf "wettbewerbsfähige Energie" angewiesen ist. Wenn die konventionellen Energiequellen teurer wären, würden die an sich wettbewerbsfähigen - aber vielfach verkannten/nicht wahrgenommenen - Einsparquellen viel schneller sprudeln. Richtiger Weise spricht d.h. das Dialogpapier auch von "wettbewerbsfähigen Energiedienstleistungen".
Download
Dialogpapier [PDF, 373KB]
Der Nachhaltigkeitsrat hatte im Vorfeld ein Dialogpapier für die Erarbeitung der Strategie veröffentlicht, in dem Vorschläge für Ziele zu einigen Schwerpunktthemen dargelegt werden.

