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"Gesellschaftliches Bewusstsein ist eine treibende Kraft für Nachhaltigkeit. Deshalb müssen wir die Folgen gesellschaftlichen Handelns aufzeigen und die Diskussion nachhaltiger Lösungsansätze öffentlich machen."

Dr. Joachim Faber, Mitglied des Rates

Forschungs- und Technologiekompetenz für eine Nachhaltige Entwicklung in den BRICS Staaten

Titelgrafik der BRICS-Studie: Research and Technology Competence...

Studie des Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung für den Rat für Nachhaltige Entwicklung

Nachhaltige Entwicklung ist eine wachsende Herausforderung für die Wissenschaft. Sie steht in der Verantwortung, uns über Art und Ausmaß von globalen Problemen des Klimas, der Umwelt, der Energieversorgung und der sozialen Dimension von „Entwicklung“ aufzuklären. An sie wird auch der Anspruch gestellt, lokal wirksame Lösungen für globale gesellschaftliche Probleme hoher Komplexität zu entwickeln. Ergebnisse von Forschung und Wissenschaft haben wesentlich dazu beigetragen, dass unsere Wege in die Zukunft - Beispiel Klimawandel – im Sinne von Szenarien vorhersagbar geworden sind. Analysen wie die des Weltklimarates (IPCC) oder des Stern-Reports zu den zukünftig zu erwartenden Kosten des Klimawandels führen uns deutlich Chancen und Möglichkeiten vor Augen, um eine Trendwende zu erzielen - ebenso wie die Konsequenzen unseres Nicht-Handelns.

Um aus Daten, Modellen und Messungen die Grundlagen für eine informierte Debatte zu machen, bedarf es eines roten Fadens. Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung ist nötig, um die richtigen Entscheidungen in einem unsicheren und auf die Zukunft hin ausgerichteten Feld zu treffen. Welches sind die Technologielinien, in die zu investieren ist? Wo ergeben sich neue, bislang unbekannte und unerforschte Felder? Ein Beispiel: Kann uns die Wissenschaft einen Weg aufzeigen, CO2 nicht mehr als Abfall anzusehen, sondern als Rohstoff zu nutzen? Wissenschaft ist die Arbeit an der Utopie.

Angesichts der vielen offenen Fragen, Risiken, Chancen, Anforderungen und Entscheidungen, die zu treffen sind: Unbestritten ist der Umstand, dass der notwendige Umbau unserer Gesellschaft ohne

  • technologische und soziale Innovationen,
  • das Denken in Prozessen und institutionellen Entwicklungen,
  • die Integration von Lösungen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft

nicht gelingen wird.

Die Lasten, die die Modernisierung Umwelt und Gesellschaft auferlegt, stellen nicht nur Herausforderungen für hochindustrialisierte Länder, die um die Entkoppelung des Umwelt- und Ressourcenverbrauchs von ökonomischen Prozessen bemüht sind. Längst schon erzeugen Wachstumsökonomien mit wirtschaftlichen Zuwächsen von mehr als 8% im Jahr gravierende und dramatische Schäden an der Umwelt und im sozialen Zusammenhalt von Gesellschaften, die einen großen Teil der Wohlfahrtswirkungen auffressen. Ressourcenverknappung und steigende Rohstoffpreise sind ebenso die Folge wie der Verlust an Biodiversität. Um eine globale Trendwende zur nachhaltigen Entwicklung zu erzielen, kommt dem Aufbau von Forschungs- und Wissenskapazitäten zur Nachhaltigkeit in der Gestaltung unserer Verflechtungen mit Entwicklungs- und Schwellenländern eine fundamentale Rolle zu.

Vor diesem Hintergrund hatte der Rat für Nachhaltige Entwicklung bereits 2005, gemeinsam mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, einen Dialog über Nachhaltigkeit und Wachstum mit fünf großen Schwellen- und Transformationsländern durchgeführt. Im Ergebnis hat der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung empfohlen, solcherart Dialoginitiativen mehr Raum in der nationalen Nachhaltigkeitspolitik zu geben. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat diese Empfehlung aufgegriffen und führt in Kooperation mit dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) ein Dialog-Projekt unter dem Titel „Dialogue 4S: Sustainable Solutions - Science for Sustainability - Internationaler Dialog des BMBF zur Nachhaltigkeitsforschung“, fort. Damit soll auch die thematische Einengung und Fokussierung der deutschen Technologie- und Forschungskompetenz beim Thema Nachhaltigkeit aufgebrochen werden.

Als erste Grundlage und zugleich Anschub für diesen Forschungsdialog hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung im Vorfeld des Projektes eine vergleichende Studie zur Analyse der technologischen Leistungsfähigkeit und wissenschaftlichen Kompetenz in den Ländern Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika (BRICS) und Deutschland beim Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (FhG ISI) in Auftrag gegeben, deren Ergebnis nun vorliegt. Sechs ausgewählte Themenfelder der Nachhaltigkeit sind einer kritischen Bestandsaufnahme unterzogen, und um die Perspektive bestehender Kooperationserfahrungen deutscher Unternehmen in den BRICS Staaten ergänzt worden. Die Studie stellt erstmalig die Forschungskompetenz Deutschlands auf den Prüfstand der globalen Verantwortung.

Es liegt in der Verantwortung Deutschlands, den wirtschaftlichen Aufbau in Entwicklungs- und Schwellenländern durch den Zugang zu Wissen und technologischen Lösungen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung mit zu gestalten. Der Bedarf an Forschungsergebnissen zur Nachhaltigkeit wird zunehmend von der Nachfrage aus den Zukunftsmärkten dieser Länder bestimmt. Die internationale Ausrichtung der Forschungslandschaft und die Begegnung unterschiedlicher kultureller Systeme, Erfahrungen und Zugänge zu Wissens- und Technologieentwicklung stellen letztlich selbst eine Quelle für die Entwicklung von Innovationen dar.

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